Devisen

Isländische Krone im freien Fall

01. Oktober 2008 Islands Währung befindet sich im freien Fall - sowohl gegen den Dollar als auch gegen den Euro. Gegen den Greenback hat sie alleine in der laufenden Woche mehr als zehn Prozent ihres Wertes verloren. Der Kurs stieg von 99,24 Kronen je Dollar noch am Montag auf 110,7 Kronen am Mittwoch. Gegen den Euro hat sie 7,7 Prozent nachgegeben, der Kurs stieg in den vergangenen drei Tagen von 142,88 auf zuletzt 152 Kronen je Euro.

Beide Kursbewegungen scheinen eine zunehmende Eigendynamik auszubilden und sind aus diesem Grund mit einiger Wahrscheinlichkeit noch nicht abgeschlossen. Dafür gibt es gute Gründe. Hatte das Land eine gewisse Zeit vom Kredit getriebenen Boom der Weltwirtschaft und dem hohen Risikoappetit der internationalen Anleger auf ihrer Suche nach hohen Renditen profitieren können, so dreht sich genau dieses Rad inzwischen mit voller Wucht zurück.

Hohe Zinsen können der Währung im Moment nicht helfen

Hohe Zinsen - der Leitzins liegt bei 15,5 Prozent - machen angesichts der schwachen Wachstums im Lande, der hohen Inflationsrate (14 Prozent im September), der angeschlagenen Bilanzen der zum Teil stark verschuldeten Banken des kleinen Landes und der weltweit schrumpfenden Liquidität die Währung nicht mehr attraktiv. Im Gegenteil. Die staatliche Rettungsaktion für die drittgrößte Bank Islands hat den Bonitätsnoten des Inselstaats am Polarkreis deutlich geschadet. Künftig wird die Mittelbeschaffung am Kapitalmarkt für Island teuer.

Innerhalb von 24 Stunden nachdem der Staat die in akute Geldnot geratene Glitnir Bank mehrheitlich übernommen hat, haben zwei der drei wichtigsten Ratingagenturen ihre Ratings für Island herabgesetzt. Die Kreditanalysten von Moody's fürchten, dass Verbindlichkeiten aus den Bankbilanzen auf den isländischen Staat übergehen. „Die Risiken für die makroökonomische Stabilität und die Bonität des Staates, die sich aus den Turbulenzen im Bankensystem ergeben, haben erheblich zugenommen“, sagte Fitch-Direktor Paul Rawkins. Niedrigere Bonitätsnoten verteuern die Kreditaufnahme am internationalen Kapitalmarkt, da sich Anleiheinvestoren an den Ratings orientieren und entsprechend höhere Risikoprämien fordern.

Fitch Ratings setzte die Bonitätsnote für die langfristigen Fremdwährungs-Verbindlichkeiten von „A+“ auf „A-“ herab. Standard & Poor's senkte das Kreditrating um eine Stufe auf ebenfalls „A-“. Die Kreditexperten beider Häuser kündigten zudem an, ihre Einschätzungen möglicherweise weiter nach unten zu revidieren. Die dritte große Ratinagentur, Moody's Investors Service, überprüft ihre Bonitätsnote für Island derzeit in Hinblick auf eine Abwärtskorrektur. Bislang liegt das Moody's- Urteil noch bei „Aa1“, der zweithöchsten Stufe.

Island hatte sich zum Wochenbeginn mit 75 Prozent an der Glitnir Bank beteiligt. Das auf Kurzfrist-Verbindlichkeiten ausgelegte Finanzierungsmodell wurde für die Bank zum existenziellen Problem, nachdem sich am Geldmarkt keine Kreditgeber mehr fanden. Die Rettungsaktion kostete die Regierung in Reykjavik 600 Millionen Euro.

Die Bonitätsnoten für die Glitnir Bank rutschten nach der Krise des Kreditinstituts an den äußersten Rand des Qualitätsbereichs Investment Grade. Moody's senkte das Urteil von „A2“ auf „Baa2“, Standard & Poor's setzte das Rating von „BBB+“ auf „BBB“ herab. Der Aktienkurs der Bank war am Dienstag um 71 Prozent abgesackt. Das Management teilte am Mittwoch mit, Verluste am Aktienmarkt drohten das Ergebnis des zweiten Halbjahres schmälern. Der Umfang der Belastung sei aber noch unklar. Im dritten Quartal hat der Aktienmarkt Islands 23 Prozent nachgegeben.


Erholung erst bei einer allgemeinen Beruhigung der Lage an den Finanzmärkten absehbar

Auch für andere Banken Islands hagelte es Rating-Senkungen. Die größte Bank des Landes, Kaupthing Bank, wurde sowohl von Moody's als auch von Fitch herabgestuft. Kaupthing finanzierte Kredite für Akquisitionen und Investments in anderen nordeuropäischen Ländern ebenfalls mit kurzfristigen Finanzierungen am Geldmarkt. Fitch senkte auch die Bonitätsnoten von Landsbanki Islands und Straumur Burdaras Investment Bank.

Anleger am Rentenmarkt folgen den Ratingagenturen in der Einschätzung, dass Investments in isländische Staatsanleihen riskanter geworden sind. Die Papiere gegen das Risiko von Zahlungsausfällen abzusichern, ist derzeit so teuer wie noch nie: Um Anleihen im Nominalwert von 10 Millionen Dollar über Kreditausfall-Swaps mit einer Laufzeit von einem Jahr abzusichern, war am Dienstag eine Prämie von 630.000 Dollar notwendig. Ein Monat vorher war die Absicherung noch für 244.000 Dollar zu haben.

Auf der anderen Seite führt die schwache Nachfrage Islands nach Importgütern in Verbindung mit zunehmenden Aluminiumexporten bei steigenden Preisen in diesem Bereich dazu, dass sich die Handelsbilanz deutlich verbessert. Das dürfte der Währung Auftrieb geben können, sobald sich die Lage an den internationalen Finanzmärkten beruhigen sollte. Genau das ist jedoch im Moment noch nicht absehbar.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri mit Material von Bloomberg
Bildmaterial: Bloomberg, FAZ.NET

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