Devisen

Kapitalströme sprechen nicht für den Dollar

17. September 2004 Internationale Anleger haben ihre Bestände an amerikanischen Wertpapieren im Juli so wenig aufgestockt wie zuletzt vor neun Monaten. Japan hat sogar um die Hälfte weniger amerikanische Staatsanleihen gekauft.

Insgesamt gingen die Käufe von Unternehmensanleihen, Aktien, Staatsanleihen und anderen amerikanischen Wertpapieren auf 64 Milliarden Dollar netto zurück, berichtete das Finanzministerium. Im Juni waren es per saldo noch 74 Milliarden Dollar. Japan, das von allen ausländischen Investoren die meisten Staatsanleihen hält, erwarb per Saldo nur ein Volumen von 5,5 Milliarden Dollar. Im Vormonat waren es noch 21,3 Milliarden Dollar gewesen.

Japan hält sich mit Wertpapierkäufen vergleichsweise zurück

Japan kauft amerikanische Staatsanleihen mit den Einnahmen aus den Interventionen am Devisenmarkt. Mit Yen-Verkäufen gegen Dollar will das Land den Wertzuwachs der japanischen Währung begrenzen, um den Exporteuren zu helfen. Allerdings hat sich Nippon in jüngster Zeit mit Interventionen weitgehend zurückgehalten, nachdem es in den ersten drei Monaten 2004 noch Yen im Gegenwert von 290 Milliarden Dollar auf den Markt warf.

"Die Japaner haben von ihrem Interventionsprogramm weitgehend Abstand genommen, aus gutem Grund - beim Dollar-Yen- Wechselkurs tut sich kaum etwas," berichtet David Durrant, Chefdevisenstratege bei Bank Julius Bär & Co. in New York. Der Yen notiert seit dem zweiten Quartal wenig verändert gegenüber dem Dollar, während er in den zwölf Monaten bis 30. Juni zehn Prozent zugelegt hat.

Japan ist am stärksten in Treasuries engagiert, die Investments belaufen sich auf 695,8 Milliarden Dollar. An zweiter Stelle folgt China mit einer Position von 166,9 Milliarden Dollar. Auf Platz drei liegt Großbritannien, das für 130,4 Milliarden Dollar amerikanische Staatsanleihen hält. China kauft Dollar, um den Wechselkurs des Yuan bei 8,3 Yuan je Dollar zu halten. Im Juli erwarb das Land per Saldo Treasuries für zwei Milliarden Dollar, nach 800 Millionen Dollar im Juni.

Insgesamt steckten ausländische Investoren im Juli netto 22,4 Milliarden Dollar in amerikanische Staatanleihen, nach 40,5 Milliarden Dollar im Juni. Sie hielten im Juli 1,81 Billionen Dollar der insgesamt 3,81 Billionen Dollar an umlaufenden marktfähigen Treasuries, geht aus den Zahlen des Finanzministeriums hervor. Internationale Anleger verkauften für netto 7,3 Milliarden Dollar in Amerika gehandelte ausländische Anleihen und im Volumen von netto 8,8 Milliarden Dollar in entsprechende Aktien.

Abnehmende Kapitalzuflüsse geben zu denken

Der Kapitalzustrom aus dem Ausland hilft den Amerika bisher, das rekordhohe Haushaltsdefizit zu finanzieren. Allerdings gibt die Tendenz zu abnehmenden Kapitalzuflüssen zu denken. Die jüngsten Daten dürften nach Ansicht der Devisenstrategen von Goldman Sachs nicht unbedingt einen „Dollarabsturz“ auslösen, aber der Abwertungsdruck auf den Dollar nimmt stetig zu. Grundsätzlich überschätzen die so genannten Tic-Daten die tatsächlichen Kapitalströme. Denn die Rückzahlungen von Anleihen werden nicht richtig erfaßt. Um sie in Übereinstimmung zu bringen mit den Leistungsbilanzzahlen müssen sie deutlich nach unten revidiert werden.

Insgesamt verdeutlichen die Zahlen, wie stark Amerika von ausländischen Kapitalströmen abhängig ist. Gleichzeitig scheinen die internationalen Anleger aber immer zurückhaltender damit zu sein, amerikanische Wertpapiere zu kaufen. Alleine aus diesem Grund könnten die amerikanischen Zinsen steigen, wenn sie eine höhere Risikoprämie verlangen. Sollte die Wirtschaftsskepsis zunehmen - der Vertrauensindex der University of Michigan ist nicht sonderlich positiv - und die Finanzströme weiter abschwächen, dürfte der Dollar unter Druck geraten, selbst wenn die amerikanischen Zinsen steigen. Die werden die Konjunktur sicherlich nicht beflügeln.

So mag der Dollar zwar auf Grund seiner Stellung als Weltwährung einen eigenen Status und damit etwas Rückhalt haben. Spätestens wenn die asiatischen Staaten - insbesondere China - jedoch die Bindung an den Greenback lösen und die Devisenreserven breiter diversifizieren, dürfte die bisher extrem lockere Geldpolitik voll durchschlagen.

Der Chart zeigt die Entwicklung von Euro gegen den Dollar
Der Chart zeigt die Entwicklung von Euro gegen den Dollar

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri

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