20. Juli 2007 Erhebliche volkswirtschaftliche Ungleichgewichte, wie etwa ein hohes Leistungsbilanzdefizit, eine steigende Inflation und ein nachlassendes Wachstum, führten in Island ab dem vierten Quartal 2005 zu schweren Turbulenzen. Die Krone verbilligte sich von November 2005 bis April 2006 gegenüber dem Euro von 71,43 Kronen auf 97,50 Kronen.
Die Notenbank reagierte auf die Krise mit deutlichen Zinsanhebungen. Aktuell beträgt der Leitzins 13,3 Prozent. Das ist der zweithöchste Satz weltweit und stellt gegenüber dem in der Euro-Zone gültigen Niveau von vier Prozent einen klaren Zinsvorsprung dar.
Erheblicher Zinsvorsprung ermutigt zu Carry Trades
Dieser Zinsvorsprung lockt trotz eines noch immer zu hohen Leistungsbilanzdefizits Spekulanten an, zumal es möglich ist, sich in Niedrigzinsländern wie Japan günstig zu verschulden. Die unter dem Begriff Carry Trades bekannten Aktivitäten schlagen wiederum auf die isländische Landeswährung durch.
Die dadurch gestärkte isländische Krone ist inzwischen gegenüber dem Euro mit 82,12 Kronen wieder auf den höchsten Stand seit März 2006 geklettert und verglichen mit dem Dollar notiert die Krone sogar so hoch wie seit November 2005 nicht mehr. Insgesamt hat Islands Währung gegenüber dem Euro in diesem Jahr schon gut zwölf Prozent an Wert gewonnen und gegenüber dem Dollar sogar 16 Prozent.
Zinssenkungserwartungen zeitlich nach hinten verschoben
Die jüngsten Aufschläge sind dabei auf die neuesten Konjunkturzahlen zurückzuführen. Denn die haben dazu geführt, dass immer weniger Marktteilnehmer - anders als bisher - mit schnellen Zinssenkungen rechnen. So gehen die Experten bei Glitnir Research jetzt mit unveränderten Leitzinsen bis ins erste Quartal 2008 aus. Zuvor hatten sie mit einer ersten Zinssenkung im November gerechnet.
Ursache für diesen Meinungswandel ist unter anderem die Inflation. Diese ist zuletzt zwar von 4,0 auf 3,8 Prozent gefallen. Das ist aber immer noch mehr als erwartet. Und ein robuster Immobilienmarkt sowie eine unverändert niedrige Arbeitslosenquote von einem Prozent sprechen gegen eine zügig weiter fallende Inflation. Zu dieser These passen auch die im Juni um 9,8 (Mai: 9,6) Prozent gestiegenen Arbeitskosten.
Fazit: Derzeit spricht vieles für eine weiter feste isländische Landeswährung. Neu gemischt werden könnten die Karten allerdings dann, wenn in Europa oder in Japan die Zinsen stärker steigen sollten als derzeit angenommen. Oder wenn die isländische Notenbank tatsächlich im kommenden Jahr die Zinsen, wie derzeit noch von Glitnir Research angenommen, bis Ende 2008 auf 8,6 Prozent senken sollte.
Wer an eine weiter feste Krone und einen anhaltend hohen Zinsvorsprung glaubt, der kann auf ein solches Szenario beispielsweise mit dem zehn Jahre laufenden Landsbanki ST Iceland Krona Index Zertifikat (ISIN: FR0010474163) wetten. Dieses bildet die Wertentwicklung des größten und erfolgreichsten Geldmarktfonds Islands nach. Die historisch zurückgerechnete Rendite liegt bei diesem Produkt im langfristigen Durchschnitt in Euro gerechnet bei mehr als sieben Prozent pro Jahr.
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Text: @JüB
Bildmaterial: FAZ.NET