14. April 2008 Die Währungen der Welt stehen derzeit in einem groben Missverhältnis zueinander. Angesichts der steigenden Inflation könnten sich vor allem Asien und einige Länder mit umfangreichen Ölvorkommen dazu gezwungen sehen, ihre schwachen Währungen gegenüber dem Dollar und dem Euro aufzuwerten.
Dadurch würden sich die Exporte aus diesen Ländern auf dem Weltmarkt verteuern. Steigende Exportpreise werden zwar die globale Produktion kurzfristig hemmen, aber letztlich dürften europäische und amerikanische Exporteure von dieser Veränderung profitieren. Für bestimmte Anlagen stellen diese Entwicklungen Risiken dar. Anleihen sind auf eine steigende Inflation anfällig. Die Kurse einiger Aktien und Immobilienwerte aus Schwellenländern könnten infolge der starken Währungsaufwertung einbrechen.
Aktien und Immobilienwerte aus Schwellenländern spiegeln Aufwertungsgefahr nicht wider
In einer neuen Studie unter dem Titel Währungen: fragiles Ungleichgewicht untersucht UBS Wealth Management Research die Dynamik der aktuellen Lage, ihre historische Entwicklung und einige Szenarien für mögliche Endresultate. Ein seit über dreißig Jahren weitgehend etabliertes System könnte nun vor einer bedeutenden Veränderung stehen. Das Gleichgewicht der globalen Währungen wird sich verlagern und den Weltmärkten Probleme bereiten, gegen die sich die Anleger wappnen sollten. In der globalen Wirtschaft gibt es für Anleger heutzutage wenige Themen, die mehr fesseln als Währungen.
UBS Wealth Management Research prognostiziert eine erhebliche Aufwertung der Währungen bestimmter asiatischer und ölproduzierender Länder. Währungen, die derzeit noch mit exportfördernden Kursen an den Dollar gekoppelt sind, könnten stark aufgewertet werden, um die Inlandsinflation zu bekämpfen. Dies könnte sich negativ auf das weltweite Wachstum auswirken, da Exporte aus Asien damit an Wettbewerbsfähigkeit einbüssen. China beispielsweise ist heute eine Produktionsweltmacht, aber ein steigender Yuan wird die chinesische Exportwirtschaft zurückwerfen.
Die Produktionskapazitäten außerhalb Asiens werden die Nachfrage zunächst nicht decken können. Die Verlagerungen dürften insbesondere der Eurozone und auch Amerika zugute kommen, wenn sich deren Industrien darauf einstellen, in die Lücke zu springen.
Kurzfristig könnte eine starke Aufwertung der derzeit noch schwachen Währungen das globale Wirtschaftswachstum hemmen und die Inflation weiter anheizen. Die Anleihenmärkte der Industrieländer würden dadurch aller Wahrscheinlichkeit nach geschwächt. UBS Wealth Management Research ist der Ansicht, dass die aktuellen Kurse vieler Aktien und Immobilienwerte aus Schwellenländern das Risiko einer starken Währungsaufwertung nicht widerspiegeln.
Zunehmender Inflationsdruck könnte massive Neubewertungen auslösen
Die Währungen verschiedener Schwellenländer sind entweder an den Dollar gekoppelt oder werden im Verhältnis zu diesem gesteuert. Dies gilt insbesondere für den chinesischen Yuan, andere asiatische Währungen und die meisten Währungen des Golf-Kooperationsrats. Da sie zu exportfreundlichen Kursen an den Dollar gekoppelt sind, erfreuten sich diese Länder eines starken wirtschaftlichen Aufschwungs, hoher und steigender Leistungsbilanzüberschüsse, eines Aufbaus enormer Devisenreserven und eines florierender Finanz- und Immobilienmärkte.
Insgesamt resultierten aus der Kombination stetig steigender Devisenreserven, der starken Nachfrage nach Währungen rohstoffexportierender Länder und des anhaltenden Erfolgs der Carry Trades auf den Währungsmärkten grundlegende Fehlbewertungen.
Ende 2007 setzte auch in den Ländern mit gekoppelten Währungen eine Inflationsbeschleunigung ein. Die zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums gelockerte amerikanische Geldpolitik verstärkte den Inflationsdruck in diesen Ländern sowie das Problem ihrer Reservenanhäufung zusätzlich. Der Studie zufolge könnten sich die Behörden unter Umständen veranlasst sehen, eine Aufwertung ihrer Währungen gegenüber dem Dollar zulassen, um die Geldpolitik straffen und die Inflation einzudämmen.
Starke Wechselkurs-Anpassungen werden globales Wachstum drücken
UBS Wealth Management Research zufolge könnte eine abrupte Aufwertung der an den Dollar gekoppelten Währungen negative Folgen für die Weltwirtschaft haben. Letztlich würden strukturelle, durch Veränderungen der Wettbewerbsfähigkeit bedingte Verschiebungen von Produktionsstandorten Zeit brauchen, um ihre volle Wirkung zu entfalten, und damit eine Verlangsamung des globalen Wachstums und einen Anstieg der Inflation wahrscheinlich machen.
Europa würde im Endeffekt von einer Abkoppelung der asiatischen Währungen vom Dollar profitieren, da ein tiefer bewerteter Euro die Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure Eurolands steigert. Eine langsamere Währungsanpassung hingegen würde die asiatischen Wirtschaften zwar kurzfristig vor schmerzhaften Korrekturen schützen, könnte aber langfristig mehr Probleme bringen, etwa in Form von Preisblasen an den Anlagemärkten.
Die Gefahr einer Abkoppelung und die Risiken aus den aktuellen Ungleichgewichten sind in den Preisen riskanterer Anlagen laut UBS nicht enthalten. Dies gilt für Aktien und Immobilientitel aus Schwellenländern sowie für bestimmte Rohstoffe wie Basismetalle und Energie.
Anleihen aus Industrieländern sind für einen möglichen Anstieg der globalen Inflationsraten schlecht positioniert. Und obwohl die Aktienmärkte der Industrieländer historisch gesehen nicht überbewertet scheinen, sind frühere Vergleiche in Zeiten weltweit steigender Risikoaufschläge möglicherweise obsolet.
Insgesamt empfiehlt UBS Wealth Management Research den Anlegern, aufmerksam auf Chancen zu achten, die sich gegebenenfalls durch eine verzögerte Reaktion auf Währungsverschiebungen ergeben, dabei aber ihr Portfolio breit gefächert und defensiv zu halten, um gegen die Risiken gewappnet zu sein, die durch diese Ungleichgewichte hervorgerufen werden.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @JüB
Bildmaterial: International Financial Statistics des internationalen Währungsfonds, IWF, UBS WMR, Thomson Financial, UBS WMR
