Rohstoffe

Rohstoffpreise scheinen kurzfristig überhitzt zu sein

29. Februar 2008 Die Hausse bei den Rohstoffpreisen dauert nun schon seit sieben Jahren an. Während dieses Phänomen anfangs kaum wahrgenommen wurde, prägt der Aufschwung nun fast jeden Tag die Berichtserstattung mit. Besonders schlagzeilenträchtig sind dabei derzeit die Höhen, die der Öl- und Goldpreis erklommen haben.

Hinlänglich bekannt sind inzwischen auch die Faktoren, die hinter dem Preisauftrieb stecken. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang in erster Linie die wachsende Weltbevölkerung, der zunehmende Wohlstand sowie die wachsende Nachfrage aus rohstoffhungrigen Ländern wie etwa China und Indien. In diesen Ländern hinkt der Verbrauch pro Kopf noch immer deutlich hinter dem Niveau der führenden Industrienationen her.

Langfristig gibt es weiter viele Gründe für steigende Rohstoffpreise

Neben der steigenden physischen Nachfrage gilt auch die Angebotssituation als angespannt, weil es versäumt wurde, in den vergangenen Jahrzehnten in neue Produktionsstätten zu investieren. Es herrscht ein Mangel an Fachkräften und Arbeitsgeräten. Die Kosten steigen weiterhin und die Infrastruktur ist größtenteils veraltet. Das alles zusammen ergibt hohe Rohstoffpreise. Ein Gleichgewicht im Markt wird sich erst wieder einstellen, wenn entweder die Nachfrage sinkt oder das Angebot erheblich ausgeweitet wird. Beides ist aus Sicht der Rohstoffexperten beim Investmentmanager BlackRock nicht in Sicht. Deshalb billigen sie dem Sektor in einer gerade neu veröffentlichten Einschätzung weiterhin glänzende Aussichten zu.

Nicht nur die strukturelle Lage spricht für tendenziell hoch bleibende Preise, sondern auch der in Gang gekommene Konsolidierungsprozess innnerhalb der Branche. Durch die damit verbundene Konzentration nimmt die Preismacht der fusionierten Unternehmen zu. Gleichzeitig gelten Rohstoffe zunehmend als Schutz gegen die Inflation. Aus diesem Grund werden sie in Zeiten niedriger Zinsen für Anleger immer attraktiver.

Langfristig stehen aufgrund der genannten Faktoren die Chancen gut, dass sich die Rohstoff-Hausse weiter fortsetzen wird. Dazu kommt die Tatsache, dass der Sektor dank der in den vergangenen Jahren erlebten Renaissance bei Anlegern, Anlageberatern und Anbietern von Produkten einfach in Mode gekommen ist. Das bringt zusätzliche Nachfrage und damit Liquidität in den Markt. Doch diese neu gewonnene Beliebtheit hat auch ihre Schattenseiten. In den vergangenen Wochen sind die Preise vieler Rohstoffe auch getrieben von viel spekulativem Kapital regelrecht in die Höhe geschossen. Das macht den Sektor nun anfällig für einen temporären Rückschlag oder zumindest für eine zwischenzeitliche Konsolidierung.

Viele Nachrichten scheinen bereits eingepreist zu sein

Denn preistreibende Nachrichten wie Stromausfälle bei den Produzenten in Südafrika und China, Infrastruktur-Defizite in den Abbaugebieten in Australien und die Aussicht auf weiter fallende Leitzinsen in Amerika scheinen bereits eingepreist zu sein: Und neue Impulse zeichnen sich derzeit kein ab.

Wie positiv die Stimmung unter den Marktteilnehmern hinsichtlich des Rohstoffsektors derzeit ist, zeigt sich auch an den in einer Einschätzung der Analysten von BCA Research verwendeten Grafiken. Daraus lässt sich aktuell im langfristigen Vergleich sogar ein hohes Übermaß an Zuversicht ablesen, was für eine baldige Gegenbewegung nach unten spricht.

Die angeführten strukturellen Faktoren dürften jedoch grundsätzlich dafür sorgen, dass die langfristige Hausse noch nicht gefährdet ist. Dafür spricht auch die historische Erfahrung. Sie zeigt, dass Aufschwünge im Rohstoffsektor in der Regel durchschnittlich deutlich länger als zehn Jahre dauern.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @JüB
Bildmaterial: BCA, FAZ.NET

 
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