Devisenmarkt

Türkische Lira: Renaissance des Risikoappetits

31. August 2007 An den Finanzmärkten kehrt der Risikoappetit wieder zurück. Das zeigte sich in den vergangenen beiden Tagen nicht nur an den steigenden Aktienkursen, sondern insbesondere auch an der fulminanten Renaissance der so genannten Carry Trades.

Der Blick auf die Entwicklung der türkischen Lira gegen den Yen macht die Dimension klar. Hatte die Lira als Hochzinswährung im Rahmen der Kreditkrise und der dadurch ausgelösten Korrektur innerhalb weniger Tage knapp 20 Prozent an Wert gegen die Tiefszinswährung Yen verloren und auf diese Weise die hohe Zinsdifferenz mehr aus überkompensiert, so hat sie inzwischen wieder knapp 14 Prozent zugelegt.

Marktteilnehmer wetten auf die anhaltenden Interventionen der Zentralbanken ...

Von 78,7 Yen je Lira vor 14 Tagen ging es inzwischen nach oben auf zuletzt 89,4 Yen je Lira. Bei vergleichbaren Währungskonstellationen sieht die Entwicklung ähnlich aus, angefangen vom Yen im Verhältnis zur isländischen Krone bis hin zu Euro-Yen. Nach 149,3 Yen Mitte August sind inzwischen wieder knapp 159 Yen nötig, um einen Euro erwerben zu können. Das ist ein Plus von 6,5 Prozent. Solche Kursbewegungen innerhalb kurzer Zeit sind außergewöhnlich für den Devisenmarkt.

Die Erholung der Kurse mag sich auf der einen Seite damit erklären lassen, dass die internationalen Anleger auf die anhaltenden Interventionen der Zentralbanken und das mögliche Eingreifen der amerikanischen Regierung gegen die Immobilien- und Kreditkrise wetten. Sie gehen davon aus, dass die wirtschaftliche Entwicklung um beinahe jeden Preis stabilisiert oder gar stimuliert werden soll. In der Vergangenheit fuhren sie mit solchen Wetten nicht schlecht, da in Krisenzeiten populistische Zentralbanker und Regierungen immer wieder „helfend“ einsprangen.

Besonders ausgeprägt zeigen sich die Wetten der Anleger in den Schwellenländermärkten. So konnte in den vergangenen Tagen nicht nur die türkische Lira deutlich zulegen, sondern auch die türkische Börse lief deutlich nach oben. Alleine am Freitag legt der ISE National 100 Index 4,4 Prozent zu auf 50.198 Zähler. In den vergangenen beiden Wochen hat er sich mit einem Kursgewinn von knapp 13 Prozent von seinem Zwischentief erholt. Damit gelang aus technischer Sicht die Rückkehr über den kurzzeitig unterschrittenen Aufwärtstrend.

... und in der Türkei auf die Fortsetzung der Reformen und des Wirtschaftswachstums

Die Entwicklung an den türkischen Finanzmärkten dürfte sich jedoch nicht alleine durch die internationalen Trends erklären lassen. Denn Optimisten leiten aus der Wahl von Abdullah Gül zum Präsidenten und nach der Vorstellung einer gemäßigten Regierung von Ministerpräsident Erdogan eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür ab, dass sich das Land künftig wirtschaftlich weiter reformieren wird. Das sollte das Land auf Wachstumskurs halten, denken sie und rechnen aus diesem Grund mit einer anhaltend positiven Entwicklung an den Finanzmärkten.

Tatsächlich sind die Vorzeichen nicht schlecht. Denn das Wirtschaftswachstum lag im ersten Quartal des laufenden Jahres bei 6,8 Prozent auf Jahresbasis. Die Wachstumsrate lag deutlich über jener des Vorquartals von 5,2 Prozent und ebenso deutlich über den Erwartungen. Die Türkei verzeichnet schon seit knapp zwei Jahren ununterbrochen deutliches Wachstum. Das Land profitiert über die Exportschiene von der relativen konjunkturellen Dynamik in Europa. Allerdings spielten vor den Wahlen der vergangenen Wochen auch populistische Sonderausgaben der Regierung eine Rolle. Aus diesem Grund dürfte man das starke Wachstum im ersten Quartal mit einer gewissen Skepsis betrachten können.

Denn angesichts des Wachstums und der anziehenden Inflationsrate muss die Zentralbank restriktiv bleiben. Gleichzeitig wird die Regierung gezwungen sein, ihre Ausgaben einzuschränken. Aus diesem Grund könnte sich das Wachstum in der Türkei in der zweiten Jahreshälfte deutlich abkühlen. Das dürfte jedoch die internationalen Anleger in einem risikofreudigen Umfeld kaum davon abhalten, Gelder in die Türkei strömen zu lassen. Denn die Produktionsbedingungen sind im internationalen Vergleich zu reizvoll und die Zinsen sind zu attraktiv.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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