27. November 2007 Die vergangenen Jahre des internationalen Börsenbooms wurden auf der Währungsseite zunächst begleitet von einer Tendenz: Weg von Währungen mit tiefen Zinsen - hin zu Währungen mit hohen Zinsen.
In den vergangenen Wochen hat sich dieser Entwicklung allerdings im Rahmen der anhaltenden Kreditkrise und der Aussicht auf eine abflauende Weltkonjunktur relativiert. Das zeigt sich am Eindrucksvollsten am Beispiel des japanischen Yens. Wurde er aufgrund realer Zinsen nahe Null die längste Zeit von Kapitalabflüssen in Währungsräume mit höheren Renditen geschwächt, so erholte er sich inzwischen deutlich. Grund: Anleger reduzieren aufgrund der zunehmenden Volatilität und abnehemender Liquidität ihre Risiken in Form der so genannten Carry Trades.
Ungleichgewichte und Fehlbewertung von Währungen
Die Aufwertung findet nicht nur gegen den chronisch schwachen amerikanischen Dollar statt. Sondern insbesondere gegen jene Währungen, die in den vergangenen Jahren vom universell-globalen Börsenboom profitiert hatten. Von einem hohen, undifferenzierten Risikoappetit ausgelöste Kapitalströme in alle nur denkbaren Anlageformen wurden spezifische fundamentale Probleme ebenso überlagert, wie die immer größer werdenden globalen Ungleichgewichte.
Diese zeigen sich als Folge einseitiger Handels- und Devisenströme in Verbindung mit unflexiblen Wechselkursen in Form riesiger und rasch zunehmender Währungsreserven einerseits. Diese führten zu zum Teil dramatische Überbewertungen bei einzelnen Währungen wie dem Euro und anhaltende Unterbewertungen bei den Währungen Chinas, Japans und nicht zuletzt auch in den Ölstaaten am persischen Golf. Der Euro kostet im professionellen Devisenhandel gegenwärtig knapp 1,49 Dollar. Der faire Wert gemäß Kaufkraftparität läge bei etwa 1,20 Dollar, als rund 20 Prozent unter dem aktuellen Niveau.
Die Unterbewertung führt zu Kapitalströmen in die asiatischen und arabischen Regionen, die von einer längerfristig unvermeidlichen Aufwertung profitieren wollen. Auf diese Weise werden die jeweiligen Geldmengen, die aufgrund der stetigen Interventionen sowieso schon zu stark wachsen, noch weiter aufgebläht. Die Folge ist sowohl die Fehlallokation von zu günstigem Kapital, sowie aufkommender Inflationsdruck.
Solche Konstellationen lassen sich langfristig nicht aufrecht erhalten. Das zeigt sich gegenwärtig daran, dass sich nun nach den Vereinigten Staaten nun die europäische Union immer offener darum bemüht, China zu einer rascheren Aufwertung des Yuan zu bewegen. Auf diese Weise ließe sich der gegenwärtige Aufwertungsdruck auf den Euro, der vom schwächelnden Dollar einerseits und den unfreien Währungen in Asien andererseits ausgeht, mindern. Denn sollte China die eigene Währung aufwerten lassen, würde der Wettbewerbsdruck über die Währungsschiene auf die übrigen Staaten der Region abnehmen. So könnten auch Währungen wie der Yen, der Hongkong - oder auch der Taiwandollar weiter aufwerten.
Chinesischer Yuan besonders gegen den Euro unterbewertet
Faktisch hat der Yuan in den vergangenen Jahren aufgrund der relativen Bindung an den amerikanischen Dollar gegen den Euro deutlich abgewertet, obwohl der Handelsbilanzüberschuss Chinas mit den europäischen Staaten gleichzeitig massiv zugenommen hat. Diese Entwicklung widerspricht jedweder volkswirtschaftlichen Logik und ist aus diesem Grund nicht haltbar. Da die europäischen Exportunternehmen in den Dollarraum immer mehr an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, muss Europa entweder einen Wirtschaftsabschwung hinnehmen oder zwangsläufig zu protektionistischen Maßnahmen greifen. Solche dürften im vergangenen Jahrhundert mitverantwortlich gewesen sein für verschiedenste Wirtschaftskrisen.
Daran dürfte jedoch niemand ernsthaft interessiert sein. Denn wer sollte dann die in Asien hergestellten Produkte noch kaufen? Immerhin gibt es jetzt schon in den Vereinigten Staaten aufgrund der Immobilien- und der dadurch induzierten Kreditkrise immer mehr Anzeichen für eine rezessive Entwicklung und eine nachlassende Nachfrage nach Importprodukten. Anhaltend fallende Hauspreise und abnehmendes Verbrauchervertrauen geben bisher keine Entwarnung. Der S&P/Case-Shiller Composite-20 City Home Price Index ist im September auf Jahresbasis um weitere 4,9 Prozent gefallen.
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Text: @cri mit Material von Bloomberg
Bildmaterial: CFTC, Bloomberg, Dresdner Kleinwort Research, FAZ.NET