Devisen

Rumänien versucht Aufwertung des Leu zu stoppen

17. Februar 2005 Nachdem Länder wie Polen, Ungarn, die tschechische und die slowakische Republik und auch die baltischen Staaten zur EU gehören, greifen die Anleger bei den so genannten „Konvergenzspielen“ weiter nach Osten aus. Die Effekte lassen sich in Bulgarien, der Ukraine, der Türkei und auch in Rumänien spüren. Die Renten- und auch die Aktienmärkte legen zu.

Denn internationale Finanz- aber auch Direktinvestoren wollen von der Entwicklung profitieren und bringen trotz aller verbliebenen Risiken Geld in die Länder hinein. Davon profitieren auch die Währungen. Zum Beispiel der rumänische Leu. Befand sich die Währung in einem langfristigen Abwertungstrend gegen den Euro, so hat sie sich im vergangenen Jahr auf einem Niveau von etwa 41.000 Leu je euro stabilisiert und ist danach sogar in einen kurzfristigen Aufwertungstrend übergegangen.

Leu wertete in den vergangenen Wochen deutlich auf

Waren in der Spitze 42,216 Leu nötig, um einen Euro erwerben zu können, so sind dazu aktuell noch 36.933 Leu nötig. Das sind 12,5 Prozent weniger. Alleine am Donnerstag legt die Währung knapp fünf Prozent zu, da die Spekulanten und Händler mit einer weiteren Aufwertung rechnen. Und das, obwohl sich die rumänische Zentralbank versucht zu wehren. Sie hat in den vergangenen zwei Tagen Leu im Wert von mehr als 520 Millionen Euro verkauft, um der Aufwärtstendenz gegenüber dem Euro entgegen zu wirken. Die Währung hatte daraufhin insgesamt etwa zehn Prozent nachgegeben.

Zentralbankpräsident Mugur Isarescu warnte Anleger, die auf Spekulationsgewinne aus sind, vor übertriebenen Erwartungen. Am 15. Februar habe die Zentralbank Leu im Wert von 220 Millionen Euro verkauft, am 16. Februar seien Leu für über 300 Millionen Euro veräußert worden, zum Teil über andere Banken, erläuterte Isarescu. "Wir sagen ihnen, daß sie nicht auf einen zinsbedingten Gewinn von zehn bis zwölf Prozent abzielen sollen. Sie müssen verstehen, daß der Wechselkurs in gleichem Umfang sinken kann", sagte der Zentralbankchef.

Rumänien hat zugesichert, in Leu denominierte Einlagen für ausländische Investoren zu ermöglichen, was die Nachfrage nach der rumänischen Währung anheizt. In den vergangenen sechs Monaten kam der Leu gegenüber dem Euro auf die weltweit fünftbeste Performance.

Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 66 Milliarden Dollar rangiert Rumänien im osteuropäischen Vergleich an vierter Stelle. Das Land nimmt Kurs auf sein fünftes Wachstumsjahr in Folge. Für das Jahr 2005 wird eine Wachstumsrate von 5,5 Prozent erwartet, nach acht Prozent im vergangenen Jahr. Zum Vergleich: EZB-Schätzungen zufolge dürfte das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum insgesamt in diesem Jahr etwa 1,9 Prozent betragen.

Aufwertung der Währung bei anhaltender Konvergenzphantasie kaum aufzuhalten

Nach Ansicht von Isarescu waren diese Woche 85 Prozent der Devisenmarktteilnehmer auf Spekulationsgewinne aus, nur 15 Prozent waren Exporteure. Ein Ziel der Leu-Verkäufe der Zentralbank sei es, Spekulanten zu entmutigen. "Wir wissen, daß diejenigen, die hierher kommen, eine sehr simple Rechnung aufstellen, die sich allein auf den Wechselkurs und den Zinssatz stützt", sagte Isarescu. "Unsere Botschaft an die Banken ist, daß sie eher mit ihren traditionellen Kunden arbeiten sollen und weniger mit spekulativen Anlegern, die nur einen Monat dabei sind."

Im November hatte die Zentralbank den Leu-Kurs steigen lassen, indem sie ihre Leu-Verkäufe reduzierte und die Leutzinsen senkte, um die ausländischen Kapitalzuflüsse einzudämmen und zu verhindern, daß sich die Lücke der Leustungsbilanz vergrößert. Der rumänische Leutzins liegt bei 15,75 Prozent, verglichen mit neun Prozent für Ungarn, dem EU-Mitglied mit den höchsten Finanzierungskosten.

Allerdings dürften sich die Marktteilnehmer zurecht fragen, ob die Zentralbank eine weitere Aufwertung tatsächlich verhindern kann. Denn vor dem für das Jahr 2007 geplanten Beitritt zur Europäischen Union muß Rumänien die Inflationsrate weiter drosseln. Im Januar war die Inflationsrate auf 8,9 Prozent gefallen, nach 9,3 Prozent im Dezember. Das wiederum dürfte zu fallenden Zinsen führen, die steigende Kurse am Rentenmarkt zur Folge haben. Und auf genau diese sind die Anleger scharf. Aus diesem Grund dürfte der Kapitalstrom aus dem Ausland nach Rumänien - das Ausbleiben negativer Überraschungen vorausgesetzt - anhalten und die Währung in der Tendenz weiter nach oben treiben. Ausländische Anleger profitieren in diesem Fall nicht nur von den hohen Zinsen an sich und den steigenden Kursen am Rentenmarkt, sondern auch von der aufwertenden Währung. Eine ähnliche Entwicklung war in den vergangenen Jahren beispielsweise schon in Polen zu beobachten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: Bloomberg, FAZ.NET

 
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