Währungen

Der Euro gewinnt weltweit an Gewicht

Von Stefan Ruhkamp

09. Juli 2009 Die Europäische Zentralbank kommentiert die allmählich wachsende internationale Bedeutung des Euro betont gelassen. Trotz der Finanzkrise habe sich die internationale Landschaft der Währungen nur wenig verändert, heißt es in einer Stellungnahme zur jüngsten Währungsstudie. Die Finanzkrise habe die Präferenzen der Marktteilnehmer für einzelne Währungen nicht wesentlich verändert. Der Anteil des Euro auf dem Markt für Anleihen und andere Schuldtitel sei im vergangenen Jahr um etwa einen Prozentpunkt gestiegen, für grenzüberschreitende Kredite um zwei Prozentpunkte und für Devisenreserven um einen Prozentpunkt.

Die allmähliche Steigerung relativiert zwar die zeitweise überhitzt geführte Diskussion um einen raschen Bedeutungsverlust des Dollar. Die Zahlen zeigen, dass das Übergewicht des Dollar sich nur langsam abbaut. Umgekehrt setzt sich aber auch - wenn auch in mäßigem Tempo - der langjährige Trend zu einem wachsenden Gewicht des Euro fort.

„Bedeutungszuwachs kann Fluch und Segen sein“

Seit der Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung vor zehn Jahren hat sich der Gegenwert der von Notenbanken gehaltenen Euro-Reserven von knapp 1800 Milliarden Dollar auf rund 6700 Milliarden Dollar Ende 2008 erhöht. Nach dem Wechselkurs von 1999 gerechnet, ist der Anteil von 23 auf 26,5 Prozent gestiegen. Legt man die jeweils aktuellen Wechselkurse zugrunde, ist die Steigerung noch größer, der Anteil des Euro ist nach diesem Berechnungsverfahren von knapp 18 auf 26,5 Prozent gestiegen, während der Anteil des Dollar von 71 auf 64 Prozent gefallen ist. Allerdings geben die Daten kein exaktes Bild der Wirklichkeit, weil nur etwa zwei Drittel der Notenbanken die Struktur ihrer Devisenreserven dem Internationalen Währungsfonds melden. Zu den Verweigerern soll dem Vernehmen nach auch China gehören.

„Der Bedeutungszuwachs einer Währung kann Fluch und Segen sein“, sagt Peter Bofinger, Würzburger Hochschullehrer und Mitglied im Sachverständigenrat. Wenn die Notenbanken der Welt ihre Reserven im großen Stil umschichteten, könne das einen Aufwertungsdruck auf den Euro ausüben, der die Exportwirtschaft schwäche. Umgekehrt erleichtere die wachsende Bedeutung des Euro auf den Anleihemärkten die Verschuldung. Wegen dieser zwiespältigen Wirkung habe die Bundesbank eine Bedeutungszunahme der eigenen Währung traditionell zurückhaltend bewertet.

„Es kommt auf das Tempo der Bewegung an“, sagt Dirk Schumacher, der für Deutschland zuständige Ökonom der Investmentbank Goldman Sachs. Eine rasche Umschichtung könnte tatsächlich über die Aufwertung des Euro die Wirtschaft schwächen. Wenn das zu heftig geschehe, bleibe zu wenig Zeit für die erforderlichen Anpassungsprozesse. Bei einem allmählichen Bedeutungszuwachs könnten aber die positiven Faktoren überwiegen. „Die wachsende Bedeutung des Euro ist ein langfristiger Trend, aber ich erwarte nicht, dass er den Dollar als Leitwährung ablösen wird“, sagt Schumacher. Schwellenländer wie China wünschten zwar ein weniger starkes Gewicht des Dollar, aber nicht einen Wechsel in der Rolle der Leitwährung.

Das Vertrauen in den Dollar hat gelitten

Klaus Wiener, Chefvolkswirt von Generali Investments, hält sogar einen von Reserveumschichtungen ausgelösten Aufwertungsdruck nicht für übermäßig schädlich. Ein fester Euro bremse zwar die Exportwirtschaft. Zugleich würden aber Importe verbilligt, was Inflation und Zinsen niedrig halte. Zudem könne der Status als Reservewährung die Verschuldung in eigener Währung erleichtern, was die Schuldnerländer weniger anfällig mache. Wiener erwartet einen weiteren Bedeutungszuwachs des Euro. „Das Vertrauen in den Dollar hat in der Finanzkrise gelitten.“ Die Europäische Zentralbank habe die Stabilisierung des Finanzsystems dagegen mit Augenmaß betrieben und so Vertrauen geschaffen.

Während sich die meisten Veränderungen der Währungsgewichte im vergangenen Jahr langsam vollzogen, gab es eine auffallend starke Bewegung auf dem Markt für Verbriefungen. Unter anderem wegen der großen Verluste mit amerikanischer Kreditverbriefungen sank der Dollar-Anteil , der im Jahr 2006 einen Rekordwert von nahezu 80 Prozent erreicht hatte, im vergangenen Jahr auf gut 40 Prozent. Der Euro überholte den Dollar auf dem Emissionsmarkt für neue Verbriefungen und hat nun einen Anteil von fast 60 Prozent.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

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