Von David Bogoslaw
30. Dezember 2008 Solange der Dollar derart unter Druck steht, würde man davon ausgehen, dass Gold auch 2009 eine gute Anlageform bleibt, da die Notenbank eine expansivere Geldpolitik betreibt als andere große Zentralbanken. Der Knackpunkt ist jedoch: Kurzfristig wird der Markt eher von der Angst vor einer drohenden Deflation als vor einer Inflation beherrscht, eines der Hauptargumente gegen den Kauf von Gold.
in Einwand könnte sein, dass der Anstieg des Goldpreises auf ein Rekordhoch von nahezu 1.030 Dollar je Unze im März dieses Jahres eher im Kontext des Anziehens der Rohstoffpreise insgesamt zu sehen ist und weniger mit dem gelben Metall selbst zu tun hatte. Nachdem der allgemeine Ausverkauf bei den Rohstoffen seit dem Sommer nicht unterbunden werden konnte, fiel der Goldpreis im November auf einen Tiefstand von 680 Dollar, bevor er zum Jahreswechsel hin erneut über die Marke von 800 Dollar kletterte.
Gold: Instrument des Werterhalts mit hoher Liquiditätssicherheit
Nun, da sich eine neue Ära für Rohstoffe abzuzeichnen scheint - gekennzeichnet durch eine größere Preisstabilität - werden künftige Gewinne aus Goldanlagen wieder als sicherer Hafen für Wohlstand, als Schutz vor Inflation und begehrenswerte Schmuckstücke wahrgenommen werden.
In seinem Ausblick für 2009 zitierte der Geschäftsführer von Metals Services bei Alaron Trading in Chicago Dave Meger an ihn gerichtete Fragen rund um die Bedeutung von Gold als dem sicheren Hafen für das Vermögen und als Werterhalt in schwierigen Zeiten, und die damit verbundene Frage, weshalb das Metall in den jüngsten konjunkturellen Turbulenzen nicht besser abgeschnitten hat. Meger sieht Gold weiterhin als sicheren Hafen für das Vermögen und führt an, dass die Kurseinbrüche bei dem gelben Metall weit weniger drastisch ausgefallen seien als bei anderen Rohstoffen und auch die extreme Volatilität anderer Finanzinstrumente beim Gold kein Thema seien. Bislang sei der Abgabedruck unmittelbar darauf zurückzuführen, dass Gold als Instrument des Werterhalts mit hoher Liquiditätssicherheit fungiert habe.
Inflationsängste maßgeblich für Goldpreisanstieg
Der Hauptgrund für den jüngsten Goldpreisanstieg war die Abschwächung des Dollar im Vorfeld - und im Nachgang - zur Kürzung des Leitzinses der amerikanische Notenbank auf ein Rekordtief von 0 Prozent bis 0,25 Prozent, während die Europäischen Zentralbanken derlei drastische Maßnahmen ablehnten. Meger rechnet damit, dass die Zinspolitik der amerikanische Notenbank im ersten Quartal des neuen Jahres weiterhin für einen Anstieg der Goldpreise sorgen wird. Anschließend werde sich der Preis im Zuge erneut aufkommender globaler Finanzturbulenzen abschwächen, und die Welt wieder verstärkt auf den Dollar als bevorzugte Leitwährung setzen. Die Nachfrage nach Schmuck wird im kommenden Jahr in den Vereinigten Staaten und in Europa infolge der Rezession zurückgehen. In Indien hingegen - dem weltweit größten Abnehmer von Goldschmuck - wird die Nachfrage aufgrund der kulturellen Bedeutung von Gold wohl anhalten. So werden die Goldpreise in Indien voraussichtlich im Zuge der Weihnachtseinkäufe und in anderen Teilen der Welt ab Herbst anziehen, so Meger in einer Telefonkonferenz am 18. Dezember.
Eine wirkliche Kehrtwende wird jedoch erst eintreten, wenn die Angst vor einer Deflation in eine Angst vor einer Inflation umschlägt, so Meger. Laut Victor Sperandeo, CEO von Alpha Financial Technologies, einem Marktforschungsunternehmen in Dallas und Autor von Trader Vic on Commodities: What's Unknown, Misunderstood, and Too Good to be True, ist damit bei einer Belebung der Wirtschaft zu rechnen, da beides eng miteinander verknüpft ist.
Goldpreis: Abzinsung einer Erholung
Bei allen bereits gesetzten und noch ausstehenden Impulsen muss die Konjunkturerholung mit einer Inflationssenkung einhergehen, so Sperandeo. Tatsächlich besteht nach wie vor eine Knappheit - wenn die Nachfrage steigt - an genau denselben Dingen [wie] vor der Rezession: Industriemetalle, Getreide und Öl.
Analog zum Aktienmarkt, der der Wirtschaft um Längen voraus ist, spiegelt der Goldpreis den Glauben des Markts, dass der Tiefpunkt der Rezession bereits hinter uns liegt, so Sperandeo. Wenn ich sehe, dass die amerikanische Notenbank Billionen von Dollar [in das Bankensystem] pumpt, warte ich nicht, bis sich eine Inflation einstellt. Er zieht eine Parallele zwischen der Erholung am Goldmarkt und dem sprunghaften Anstieg des Standard & Poor's 500 Stock-Index seit dem 20. November.
Die meisten Ökonomen und Strategen rechnen jedoch für das erste Halbjahr 2009 infolge steigender Arbeitslosigkeit und Konsumflaute mit einer weiteren Verschlechterung der Wirtschaftslage. Wenn sich die Rezession infolge von Wehwehchen am Immobilienmarkt oder an anderen Märkten - oder infolge ausbleibender Effekte der gesetzten Anreize - noch verschlimmert, werde der Goldpreis, so Sperandeo, zusammen mit dem Aktienmarkt in den Keller gehen, bis der Finanzminister mit etwas anderem danach wirft, um Verbesserung für die Zukunft zu erzielen.
Was bringen Gold-ETFs am Tag des Jüngsten Gerichts?
Nicht jeder setzt auf Gold, und sei es auch nur zur Absicherung gegen eine Inflation. Aus historischer Sicht werden mit physischen Waren äußerst bescheidene Gewinne erzielt, obgleich das Warentermingeschäft als Diversifier etwas erfolgreicher ist, so Rick Miller, Gründer von Sensible Financial Planning and Management in Cambridge, Massachusetts. Wer auf Gold als Wertanlage im Rahmen eines Doomsday-Portfolios setzt, sollte in Goldmünzen investieren, die man physisch in Besitz nehmen kann.
Wenn es zum Äußersten kommt und Gold gekauft wird, weil alles andere nichts mehr Wert ist, nur um sagen zu können: 'Ich halte Anteile an diesem Gold-ETF' und im Tresorraum der Bank sein Gold abholen zu können, kann man damit niemanden mehr beeindrucken, so Miller.
In den vergangenen sechs bis sieben Wochen haben die Preise für Goldmünzen aufgrund von Lieferknappheit und gestiegener Nachfrage einen Höchststand erreicht, obgleich die Goldfutures-Preise der Comex-Abteilung der New Yorker Warenterminbörse gefallen sind. Laut Dave Heller, Eigentümer von FH Coin and Collectibles in New York wird der amerikanische Goldadler, eine der drei beliebtesten Goldmünzen, derzeit zum Kassakurs von 845 Dollar zuzüglich einer Provision von 80 bis 100 Dollar - gegenüber der üblichen Provision von 4,5 Prozent bis 6,0 Prozent - oder 38 bis 51 Dollar - verkauft.
Weitere Instrumente zur Absicherung: TIPS und TIPS-Fonds
Dies ist ein Indiz für den Vertrauensverlust der Anleger in die Wirtschaft, die nun ihr Geld verstärkt in Gold anlegen, so Ernest Hathaway, Chef des Financial Strategies Institute in Midvale, Utah. Hathaway empfiehlt, seine Ersparnisse im Wesentlichen in Gold anzulegen, bis die Wirtschaft eine überzeugende Trendwende vollzogen hat, zieht Münzen jedoch die börsengehandelten Fonds, wie die SPDR Gold Shares, vor. Es ist offenkundig, dass sich die amerikanische Regierung mit den Geldmengen, die derzeit in das Bankensystem gepumpt werden, und dem nationalen Steueranreizpaket gegen eine künftige Inflation wappnet, so Miller.
Er rät seinen Kunden, sich mit Investitionen in indexgebundene Anleihen, wie staatliche inflationsgeschätzte Wertpapiere (Treasury Inflation Protected Securities, TIPS), abzusichern. Der börsengehandelte iShares Barclays TIPS Bond Fund und der Vanguard Inflation-Protected Securities Fund (VIPSX) seien äußerst wirkungsvolle Instrumente zur Sicherung dieser Vermögenswerte. Zahlreiche Anlageberater und Strategen setzen auf Gold als Teil einer Strategie zur Portfoliodiversifikation. Hält die Konjunkturunsicherheit weiter an, wird die Faszination des gelben Metalls voraussichtlich noch zunehmen.
David Bogoslaw ist Reporter im Geldanlageressort von Business Week.
Text: BusinessWeek Online
Bildmaterial: FAZ.NET
| Name | Kurs | in % |
| Gold | 1.107,50 $ | −0,65% |
| Silber | 17,30 $ | −1,09% |
| Platin | 1.359,00 $ | −0,59% |
| Palladium | 354,00 $ | +0,85% |
| Rohöl Brent Crude | 76,98 $ | −0,03% |
| Gas | 0,30 £ | −2,47% |
| Kaffee | 1,31 $ | −1,21% |
| Zucker | 0,22 $ | +0,05% |
| Orangensaft | 1,16 $ | 0,00% |
| AMEX GOLD BUGS | 460,50 | +2,49% |
| AMEX OIL | 1.085,14 | +0,81% |
| Rogers International | 21,88 | 0,00% |
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@Marvin Parsons (m apar) - Jetzt brauchen Sie nur noch einen der das glaubt...
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