Devisen

Chinas Devisenreserven erreichen neue Rekorde

14. Oktober 2008 Mit der Finanzmarktkrise ist in den vergangenen Wochen auch die Marktwirtschaft und der Kapitalismus allgemein in die Kritik geraten. Das System habe versagt, heißt es speziell aus der linken Ecke - und der Staat müsse wieder für Ordnung sorgen.

Diese Argumentationsweise ist jedoch höchst fragwürdig. Nicht das System hat versagt, sondern die Politik. Die Regulatoren sorgten nicht für die notwendige Disziplin und Transparenz im System. Wiederholte fiskal- und geldpolitische Interventionen in den vergangenen Jahrzehnten führten zudem dazu, dass sich der Finanzbereich von der Realwirtschaft abkoppelte und aufgrund zu geringer Risikoprämien unter Inkaufnahme hoher Schulden stark wucherte.

Unfreie Wechselkurse beeinflussen Wettbewerbsfähigkeit von Staaten und sorgen für Ungleichgewichte

Aber auch im Devisenmarkt wird das Versagen der Politik immer offensichtlicher. Zum Beispiel am Wachstum der Devisenreserven in China. Diese erreichten im September das beispiellose Volumen von 1,906 Billionen Dollar. Der Grund liegt in den wachsenden Exportüberschüssen des Landes, die wiederum auf die relativ feste Bindung der Währung des Landes an den schwachen Dollar zurückzuführen sind.

Würden normale Marktmechanismen dafür sorgen, dass Chinas Währung bei wachsenden Exporten aufgrund der Nachfrage aufwertete, so verhindert das Land durch Interventionen genau das. Auf diese Weise konnte es in den vergangenen Jahren der Dollarschwäche seine wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich mit den Vereinigten Staaten weitgehend halten, während sie gegen die Länder mit starken Währungen sogar noch gesteigert werden konnte. Kein Wunder also, dass die Exporte Chinas nach Europa in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen haben.

Auf der anderen Seite führten die hohen Devisenreserven in Chinas Binnenmarkt zu inflationären Problemen. Die offiziellen Inflationsraten liefen in den vergangenen Monaten deutlich nach oben, obwohl viele Preise im Land administriert werden. Das heißt, die Inflationsraten zeigen nicht einmal wahre Dimension der tatsächlichen Preisentwicklung im Lande. Die Preise für Energie sind beispielsweise stark subventioniert. Das hinderte das Land nicht daran, im vergangenen Monat die Zinsen zweimal zu senken, obwohl die Realzinsen schon lange negativ sind. Die Finanzkrise dämpfe die Exportnachfrage, heißt es zur Entschuldigung.

Interventionen führen zu Problemen im Binnenmarkt und in direkt an den internationalen Finanzmärkten

Die Wechselkurspolitik des Landes führte jedoch nicht nur im Binnenmarkt zu Verwerfungen. Die Investition der Mittel in internationale Anlagen hat zusammen mit der ultra lockeren Geldpolitik der Vereinigten Staaten und den Regulierungsfehlern in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, dass weltweit die Preise verschiedenster Vermögenswerte stark nach oben gelaufen und dass die Renditen an den Rentenmärkten stark gefallen sind. Das heißt, sie waren mit verantwortlich für die Preis -und Kursblasen in den verschiedenen Bereichen (Immobilien, Aktien, Anleihen, Rohstoffe und vor allem auch im Devisenmarkt). Deren Platzen führte in den vergangenen Monaten zur Finanz- und Wirtschaftskrise.

Das heißt, letztlich waren die Wechselkurspolitiken der Staaten, die ihre Währungen unabhängig von der Entwicklung des realen Außenhandels an den Dollar gekoppelt haben, für die Kreditkrise mitverantwortlich. In diesem Sinne ist die Wechselkurspolitik der vergangenen Jahre, die den Euro über alle Maßen hat aufwerten lassen und die die chinesischen Währungsreserven auf immer neue Höhen treibt, ein weiteres Symbol für das Versagen der internationalen Finanz- und Wirtschaftspolitik - und nicht des Marktes. Eine vernünftige Wirtschaftspolitik hätte dazu geführt, dass die Wechselkurse flexibler wären, als sie es in den vergangenen Jahren waren. Auf diese Weise hätten sich viele Ungleichgewichte, die zur Finanzkrise beitrugen und die weiterhin unter der Oberfläche brodeln, vermeiden lassen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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