Edelmetalle

Der Goldpreis zieht wieder an

02. November 2006 Nach einer längeren Flaute belebt sich der Goldmarkt. Die Notierungen haben sich in den vergangenen vier Wochen spürbar gefestigt. Einer breiteren Öffentlichkeit ist dies aber wohl erst zu Beginn der Woche bewußt geworden, als sie einen leichten, bei etwa 610 Dollar je Feinunze erkennbaren Widerstand zu nehmen begannen. Er ist noch nicht überzeugend überwunden.

Doch zahlreiche Kommentare und Ausblicke klingen inzwischen so, als wäre dies schon geschehen. Am Mittwoch wurde zum Vormittags-Fixing in London ein Preis von 611,25 Dollar ermittelt. Neben Gold tendiert auch Silber eindeutig nach oben. Gleiches gilt für Palladium, das nach einem deutlichen Aufschwung nun jedoch eine Pause eingelegt hat. Nur Platin tritt seit Anfang Oktober im wesentlichen auf der Stelle.

Goldpreis als Spiegelbild der Dollarentwicklung

Einigkeit herrscht unter den Experten darüber, daß die Aufwärtsbewegung des Goldes in den vergangenen Wochen zu einem guten Teil ein Spiegelbild des schwächeren Dollar war. Das Edelmetall verhält sich zur amerikanischen Valuta häufig wie eine Währung. Tendiert der Dollar fest, kann Gold unter Druck geraten. Zeigt er sich in schwacher Verfassung, zieht der Goldpreis meist an. Viele Anhänger des Edelmetalls deuten dies als Beweis dafür, daß es seinen offiziell abgeschafften monetären Charakter beibehalten hat. Sie erklären mit Hinweis auf die weltweit immer weiter wachsende Staatsverschuldung, Gold sei das bessere Geld. Während der innere Wert der bedeutenden Währungen, allen voran der Dollar, durch übermäßigen Gebrauch der Notenpresse seitens der Zentralbanken und durch die zunehmende öffentliche Verschuldung beständig ausgehöhlt werde, könne der Gold-Wert nicht zerstört werden, heißt es. Allerdings räumen Gold-Anhänger auch ein, daß der Wert des Edelmetalls nicht wirklich zu bestimmen sei, sondern letztlich nur daran bemessen werden könne, was die Käufer für physische Ware jeweils zu zahlen bereit seien.

Anfang Mai hatte der Goldpreis mit rund 750 Dollar den höchsten Stand seit mehr als 25 Jahren erreicht, bevor er plötzlich mit Vehemenz um etwa 200 Dollar abstürzte. Es war gewiß kein Zufall, daß der Markt kippte, als auch an den meisten Aktienmärkten - darunter besonders an den Schwellenbörsen - eine schwache Tendenz aufkam. Analysten deuten dieses marktübergreifende Phänomen als Reaktion auf eine überzogene Spekulationstätigkeit - ausgelöst letztlich von der Furcht, daß die von den Zentralbanken reichlich zur Verfügung gestellte internationale Liquidität versiegen könnte.

Rückblickend herrscht weitgehend Einigkeit darüber, daß der seinerzeit verzeichnete zyklische Höchststand des Goldes ein spekulativer Exzeß war, den die kaum regulierten Hedge-Fonds und ihre Mitläufer am Terminmarkt für das Edelmetall zu vertreten haben. Die Terminnotierungen zogen noch lange ungebremst immer weiter an, nachdem die Nachfrage am physischen Markt bereits zum Erliegen gekommen war. Doch damit nicht genug: Es gelangte auch Gold aus den verschiedensten Quellen in Form von Barren und anderen goldhaltigen Gegenständen auf den Markt. Händler berichteten damals, Schmuckhersteller hätten ihre Erzeugnisse zum Einschmelzen verkauft, weil sie auf diese Weise mehr erlösten, als wenn sie ihr Werk an interessierte Kunden abgegeben hätten.

Physischer Goldmarkt hat sich stabilisiert

Inzwischen haben sich die stets ausschlaggebenden Bedingungen am physischen Goldmarkt nach dem Urteil von Händlern zwar stabilisiert, aber nicht so durchgreifend gebessert, daß von einer andauernd solider Nachfrage gesprochen werden kann. Das Kaufinteresse vor allem der Schmuckhersteller sei während der zurückliegenden Wochen wieder merklich gesunken, heißt es. Andererseits gibt es noch keine Hinweise darauf, daß sich die Hedge-Fonds wieder für Gold erwärmen. Im Gegenteil zeigen die nach dem Stand vom 24. Oktober erhobenen amtlichen amerikanischen Daten, daß die Spekulanten ihre Kaufengagements am Terminmarkt in New York weiter abgebaut haben. Dies könnte sich nach Meinung von Analysten inzwischen jedoch geändert haben und den jüngsten Aufschwung des Goldpreises erklären.

Auf der Angebotsseite des physischen Marktes gelten Goldverkäufe europäischer Zentralbanken aus ihren monetären Reserven unverändert als der gewichtigste einzelne Faktor, der auf den Preis drücken könnte. Fachleute meinen jedoch, nennenswerte Abgaben von dieser Seite seien zu diesem frühen Zeitpunkt des Zwölfmonatszeitraums (etwa Oktober/September), in dem Verkäufe vorgenommen werden könnten, nicht zu erwarten. Ohnehin habe die zurückliegende Periode gezeigt, daß sich die Notenbanken Mäßigung bei ihren Abgaben auferlegt hätten. Über die Gründe dafür wird gerätselt. Nicht wenige meinen, diese Institutionen hätten erkannt, daß es nicht ratsam sei, sich von den Reserven wegen kurzfristiger Effekte zu verabschieden und dann für den Fall einer immerhin denkbare Neuordnung des internationalen Währungssystems nicht mehr viel in den Tresoren zu haben.



Text: hi., F.A.Z., 02.11.2006, Nr. 255 / Seite 26
Bildmaterial: F.A.Z./Julia Zimmermann, FAZ.NET

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