Devisen

Franken auf Rekordtief gegen den Euro

05. April 2007 Nach einer kurzzeitigen Krisenstimmung haben sich in den vergangenen Tagen nicht nur die internationalen Börsen von ihren Zwischentiefs erholt und teilweise neue Mehrjahreshochs markiert, sonder auch die Korrekturbewegungen am Devisenmarkt sind inzwischen wieder korrigiert worden.

Mit dem rasch wieder auflebenden Risikoappetit der internationalen Anleger und den sich zumindest kurzfristig entspannenden geopolitischen Risiken und fallendem Ölpreis sind spekulative Anleger offensichtlich wieder zu den beinahe schon „traditionellen“ Strategien übergegangen, auf bisher hoch rentierliche Märkte zu setzen und sich gegebenenfalls in Währungen mit tiefen Zinsen dafür zu verschulden.

Niedrigzins-Währungen befinden sich wieder einmal in der Defensive

Diese Tendenz zeigt sich nicht nur in der guten Performance von exotischen Börsen, sondern auch am Währungsmarkt. Dort nähert sich der Euro nicht nur gegen den Yen einem neuen Rekordhoch, sondern gegen den Schweizer Franken hat er es mit Kursen von bis zu 1,6318 Franken je Euro am Donnerstag im Tagesverlauf ein solches markiert. Ähnlich wie bei Euro-Yen zeigt auch hier zumindest der mittelfristige Trend weiterhin nach oben.

Auf dieser Basis und bei anhaltendem Wirtschaftsoptimismus der internationalen Anleger scheinen aus diesem Grund weitere neue Rekordkurse wahrscheinlich zu sein. Alleine schon die Erfahrung lehrt, dass Trends dieser Art länger anhaltend können, als vermutet. Das gilt vor allem dann, wenn sie auf makroökonomischen Konstellationen basieren, wie das bei Währungen der Fall ist.

Denn diese ergeben sich nicht nur aus rein wirtschaftlichen Entwicklungen, sondern nicht selten werden sie auch von politischen Einflüssen bestimmt. Nirgends wird das deutlicher als bei Währungen. Jahre- oder gar jahrzehntelang können sich von theoretischen Bewertungen abweichen, bevor es schließlich doch zu einer unter Umständen raschen Anpassung mit zum Teil dramatischen Folgewirkungen kommen kann. Das zeigte sich beispielsweise während der Asienkrise in den späten neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Abwertungstrends können lange anhalten, aber nicht ewig

Auch künftig dürfte so etwas nicht ausgeschlossen sein. Denn gegenwärtig werden vor allem asiatische und andere an den Dollar gekoppelte Währungen aus politischen Gründen tief gehalten. Die Folge sind allerdings immer größer werdende Ungleichgewichte in den internationalen Leistungsbilanzen und bei den Währungsreserven. Kritische Experten warnen längst vor den möglichen Folgen einer abrupten Anpassung und empfehlen entsprechende politische Initiativen.

Diese würden mit einer großen Wahrscheinlichkeit auf eine Aufwertung des Yuan und des Yen und vieler anderer Währungen hinauslaufen müssen, vor allem gegen den Euro. In diesem Sinne dürfte man die gegenwärtigen Abwertungstrends von Yen und auch des Frankens gegen den Euro kritisch betrachten müssen. Denn natürlich und nachhaltig sind sie aufgrund der Bewertungen nicht. Immerhin läuft die schweizerische Volkswirtschaft an den Kapazitätsgrenzen. Zusammen mit den schwachen Währung kann dies zu Preisimpulsen führen und die Zentralbank des Landes zu Zinserhöhungen zwingen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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