25. Juni 2007 Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) sieht die weitere weltwirtschaftliche Entwicklung grundsätzlich aufwärtsgerichtet, sie warnt aber vor beträchtlichen Risiken. In ihrem am Sonntag veröffentlichten Jahresbericht schreibt die Bank der Zentralbanken, dass mindestens auf vier Unsicherheitsfaktoren hinzuweisen sei, auch wenn sich deren Eintrittswahrscheinlichkeit und potenzielle Wechselwirkungen nicht wirklich berechnen lassen.
So könne erstens ein Anstieg des globalen Inflationsdrucks (bzw. der Inflationserwartungen) nicht ausgeschlossen werden, warnt die BIZ vor allem angesichts der steigenden Kapazitätsauslastungen in den meisten wichtigen Industrieländern. Zweitens gibt sie zu bedenken, dass der gegenwärtige Abschwung in den Vereinigte Staaten stärker und seine Auswirkungen auf die Weltwirtschaft größer sein könnten als bisher erwartet.
Vier Risikofaktoren für die Weltkonjunktur
Drittens besteht nach Einschätzung der BIZ angesichts der weltweiten Leistungsbilanzungleichgewichte sowie der umfangreichen und volatilen Kapitalströme eine Anfälligkeit gegenüber abrupten Wechselkursänderungen mit potenziellen Folgen für Finanzmärkte und Preise von Vermögenswerten. Schließlich warnt die BIZ davor, dass an den Märkten für Vermögenswerte, in die bereits viel Optimismus in die Preise geflossen sei, jeglicher negative Schock unerwartete Konsequenzen haben würde. So äußert die BIZ die Auffassung, dass die Reaktionen der Finanzmärkte auf gute Nachrichten mittlerweile durch irrationalen Überschwang gekennzeichnet sind.
Angesichts der aufgeführten Unsicherheiten sei eine vorausschauende Ausrichtung der Wirtschaftspolitik nicht einfach, schreibt die BIZ weiter. Erschwert werde sie zudem durch die laufende Debatte über die angemessene Rolle der Geldmengen- und Kreditaggregate in der geldpolitischen Praxis und darüber, wie wünschenswert vorbeugende Maßnahmen sind, um der prozyklischen Natur des Finanzsystems zu begegnen.
Wertverlust des japanischen Yen - eindeutig etwas Anomales
Vor dem Hintergrund der Besorgnis über die allgemeine weltweite Inflation und sich abzeichnende, zunehmende Finanzierungsungleichgewichte in vielen Bereichen scheinen allerdings eine strengere Überwachung und striktere Finanzierungsbedingungen angezeigt, so die BIZ. In diesem Zusammenhang geht die BIZ auch auf den - durch Carry-Trades getriebenen - anhaltenden Wertverlust des japanischen Yen ein, der ihrer Ansicht nach eindeutig etwas Anomales hat. Eine straffere Geldpolitik würde dazu beitragen, hier Abhilfe zu schaffen, betont die BIZ.
Auch dürfte nach Auffassung der Institution mehr fiskalpolitische Zurückhaltung auf kurze und mittlere Sicht willkommene Auswirkungen haben. Solche Straffungen sollten vor allem in Ländern mit hohen Leistungsbilanzdefiziten wie den Vereinigte Staaten erfolgen. Die Chancen für einen geordneten Abbau der weltweiten Ungleichgewichte dürften sich dann im Falle flexiblerer Wechselkurse und struktureller Änderungen zusätzlich verbessern. Länder mit Leistungsbilanzdefiziten müssen sich auf die Produktion von handelbaren, solche mit Überschüssen auf nicht handelbare Güter konzentrieren, erläutert die BIZ vor allem mit Blick auf die Vereinigte Staaten und China.
Text: Dow Jones Newswires
Bildmaterial: BIZ, FAZ.NET