Devisenmarkt

Koreanischer Won im freien Fall

Währungskrise in Südkorea?

Währungskrise in Südkorea?

07. Oktober 2008 Der koreanische Won zählt schon seit Monaten zu den schwächsten Währungen weltweit. Alleine seit Ende Oktober des vergangnen Jahres wertete die Währung Südkoreas mehr als 32 Prozent gegen den Dollar ab. Der Kurs stieg von 903 auf zuletzt 1.326 Won je Dolla, den höchsten Stand seit sieben Jahren.

Gegen den Euro zeigt er sich schon länger schwach. Seit Anfang des Jahres 2006 hat er um knapp 37 Prozent abgewertet. Der Kurs ging in dieser Zeit um knapp 57 Prozent nach oben auf zuletzt 1.802 Won je Euro. Das ist der höchste Stand aller Zeiten.

Abwertungsdynamik hat in den vergangenen Tagen zugenommen

In den vergangenen Tagen hat die Abwertungsdynamik deutliche zugenommen. Alleine seit Beginn der Woche hat die südkoreanische Währung gegen den Euro sechs Prozent verloren und gegen den Dollar sogar mehr als acht Prozent. Das sind Verluste, die zuletzt in den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts im Rahmen der damaligen Asienkrise zu beobachten waren.

Der Grund für die Kursverluste liegt in der internationalen Finanzkrise. Sie zeigt sich in Asien in Form von Kapitalabflüssen, die die Versorgung mit ausländischen Devisen beeinträchtige und die Währungen der Region belaste, heißt es aus dem Handel. Die Industrial Bank of Korea, eine Staatsbank mit Spezialisierung auf die Betreuung kleiner und mittlerer Unternehmen, bietet den Firmenkunden inzwischen vorteilhafte Konditionen, um an Devisen heranzukommen. Sie war von der Regierung dazu aufgefordert worden, um die Finanzierung in Fremdwährungen zu erleichtern.

Die koreanische Regierung werde auf den „Währungsstabilisierungs-Fonds“ mit einem Volumen von 55 Milliarden Dollar zurückgreifen, um die angespannte Liquiditätssituation zu entspannen, erklärte Finanzminister Kang Man Soo am Montag. Die Fremdwährungsreserven sind in den vergangenen Monaten von 264 Milliarden Dollar im März auf knapp 240 Milliarden Dollar Ende September zurückgegangen. Zuletzt wurde im Devisen-Swapmarkt interveniert.

Finanzwerte in der Defensive und unter Beobachtung

Die Ratingagentur S&P erklärte am Dienstag, die Kreditwürdigkeit der Banken des Landes könne reduziert werden, sofern die Währungs-Liquiditätsprobleme nicht rechtzeitig angegangen würden. Moody's hatte den Ausblick für die Kookmin Bank, die Woori Bank, die Shinhan Bank sowie die Hana Bank schon Anfang des Monats reduziert. Die Aktien der Finanzwerte des Landes stehen schon länger unter Druck. Der Korea Financial Industry Index hat in den vergangenen Monaten 40 Prozent ihres Wertes verloren. Einzelne Werte wie die der Seoul Mutual Savings Bank verloren seit Beginn des Jahres bis zu 75 Prozent ihres Wertes in lokaler Währung.

Fundamental sind in Korea selbst zudem die wirtschaftlichen Aussichten allenfalls verhalten. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts werde mit 4,7 Prozent schwächer ausfallen als bisher erwartet, erklärte Finanzminister Kang Man Soo vor wenigen Tagen. Auf der anderen Seite hat das Land ein ausgeprägtes Inflationsproblem. Während der Index der Verbraucherpreise im August mit 5,6 Prozent auf Jahresbasis unter den Befürchtungen lag, betrug der Zuwachs der Erzeugerpreise 12,3 Prozent. Der Importpreisindex lag sogar bei 42,6 Prozent.

Da das Land stark auf die Importe von teuer gebliebenen Rohstoffen angewiesen ist, dürfte der Preisauftrieb unter anderem aufgrund der schwachen Währung künftig stark bleiben. Die Bank of Korea hat ihre Base Rate in den vergangenen Monaten zwar angehoben von 3,25 Prozent im November der Jahres 2004 auf zuletzt 5,25 Prozent Anfang August der laufenden Jahres. Angesichts der Preisimpulse scheint der Markt daran zu zweifeln, ob die Zentralbank restriktiv genug ist, um die Inflationsrate in den angestrebten Zielkorridor von 2,5 bis 3,5 Prozent zurückzubringen. Manche Währungsstrategen befürchten, gerade die asiatischen Staaten tendierten eher dazu, höhere Inflationsraten in Kauf zu nehmen, statt nominales Wachstum für eine vernünftig Preisstabilität aufzugeben.

Insgesamt dürfte sich die Lage an den internationalen Finanzmärkten deutlich beruhigen müssen, bevor sich die koreanische Währung stabilisieren kann.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, REUTERS

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