Devisenmarkt

Japanischer Yen im Aufwertungssturm

24. Oktober 2008 Hatte der Yen in den vergangenen Jahrzehnten aufgrund seiner ausgeprägten Schwäche gegen viele Währungen weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt, so ist seit Mitte des Jahres das Gegenteil der Fall.

Die japanische Währung wertet trotz der tiefen Zinsen des Landes und trotz der schwachen Wirtschaft massiv auf. Auch am Freitag: Dollar und Euro müssen am Freitagmorgen gegen die japanische Währung massive Kursverluste hinnehmen. Im frühen Handel markiert die japanische Währung bei 94,77 Yen ein 13-Jahreshoch gegen den Greenback. Für den Euro ging es zeitweise bis auf 120,70 Yen nach unten und damit auf Niveaus, die zuletzt im Dezember des Jahres 2002 gesehen worden waren.

Der Yen wertet massiv gegen so genannte Hochzins-Währungen auf

Gegen Währungen wie den australischen Dollar, die indonesische Rupie, den südkoreanischen Won, den südafrikanischen Rand, den rumänischen Leu und auch gegen den Neuseeland-Dollar fallen die Kursgewinne des Yen noch extremer aus. Alleine über Nacht wertete die japanische Währung gegen den australischen Dollar um 5,5 Prozent auf.

„Die Leute trennen sich von allem, was irgendwie risikoreich aussieht“, heißt es im Handel, und repatriieren Mittel in den Yen- oder Dollar-Raum. Anleger und Finanzunternehmen liquidierten auf der verzweifelten Suche nach Liquidität ihre in den vergangenen Jahren aufgebauten Positionen und beendeten in diesem Rahmen auch ihre Zinsdifferenzgeschäfte, die in den vergangenen Jahren unter der Bezeichnung „Carry-Trades“ bekannt und berüchtigt worden waren.

Diese Carry Trades hatten nicht nur dazu beigetragen, dass verschiedenste Vermögenswerte vor der laufenden Korrektur immer teurer geworden waren, sondern sie hatten auch zu Kurs- und Bewertungsextremen am Devisenmarkt geführt. Währungen wie der Euro, der australische oder auch der Neuseeland-Dollar hatten immer weiter aufgewertet, obwohl sich solche Kursbewegungen mit volkswirtschaftlichen Argumenten längst nicht mehr hatten erklären lassen.

Überstürzter Abbau der Ungleichgewichte

Nun kommt es innerhalb kürzester Zeit zum Abbau dieser Ungleichgewichte. Die überstürzte Anpassung wiederum führt zu einer Eigendynamik, da gestiegene Volatilitäten und angeschlagene Bilanzen die Finanzunternehmen dazu zwingen, ihre Positionen immer weiter zu reduzieren und von spekulativ orientierten Kunden immer mehr Sicherheiten zu verlangen. Auf diese Weise verstärkt sich der Verkaufs- und Umschichtungsdruck selbst.

Übergeordnet bestimmt zudem die zunehmende Furcht vor einer tiefen und langen weltweiten Rezession das Denken der Anleger, was massive Umschichtungen aus risikobehafteten Positionen und kompletten Anlageregionen wie den Schwellenländern zur Folge hat.

Das führt dazu, dass viele dieser Staaten mit schwachen Finanzstrukturen - Defizite in der Außenbilanz - in Refinanzierungs- beziehungsweise Abwertungsschwierigkeiten kommen. Selbst Länder mit starken Reserven geraten in den Blickpunkt. So schmilzen die Währungsreserven Russlands rasch dahin und selbst die Währung Brasiliens wertet ab.

Wann und wo diese Kursbewegungen enden werden, lässt sich kaum prognostizieren. Denn die Unsicherheit ist groß. Die Kurse können genauso stark auf der anderen Seite überschießen, nachdem sie in den vergangenen Monaten auf der einen extreme Niveaus erreicht hatten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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