Devisen

Mehr Widerstand gegen "Yen- und Yuan-Protektionismus"

30. September 2004 Sowohl an den Börsen als auch am Devisenmarkt sind aktuell die Volatilitäten sehr tief. Die Marktteilnehmer scheinen angesichts des eher verhaltenen Handels in den vergangenen Wochen und Monaten nicht mit größeren Kursbewegungen zu rechnen. Im Gegenteil.

Immer mehr Anleger scheinen dazu überzugehen, Optionen direkt oder indirekt - beispielsweise über Aktienanleihen, Diskontzertifikate oder ähnliches - zu verkaufen, um mit den eingenommenen Optionsprämien die ansonsten eher magere Rendite des Portfolios aufzupeppen. Das führt dazu, das normale Kauf- und Verkaufsoptionen für den Käufer immer günstiger werden. Die Verkäufer dagegen nehmen immer weniger ein.

Devisenmarkt kurzfristig in labilem Gleichgewicht

Im Vergleich mit den historischen Risiken gehen sie mit ihrer Strategie damit immer größere Risiken ein. Dabei deuten tiefe Volatilitäten nicht selten auf die „Ruhe vor dem Sturm“ hin. Das heißt, durch einen nicht vorher absehbaren Impuls könnten die Märkte aus ihrem kurzfristigen, aber doch ziemlich labilen Gleichgewicht gebracht werden.

Die Labilität des Devisenmarktes besteht in erster Linie in den makroökonomischen Ungleichgewichten weltweit. Das sind einerseits die gewaltigen Defizite Amerikas. Stephen Roach von Morgan Stanley schrieb in einer seiner jüngsten Analysen nicht nur über das amerikanische Doppeldefizit in Form der raschen wachsenden Budget- und Leistungsbilanzdefizite, sondern in Wirklichkeit sei es sogar ein Dreifachdefizit. Das Kernproblem Amerikas bestehe darin, daß der Konsum schon seit Jahren zu hoch und die Sparquote viel zu tief sei. Nichts zeige deutlicher, daß Amerika über seine Verhältnisse lebe, als das Defizit bei der Ersparnisbildung.

Die Defizite Amerikas können nur über Kapitalimporte finanziert werden. Und das Kapital kommt vor allem aus Asien. Die asiatischen Staaten - allen voran Japan und China - erzielen riesige Handelsbilanzüberschüsse, vor allem im Handel mit Amerika. Das müßte auf der Währungsseite grundsätzlich den Dollar unter Druck setzen und die asiatischen Währungen - allen voran den Yen und den Yuan - aufwerten lassen. Um das zu vermeiden hat China die Währung fest an den Dollar gekoppelt. Das Land investiert einen großen Teil seiner rasch wachsenden Devisenreserven in Amerika, um den festen Wechselkurs nicht zu gefährden. Japan hat in der Vergangenheit ebenfalls massiv zu Gunsten des Dollars interveniert.

Wechselkursmanipulation Japans und Chinas: „Protektionismus der besonderen Art“

Beide Staaten schlagen damit zwei Fliegen mit einer Klappe. Erstens sorgen sie in Amerika zusammen mit der amerikanischen Notenbank für ungewöhnlich tiefe Zinsen. Das ist gewissermaßen eine Art von Absatzfinanzierung für ihre Produkte, denn auf diese Weise wird der sowieso schon stark verschuldete amerikanische Konsument ungewöhnlich lange bei Laune gehalten. Zweitens verschaffen sie der heimischen Industrie über die manipulierten Wechselkurse im internationalen Vergleich massive Wettbewerbsvorteile. Damit wird die Strategie zu einer besonderen Form des Protektionismus.

Das zeigt sich beispielsweise an der Automobilindustrie. Während asiatische Hersteller in Amerika und Europa immer mehr Marktanteile gewinnen, geraten die lokalen Hersteller ins Hintertreffen. Zumindest die Chefs der amerikanischen Produzenten GM, Ford und Chrysler üben nun allerdings im Vorfeld des am Wochenende anstehenden G7-Treffens Druck auf die amerikanische Regierung aus, diesem Treiben einen Riegel vorzuschieben. Dabei stehen sie lange nicht so stark unter Druck, wie die europäischen Hersteller auf Grund des beinahe alleine aufwertenden Euros.

Am Donnerstag legen Yen und Euro gegen den Dollar deutlich zu auf 1,2413 Dollar je Euro und 110,48 Yen je Dollar. Das mögen nur kurzfristige Bewegungen sein. Langfristig muß vor allem Amerika zunächst zu einer soliden Finanzpolitik zurückkehren, um den Dollar nicht weiter zu unterminieren. Zweitens müssen die Manipulationen der asiatischen Währungen beendet werden. Auf Grund der Handelsströme müssen sie deutlich gegen Dollar und auch Euro aufwerten. Es kann nicht sein, daß sich längerfristig eine ganze Region auf Kosten des „Restes“ der Welt Vorteile verschafft. Denn je länger die Korrektur aufgeschoben wird, desto größer wird der „Ungleichgewichts-Korrekturbedarf“ und desto größer werden die damit verbundenen Risiken für die Weltwirtschaft. Es wird Zeit, daß sich Japan und China in dieser Frage endlich bewegen.

Entwicklung des Dollars gegen den Euro in den vergangenen Jahren
Entwicklung des Dollars gegen den Euro in den vergangenen Jahren

e in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri

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