Devisenmarkt

Der Yen erholt sich etwas

27. Juni 2007 Man glaubt es kaum noch, aber der Yen scheint sich nun doch zumindest kurzfristig etwas von der Schwäche der vergangenen Jahre gegen den Euro, den Dollar und auch viele andere Währungen zu erholen.

Markant ist die Bewegung bisher noch nicht, hat sie gegen den Euro von einem Rekordhoch von 166,94 Yen je Euro am 22. Juni auf zuletzt 164,56 Yen geführt. Der mittel- und langfristige Abwertungstrend ist jedoch nach wie vor intakt. Ähnliches gilt auch für die Kursentwicklung zum Dollar - mit dem Unterschied, dass dort langfristig die Yen-Schwäche mit der strukturellen Dollarschwäche konkurriert. In den vergangenen zweieinhalb Jahren war der Yen die schwächere Währung.

„Mister schwacher Yen“ wird abgelöst

Der Markt dürfte inzwischen einerseits auf die etwas veränderten Rahmenbedingungen reagieren, die sich in den vergangenen Tagen ergeben haben. Erstens gab es von Seiten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ziemlich herbe Kritik an der Währungspolitik Japans. Der „Wertverlust des Yen hat eindeutig etwas Anomales“, erklärte sie wörtlich.

Daraufhin hat die japanische Regierung durchblicken lassen, dass ihr oberster Währungspolitiker Hiroshi Watanabe demnächst durch Nayuki Shinohara, den Chef der internationalen Abteilung im Finanzministerium, ersetzt wird. Watanabe galt als „Mister Yen“ - oder auch als „Mister schwacher Yen“. Er verfolgte offensichtlich ein politisches Ziel: Der niedrige Yen-Kurs verschafft japanischen Unternehmen auf den Weltmärkten Wettbewerbsvorteile und treibt so das Wirtschaftswachstum im eigenen Land an.

Aufgrund der tiefen Zinsen in Japan hat der Yen gemessen am realen effektiven Wechselkurs so stark an Wert verloren, das er inzwischen so billig war zuletzt 1973. Nach Berechnungen von Goldman Sachs ist der Euro gegenwärtig zum Dollar auf Sicht von fünf Jahren um knapp 15 Prozent überbewertet, währen der Dollar zum Yen knapp neun Prozent unterbewertet ist. Das führt im Umkehrschluss dazu, dass der Euro zum Yen rund 24 Prozent überbewertet ist. Aus dieser Sicht könnte und sollte der Euro auf bis zu 130 oder gar noch weniger Yen fallen.

Der Markt möchte Fakten sehen

Ob das so kommt wird sich erst noch zeigen müssen. Denn bisher brachte das niedrige Zinsniveau in Japan selbst Hausfrauen und Rentner dazu, Ersparnisse für die Altersvorsorge zum Beispiel in Neuseeland anzulegen, wo höhere Zinsen gezahlt werden. Gleichzeitig nutzten „Carry Trader“ die niedrigen Zinsen, um billige Yen-Kredite aufzunehmen und diese Gelder in höher verzinsten Devisen wie Euro oder Dollar anzulegen. Beides drückte den Yen und leiß andere Währungen zum Teil deutlich aufwerten.

Allerdings dürfte in einem Umfeld mit hohem Risikoappetit vor allem auch mit Blick auf die anhaltend hohe Zinsdifferenz zwischen Japan und anderen Währungsräumen weltweit die Neigung hoch bleiben, immer wieder auf solche Strategien zu bauen. Das würde sich sehr wahrscheinlich erst dann ändern, wenn sich die Differenz mit einiger Wahrscheinlichkeit reduzieren oder wenn solche Strategien aufgrund einer zunehmenden Volatilität riskanter würden. Im Moment bringen entsprechende Indizien - immerhin rechnen Marktteilnehmer wie Fondsmanager wie Bill Gross von Pimco mit bald fallenden Leitzinsen in den Vereinigten Staaten - offensichtlich einige Marktteilnehmer dazu, ihre Yen-Positionen zu reduzieren. Das könnte sich jedoch rasch wieder ändern, wenn sie sich nicht in Form von Fakten erhärten würden.

Sollten die so genannten „Carry-Trader“ ihre Positionen abbauen, könnte das zu einer zunehmenden Eigendynamik und einer raschen Aufwertung des Yen führen. Darauf ließe sich mit dem Kauf von Euro-Yen-Puts spekulieren. Allerdings gibt es ein Problem: Die Zinsdifferenz läuft gegen sie. Sollte sich die Währung nicht bewegen, müsste der Anleger mit einem deutlichen Zeitwertverlust rechnen (siehe auch: Yen-Käufer haben die Terminkurve gegen sich).

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: BIZ, FAZ.NET

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