11. November 2009 Der amerikanische Dollar ist und bleibt in einem wachstumsoptimistischen und risikofreudigen Umfeld schwach. Am Mittwoch fällt er gegen Gold, das von Anlegern aus Sorge über die beinahe weltweit verfolgten geld- und fiskalpolitischen Strategien zunehmend als Alternativwährung betrachtet wird, auf ein Allzeittief.
Noch nie zuvor waren nominal so viele Einheiten der amerikanischen Währung nötig gewesen, wie die 1.117 Dollar am Mittwoch, um im professionellen Handel eine Unze des edlen Metalls erwerben zu können. Auch Euro und Yen legen gegen die amerikanische Währung weiter zu. Die europäische Einheitswährung erreichte im Tagesverlauf Kurse von bis zu 1,5050 Dollar. Das ist der höchste Stand seit August des vergangenen Jahres.
China - Schwierigkeiten, Währungsreserven verünftig anzulegen
Nachdem die indische Zentralbank in den vergangenen Tagen Dollarliquidität gegen zusätzliche 200 Tonnen Gold in ihren Depots tauschte, werden die Spekulationen intensiver, andere Zentralbanken und institutionelle Anleger könnten dem Beispiel folgen. Das gilt auch für China, welches sogar nach eigenen Angaben immer mehr Probleme hat, seine aus den Interventionen gegen die Aufwertung der eigenen Währung resultierenden und rasch zunehmenden Fremdwährungsreserven vernünftig anzulegen.
Entsprechende Erwartungen verdichten sich, zumal die Vereinigten Staaten nicht erkennen lassen, ihre extreme Geld- und Fiskalpolitik, die die Abwertung der eigenen Währung in einem normalen Umfeld faktisch unumgänglich macht, zu ändern. Auf der anderen Seite hat der Handelsbilanzüberschuss Chinas mit einem Plus von knapp 24 Milliarden Dollar alleine im Oktober deutlich stärker zugenommen als erwartet. Dabei lagen die Exporte knapp 14 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres, während die Importe 6,4 Prozent darunter lagen.
Die Devisenreserven führten zusammen mit dem Zufluss heißen Geldes und einer lockeren Geldpolitik und riesigen Konjunkturprogrammen zu einer Belebung der chinesischen Wirtschaft und zu einem Boom am Immobilien- und Aktienmarkt des Landes. Allerdings sind sowohl Immobilien als auch Aktien sehr teuer geworden, zumal das Wachstum primär von Staatsausgaben und vom Export, dagegen weniger vom privaten Konsum getragen wird.
China bemüht sich zwar, von der Exportabhängigkeit wegzukommen. Das ist aber nicht einfach und geht nach Ansicht von Experten nicht auf die Schnelle. Nachdem in der Vergangenheit viele der in China hergestellten Produkte in die Vereinigten Staaten gingen, müssen diese Industrien nicht nur mit der schwachen Nachfrage aus den Vereinigten Staaten klarkommen, sondern sie müssten auf die Nachfrage aus dem Binnenmarkt umstellen. Genau diese muss jedoch erst geschaffen werden.
Aufwertungsdruck auf China nimmt wieder zu
Auf der anderen Seite hat China die Aufwertung der eigenen Währung im vergangenen Jahr aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise gestoppt und hält den Wechselkurs wieder fest bei etwas 6,82 Yuan je Dollar. Aus diesem Grund gewinnt die Wirtschaft des Landes mit fallendem Dollar an Wettbewerbsfähigkeit. Allerdings geht das zu Lasten von asiatischen und europäischen Mitbewerbern - und genau dieser Effekt führt zu zunehmenden Beschwerden über eine unfaire Wechselkurs- und Handelspolitik.
Die chinesische Zentralbank begegnet dieser Entwicklung zumindest verbal. Sie werde bei der Wechselkurspolitik künftig internationale Kapitalflüsse und andere Wechselkurse berücksichtigen, hieß es am Mittwoch. Das führte prompt zur Erwartung, das Lande werde die Währung wieder aufwerten lassen. Die Terminmärkte implizieren aus Sicht eines Jahres eine Aufwertung um etwas mehr als drei Prozent gegen den Dollar und auf Sicht von fünf Jahren sogar von etwas mehr als 16 Prozent.
Der Blick auf den Chart zeigt zwar, dass solche Erwartungen starken Schwankungen unterliegen. Allerdings dürfte letztlich kein Weg an einem flexibleren Wechselkurs Chinas vorbeiführen, sollten die globalen Handelsungleichgewichte und die mit den extremen Wirtschafts- und Geldpolitiken verbundenen Makrorisiken in Form zunehmender Ungleichgewichte nicht noch größer werden.
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Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET