Devisenmarkt

Aufwertungsrally des philippinischen Peso dürfte vorerst beendet sein

Der Sommer war nicht leicht für die Philippinen: Ob Ölpest ...

Der Sommer war nicht leicht für die Philippinen: Ob Ölpest ...

08. September 2006 Die vergangenen Monate waren für die Philippinen und damit auch für die Landeswährung Peso sehr ereignisreich. Indes dürften die Devisenmärkte und die Bevölkerung die Lage unterschiedlich wahrgenommen haben.

Während der Bevölkerung praktisch keine Katastrophe erspart blieb, erlebte die Landeswährung Peso einen Höhenflug, den sie schon lange nicht mehr erlebt hatte. Und auf diesem Kurs scheint sie zu bleiben. Für den Erwerb eines amerikanischen Dollar waren am Donnerstag abend nur noch 50,30 Peso aufzuwenden. Damit holte der Kurs der Devise nicht nur sämtliche Verluste auf, die er zwischen Mai und Juli erlitten hatte, sondern erreichte auch den höchsten Stand seit vier Jahren.

Rally am Aktienmarkt stützt die Währung

Ursächlich dafür ist vor allem das Interesse ausländischer Investoren am philippinischen Aktienmarkt. Dieser hat seinen Einbruch im Mai überwunden und befindet sich wieder auf dem Weg nach oben in Richtung eines neuen Sieben-Jahres-Hochs, das der Index im Mai aufgestellt hatte.

Grundlage des Aktienbooms ist wiederum eine Wirtschaft, die gut unterwegs zu sein scheint bei einer Inflation, die gleichzeitig unter Kontrolle ist. Die Wirtschaft des Inselstaates wuchs im zweiten Quartal am stärksten innerhalb der vergangenen zwölf Monate, vor allem auf Basis eines starken Exportwachstums, das den höchsten Stand in den vergangenen sechs Jahren erreicht hatte.

„Die wirtschaftliche Situation ist ziemlich gut, und der Kapitalfluß in das Land ist gesund. Das macht es dem Peso leichter“, sagt Takeshi Tokita, Devisenhändler bei der Mizuho Corporate Bank. Was dem Peso auch weiterhilft, ist die Tatsache, daß sich das Haushaltsdefizit, das stets ein Problem darstellte, jüngst deutlich verringert hat, weshalb die Regierung angekündigt hat, die Kreditaufnahme im kommenden Jahr zu verringern.

Peso-Stärke könnte Exporte belasten

Indes hat sich das Wachstum verlangsamt. Im ersten Quartal hatte es noch 5,7 Prozent betragen und nach der jüngsten Vorlage des staatlichen Planungssekretariats wird die Wachstumsrate im laufenden Jahr nicht höher als 5,5 Prozent ausfallen und liegt damit am unteren Ende der Spanne von 5,5 bis 6,1 Prozent, die die Regierung für das Wachstum angegeben hatte.

Grund ist gerade die Stärke des Peso, von der befürchtet wird, daß sie künftig zulasten der Exporte geht. Planungssekretär Romulo Neri äußerte sich besorgt, daß der Peso unter die Marke von 50 Peso je Dollar steigen könnte. Konsequent ging der Peso am Freitag wieder auf 50,49 Peso abwärts, da Andeutungen Neris Befürchtungen laut werden ließ, die Notenbank könne in den Markt eingreifen.

Am Freitag begannen dann auch die Aktien nachzugeben und schlossen zum ersten Mal nach sieben Handelstagen im Minus. Grund waren Befürchtungen, daß die Nachfrage aus den Vereinigten Saaten zurückgehen und die Überweisungen der philippinischen Gastarbeiter sinken könnten, nachdem die Hauspreise in Amerika deutliche Schwäche zeigten.

Hoffnung auf den Binnenkonsum

Die philippinische Wirtschaft ist mit einer Exportquote von 51 Prozent stark auf Ausfuhren angewiesen. Aufgrund der Schwäche des amerikanischen Wachstums glauben auch Analysten nicht daran, daß der Peso die Marke von 50 Einheiten zum Dollar wird überwinden können.

Hoffnung macht man sich auf den Binnenkonsum. Dieser könnte von einer rekordniedrigen Inflationsrate profitieren, die ursprünglich einmal die Peso-Rally ausgelöst hatte. Diese ging im August auf 6,3 Prozent den fünften Monat hintereinander zurück, den niedrigsten Wert seit Juni 2004. Das hat auch die Zentralbank jüngst bewogen, keine Zinserhöhung vorzunehmen.

Sogar eine Zinssenkung sei möglich, sagte Zentralbankgouverneur Amando Tetangco Anfang August. Die Inflationsrate liege innerhalb der Prognosespanne und man erwarte eine weitere Verlangsamung der Preissteigerungen.

Entscheidung vertagt

Dazu beigetragen hat auch die Landwirtschaft, die eine weiter sehr gute Ernte erwartet und im zweiten Quartal um 3,7 Prozent wuchs. Dadurch sanken die Lebensmittelpreise bei gleichzeitig steigenden Einkommen. Und auch der starke Peso hat über eine Dämpfung der importierten Inflation damit durchaus etwas zu tun.

Entscheidend für den Peso sind demnach weiter die Wachstums- und Inflationsdaten, vor allem aber die Exporte in die Vereinigten Staaten und nicht zuletzt die Überweisungen der philippinischen Gastarbeiter in ihr Heimatland. Sollte die Schwäche der amerikanischen Nachfrage auf das Land spürbar durchschlagen und nicht durch die Binnenwirtschaft aufgefangen werden können oder die Inflation, die in der Vergangenheit stets ein Kernproblem war, wieder anziehen, dürfte der Peso längerfristig abwerten.

Derzeit ist indes lediglich der Aufwertungsrally die Spitze abgebrochen und die Entscheidung über den künftigen Peso-Kurs erst einmal bis Oktober vertagt. Bestimmend werden daher am ehesten amerikanische Konjunkturdaten und Meldungen für die Binnenwirtschaft sein, so daß sich die Devise vorerst auf dem Niveau zwischen 50 und 51 Peso für den Dollar halten dürfte.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: Bloomberg, dpa, dpa/dpaweb, FAZ.NET

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