05. Oktober 2005 Wenn man an einem verregneten Sommertag auf das Wetter schimpft, sollt man ja eigentlich dankbar sein. Denn das kostbare Naß ist nun einmal die Quelle des Lebens. Und knapp ist es auch. Dürren in Thailand und Spanien lehren, daß Wasser immer wichtiger werden könnte. Auch ein Gutteil der Spannungen im Nahen Osten, gerade etwa der Kampf um die Golan-Höhen beruht nicht nur auf strategischen Überlegungen. Der Höhenzug ist zwar unfruchtbar, aber niederschlagsreich und von hoher Bedeutung für die Wasserversorgung der Region.
Fast neun Milliarden Menschen werden sich im Jahr 2050 das Süßwasser der Erde teilen müssen. Rund vier Millionen Menschen sterben jährlich durch verschmutztes Trinkwasser, mehr als eine Milliarde Menschen hat keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser.
Wasser hat seinen Preis
Die nächsten Kriege werden um Wasser geführt. Diese Prophezeiung wird dem ehemaligen UN-Generalsekretär Butros Ghali zugeschrieben. Obgleich auf der Erde Wasser scheinbar im Überfluß vorhanden ist, können Menschen davon nur einen Bruchteil für Vieh und Landwirtschaft und den eigenen Bedarf nutzen. Doch das Wachstum der Weltbevölkerung erfordert zunehmend Bewässerungsfeldbau.
Der Verbrauch der wachsenden Stadtmoloche verschlingt Trinkwasser. Oft wird es von weither über marode Rohrleitungen zugeführt, verdunstet in Rückhaltebecken, versickert in sanierungsbedürftigen Wasserleitungen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Was rar ist, hat bekanntlich seinen Preis. Wasseraktien gelten schon lange als Geheimtips, nicht immer sind diese geldwert (Aktie von Aqua Society ist hoch riskant). Daß Wasser als Rohstoff immer mehr Bedeutung hat, zeigt auch die Tatsache, daß die Regierung des australischen Bundesstaats New South Wales und die Sydney Futures Exchange mittlerweile Derivate entwickelt haben, die sich an einem Index der Wassermenge in Stauseen orientiert. Die Farmer können sich gegen Verluste absichern, indem sie Kontrakte verkaufen und diese dann zu einem niedrigeren Preis zurückkaufen, wenn der Index fällt.
Wasser-Zertifikate auf Aktien-Baskets
Noch ist es nicht soweit, daß Wasser an den Rohstoffbörsen der Welt gehandelt wird. Wer auf Wasser spekuliert, muß daher noch mit Aktien oder Zertifikaten vorlieb nehmen. Bei letzteren handelt es sich um Basket-Zertifikate auf Aktien.
Schon länger am Markt sind die UBS (ISIN: CH0015966648) und die WestLB. Während bei dem schweizer Produkt der Aktienkorb bis zum Laufzeitende statisch bleibt, kann er bei den Düsseldorfer Zertifikaten halbjährlich angepaßt werden, was in einer zusätzlichen, jährlichen Strukturierungsgebühr zu Buche schlägt.
Entwickelt haben sich die Produkte gar nicht schlecht. Das Perles Wasser II 05/06 GH der UBS hat seit Auflage im Mai 2003 108 Prozent zugelegt. Das macht im Jahresdurchschnitt immerhin fast ein Drittel. Von den beiden rheinischen Produkten hat nur das mit der ISIN DE0006962608 eine längere Geschichte. Aufgelegt im April 2002 ging es zunächst einmal um 35 Prozent abwärts, bevor im März 2005 (also kurz vor Auflage des UBS-Zertifikats) die Wende kam. Seitdem hat das Produkt 116 Prozent zugelegt - es gibt sich also nichts.
Neue Produkte gibt es abermals von der WestLB (ISIN: DE000WLB5GV8) und der ABN Amro (ISIN: NL0000023372). Beide wurden vor rund drei Wochen aufgelegt. Dabei hat das ABN Amro-Zertifikat einen strategischen Nachteil - es notiert in Dollar, hat also noch ein zusätzliches Währungsrisiko.
Insgesamt also sind Wasser-Zertifikate also bislang nur Aktien-Themen-Zertifikate, die sich nicht an der Knappheit des Rohstoffs orientieren (Gott sei Dank, ist es noch nicht ganz so weit), sondern an den Leistungen der Aktiengesellschaften und damit auch von deren Wohl und Wehe abhängig.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
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