Devisen

Starker Euro belastet Fremdwährungsanlagen

Von Stefan Ruhkamp

12. Juli 2007 Zinsanlagen haben in diesem Jahr wenig Freude gemacht. Besonders enttäuschend ist der Depotausweis für Anleger, die sich in fremde Hartwährungen wie Schweizer Franken, Yen, Dollar oder Pfund getraut haben. Zum Dollar hat der Euro ein Rekordhoch erreicht. In der Relation zum Pfund hat er sich zwar im halbjährigen Vergleich kaum bewegt, aber dort sind wegen der stark steigenden Zinsen die Kursverluste der Anleihen noch größer als im Euro-Raum, wo man mit Staatsanleihen seit Jahresbeginn im Durchschnitt knapp 2 Prozent verloren hat. Im gleichen Zeitraum haben Pfund- und Dollar-Anlagen Einbußen von 4 Prozent eingebracht.

Doch die unerfreuliche Entwicklung hat auch eine andere Seite. Heute zahlt man für 1000 Dollar nur noch 722 Euro, so wenig wie nie seit der Einführung der europäischen Währung. Hartmut Preiß, Zins- und Devisenexperte der DZ-Bank, hält Dollar-Anleihen deshalb für vielversprechend. Er hält die amerikanische Wirtschaft für unterschätzt und die europäische Wirtschaft für überschätzt.

„Es kommt ganz auf den Anlagehorizont an“

Im Laufe des Jahres werden sich die erwarteten Wachstumsraten wieder annähern, glaubt Preiß. Dann lasse auch die Spekulation auf stark steigende Leitzinsen im Euro-Raum nach. Beide Faktoren sprächen für den Dollar, weshalb Preiß eine Aufwertung des Dollar um 4 Prozent erwartet und - aus Sicht eines Euro-Anlegers - einen Gesamtertrag mit Dollar-Anleihen von 8 Prozent. Pfund und Dollar locken zudem mit höheren Zinsen. Selbst nachdem die Renditen für eine zehnjährige Bindung hierzulande im ersten Halbjahr von 3,9 auf 4,6 Prozent gestiegen sind, locken amerikanische und britische Staatsanleihen mit einem Aufschlag von 0,5 beziehungsweise von 0,8 Prozentpunkten. Wer kurze Laufzeiten bevorzugt, kann sogar mehr als einen Prozentpunkt an zusätzlichen Zinseinnahmen erwarten.

Allerdings ist ein Prozent Mehrertrag angesichts der Wechselkursrisiken kaum der Rede wert. „Wichtiger ist die Erwartung, wie sich der Außenwert des Euro entwickelt“, sagt Rainer Sartoris, Analyst bei HSCB Trinkaus & Burkhardt. Da könne noch einiges Ungemach für Fremdwährungsanleger folgen, warnt er. Der Euro werde wohl noch auf 1,40 bis 1,45 Dollar aufwerten, weil die amerikanische Wirtschaft nur mit unterdurchschnittlichem Tempo wachse.

In einem Risikoszenario könne der Wechselkurs aber auch auf 1,50 Dollar je Euro steigen. Voraussetzung wäre unter anderem, dass die amerikanische Immobilienkrise über die Zinsderivate einige Banken in Schwierigkeiten bringt und das die gesamte Wirtschaft in Mitleidenschaft zieht. „Es kommt ganz auf den Anlagehorizont an“, sagt Sartoris. Kurzfristig überwögen die Risiken. Doch langfristig seien Dollar-Anlagen durchaus interessant. Der Zinsvorteil locke, und zudem liege der „faire Wert“ des Dollar deutlich über dem, was Euro-Anleger derzeit bezahlen müssen. Gemessen an der Kaufkraftparität, betrage der angemessene Wert des Euro derzeit rund 1,20 Dollar. Bei diesem Wechselkurs wäre es egal, in welchem der beiden Länder ein Korb von definierten Waren gekauft wird.

„Wechselkurse sind kaum vorherzusagen“

Der Theorie nach nähern sich Wechselkurse immer wieder diesem fairen Niveau an. Unglücklicherweise können sie sich aber auch über viele Jahre hinweg weit davon entfernen. „Wechselkurse sind kaum vorherzusagen“, warnt Kornelius Purps, Analyst der Hypo-Vereinsbank. „Da sind sogar Prognosen für Penny-Stocks verlässlicher.“ Deshalb hält er Fremdwährungsanleihen allenfalls für risikofreudige Anleger für geeignet. Und auch für sie sei es ratsam, die Anlagen zu streuen, um die Risiken zu verringern.

Zu diesem Zweck gibt es eine Reihe von Zertifikaten. Einer der Anbieter ist die Hypo-Vereinsbank, die einen Titel offeriert, mit dem Euro-Anleger in neun Währungen investieren können, die höhere kurzfristige Zinsen versprechen. Von Dollar und Pfund über isländische Krone und ungarischen Forint bis zu südafrikanischen Rand und türkischer Lira. In diesem Jahr hat sich der Wert des Zertifikats um knapp 5 Prozent erhöht.

Durch Währungsverluste aufgefressen

Wer trotz der Wechselkursrisiken die Direktanlage auf eigene Faust bevorzugt, kann Anleihen heimischer Emittenten wie der KfW-Bankengruppe oder der Europäischen Investitionsbank kaufen. Die Bonität der Emittenten ist erstklassig, sodass die Risiken auf Zinsänderungen und Wechselkursschwankungen beschränkt ist.

Ein besonders hohes Zinsniveau bietet derzeit die türkische Lira, die in diesem Jahr aus Sicht von Euro-Anlegern erfreulich abgeschnitten hat. Mit Lira-Anleihen sind je nach Laufzeit 15 bis 18 Prozent Lira-Ertrag möglich. Forint, Rand und mexikanischer Peso locken mit 8 bis 10 Prozent - allerdings stets mit der Gefahr, dass der Zins innerhalb von wenigen Tagen durch Währungsverluste aufgefressen wird und unter dem Strich ein Verlustgeschäft herauskommt.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

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