Devisenmarkt

Euro erreicht neues Rekordhoch: Erstmals teurer als 1,39 Dollar

12. September 2007 Der Euro ist am Mittwoch zum Dollar auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Erstmals wurden mehr als 1,39 Dollar für einen Euro gezahlt. Der Höchststand hatte sich bereits am Vortag abgezeichnet.

Die Gemeinschaftswährung war erst vor wenigen Monaten auf Werte um 1,3850 geklettert und hatte dabei wie auch jetzt von der anhaltenden Schwäche des Dollars profitiert. Die amerikanische Währung steht nun seit einigen Tagen wieder unter Druck, weil sich in den Vereinigten Staaten die Anzeichen mehren, dass die aktuelle Krise am Immobilienmarkt Spuren in der gesamten übrigen Wirtschaft und auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen könnte.

Krise am Häusermarkt belastet

Am Vortag hatte die Vereinigung der amerikanischen Immobilienmakler ihre Prognosen für die Zahl der Hausverkäufe zum neunten Mal in diesem Jahr gesenkt. Nach den Angaben wird die Zahl der Hausverkäufe in diesem Jahr um 8,6 Prozent fallen. Vor einem Monat lautetet die Prognose noch auf ein Minus von 6,8 Prozent. Die Zahl der verkauften Neubauten werde um 24 Prozent fallen, nachdem diese 2006 bereits um 18 Prozent zurückgegangen war.

Darüber hinaus wird der Dollar von Spekulationen auf eine Zinssenkung in den Vereinigten Staaten gedrückt. Das Gros der Auguren rechnet damit, dass die amerikanischen Notenbank Fed in der kommenden Woche den Leitzins, der aktuell bei 5,25 Prozent liegt, senkt um weiteren Schaden durch die Hypothekenkrise abzufedern und den Banken Geld zu billigeren Konditionen anzubieten. Sie hatte erst kürzlich den Zinssatz für Übernachtkredite durch die Banken bei der Zentralbank reduziert.

Der Dollar läuft damit auf die längste Schwächeperiode seit April zu und hat auf Jahresfrist 8,3 Prozent an Wert gegenüber dem Euro verloren. Analysten halten zumindest kurzfristig Eurokurse von 1,40 Dollar für möglich. Dies war auch schon im Juli prognostiziert worden.

Dollar auf historischen Tiefs

Der Dollar steht schon seit längerem nicht nur gegenüber dem Euro unter Verkaufsdruck, sondern gegenüber den meisten großen Währungen. Das spiegelt sich im gewichteten Dollar-Index, der zuletzt auf den tiefsten Stand seit 1992 gefallen ist. Der tiefere Grund für die Dollar-Schwäche ist das hohe Defizit in der amerikanischen Leistungsbilanz. Es bewirkt, dass es auf den Devisenmärkten ständig ein großes Angebot an Dollar gibt.

Zudem haben einige Zentralbanken, die bislang in großer Menge Dollar aufkauften, ihre Politik geändert. Ausländische Staaten und Zentralbanken haben ihre Bestände im August so deutlich wie seit 1992 nicht mehr abgebaut. Diese Klientel hält mittlerweile mehr als die Hälfte der in Umlauf befindlichen amerikanischen Staatsanleihen, versucht nun aber ihre Dollar-Gewichtung zu reduzieren. Die Umschichtungen in Euro-Renten führten verstärkt zu Nachfrage nach der europäischen Gemeinschaftswährung. Sollten die Vereinigten Staaten tatsächlich den Leitzins senken, könnte dieser Prozess neue Nahrung finden und der Dollar weiter unter Druck geraten.

Am Mittwoch stützte den Euro zudem die Nachricht vom Rücktritt des japanischen Ministerpräsidenten Abe, die leichte Verunsicherung in den Markt bringe, wie es heißt und den ohnehin aufgrund von Zinsarbitragegeschäften schwachen Yen weiter belastet.

Gegenüber einem breiten Korb von Währungen hat der Dollar noch nicht das Tief vom Juli erreicht und zeigt sich auch insgesamt noch stärker als Mitte der neunziger Jahre. Gegenüber den wichtigsten Weltwährungen jedoch ist der „Greenback“ auf den tiefsten Stand seit Notierung des Index im Jahr 1971 gefallen.

Vor- und Nachteile

Deutschen Urlaubern kann die Euro-Stärke zum jetzigen Zeitpunkt recht sein, zumindest soweit sie ihr Weg in Länder führt, deren Währungen hauptsächlich am Dollar hängen. So erreichte der Euro heute auch gegenüber dem Dominikanischen Peso, dem tunesischen Dinar oder dem ägyptischen Pfund Spitzenwerte. Gegenüber der türkischen Lira allerdings hat die Gemeinschaftswährung zuletzt deutlich Federn gelassen.

Die voraussichtlich weiter steigenden Zinsen im Euroraum machen die Rendite von Anlagen in Euro gegenüber Anlagen in Dollar wieder attraktiver, was den Kurs der europäischen Währung nach oben treibt und Euro-Anlagen zusätzlich interessanter macht.

Wirtschaft und Verbrauchern bringt der starke Euro Vor- und Nachteile. Theoretisch könnten auch Importgüter und das das Benzin an der Zapfsäule günstiger werden, da Rohöl an den Weltmärkten in der Regel in Dollar gehandelt wird. Verbilligt sich der Dollar im Vergleich zum Euro, müssen die großen Mineralölkonzerne aus der Eurozone weniger bezahlen.

Für die Exportwirtschaft in der Eurozone bringt ein starker Euro Nachteile. Denn für ein Produkt mit festem Europreis müssen etwa in den Vereinigten Staaten mehr Dollar gezahlt werden. Dies könnte die Nachfrage nach „Made in Germany“ sinken lassen, auch wenn der hohe Eurokurs der boomenden Wirtschaft hierzulande zuletzt nicht geschadet hat.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: Bloomberg, dpa, FAZ.NET

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