Zertifikate

Benzin-Bull-Anleihe besser an der Börse zeichnen

30. Mai 2007 Zertifikatekäufer sollten sich nicht von der Werbung während der Zeichnungsfrist blenden lassen. Sie fahren oft besser, wenn sie sich an der Börse nach vorhandenen Papieren umschauen, die ähnlich konstruiert sind.

Sehr deutlich wird das am Beispiel der LBBW-Benzin-Bull-Anleihe. „Mit der LBBW-Benzin-Bull-Anleihe macht der Weg zur Zapfsäule sogar Spaß“, wirbt die Landesbank Baden-Württemberg. Das kommt gut an in Zeiten, in denen die Autofahrer wieder über teureren Sprit meckern.

Kapitalgarantie zum Laufzeitende

Die Zeichnungsfrist für das Zertifikat läuft bis Donnerstag (Isin DE000LBW7ZB6). Der Anleger partizipiert voll an der positiven Entwicklung des „JP Morgan Super Bleifrei Flat Tax“. Sollte der Index fallen, bekommt der Anleger zumindest seinen Einsatz zurück, nur der Ausgabeaufschlag von 1,5 Prozent ist dann verloren. Diese Kapitalgarantie gilt aber nur zum Laufzeitende in vier Jahren. Vorher sind Kursverluste möglich.

„Der Index bildet die Entwicklung des Verbraucherpreises für Benzin in Deutschland ab“, schreibt die LBBW. „Er beinhaltet neben dem Preis pro Liter Super Bleifrei auch Transportkosten, Einzelhandelsmargen, Steuern und Abgaben. Änderungen in der Steuer- und Abgabenpolitik wirken sich jedoch nicht auf die Wertentwicklung des Indexes aus, da für die Berechnung konstante Steuern und Produktabgaben angenommen werden.“

Ältere Zertifikate sind billiger

Wer sich für das Zertifikat interessiert, sollte auf jeden Fall zwei ältere Papiere unter die Lupe nehmen, die schon vor Monaten emittiert wurden, aber analog konstruiert sind. Für die Anfang Oktober emittierte Benzin-Bull-Anleihe 2 sind an der Stuttgarter Börse derzeit 94,94 Prozent des Nennwerts zu zahlen (DE000LBW9HR6). Die Ende Juli aufgelegte Anleihe gleichen Typs kostet 91,66 Prozent (DE000LBW8MA4).

Allein der Kurs bedeutet noch nicht, dass der Anleger mit einem der alten Zertifikate besser fährt als mit dem neuen. Schließlich könnte der Benzinpreis in der Zwischenzeit gefallen sein. Dann müsste der Kurs des Super-Bleifrei-Index erst einmal steigen, bevor der Anleger mit Gewinnen rechnen kann. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Höherer Benzinpreis, niedrigerer Kurs

In den Unterlagen zum neuen Zertifikat ist von einem indikativen Basiskurs von 127,90 Punkten die Rede. Steigt der Super-Bleifrei-Index bis zum Laufzeitende über diesen Wert, verbucht der Anleger einen Gewinn. Der Super-Bleifrei-Index ist in den vergangenen Tagen allerdings gestiegen und notierte nach Angaben der LBBW am frühen Mittwochnachmittag bei 132,40 Punkten. Wahrscheinlich wird der Basiskurs also noch nach oben angepasst.

Der Basiskurs für das im Oktober emittierte Zertifikat liegt aber laut Wertpapierprospekt bei 126,27 Punkten. Wer dieses Zertifikat kauft, zahlt nicht nur bloß knapp 95 Prozent des Nennwertes, er bekommt auch noch eine niedrigere Gewinnschwelle geliefert. Der Super-Bleifrei-Index könnte vom aktuellen Niveau aus gerechnet also ein gutes Stück fallen, und der Anleger würde trotzdem noch einen Gewinn verbuchen. Der größte Unterschied liegt noch in der Restlaufzeit der Zertifikate.

Zertifikateanbieter verdienen bei der Emission

Für das im Juli vergangenen Jahres begebene Zertifikat beträgt der Basiskurs 140,66 Punkte. Hier bekommt der Anleger also nur dann mehr als 100 Prozent ausgezahlt, wenn der Index bis zum Laufzeitende in gut drei Jahren ein Stück klettert. Allerdings muss er für dieses Zertifikat nicht einmal 92 Prozent des Nennwertes bezahlen. Das ist allemal besser, als für die aktuell beworbene Benzin-Bull-Anleihe mit Ausgabeaufschlag 101,5 Prozent auf den Tisch zu legen.

Bei der Preisfindung für Zertifikate, so ist immer wieder zu lesen, spielt nicht nur die Entwicklung des Basiswertes eine Rolle, sondern auch der Marktzins oder die Volatilität. Der Marktzins ist in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen, was gerade für das „Pricing“ bei kapitalgarantierten Produkten relevant ist. Doch solche Argumente sind wohl nur die halbe Wahrheit, wie hinter vorgehaltener Hand in der Branche auch bestätigt wird: Die Zertifikateanbieter verdienen das meiste Geld bei der Emission der Produkte. Das mag erklären, warum viele Zertifikate - insbesondere solche mit Kapitalgarantie oder anderen komplexen Strukturen - nach der Emission erst einmal an Wert verlieren.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @bemi
Bildmaterial: FAZ.NET, LBBW

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