Strategie

Asiatische Währungen holen gegen den Euro auf

08. Februar 2008 Nach einer massiven Aufwertungsbewegung in den Jahren 2002 bis 2007 konsolidiert der Euro gegen den Dollar auf einem hohen Niveau. Die Aufwertung war nicht nur aufgrund ihrer Höhe bemerkenswert. Immerhin ist die europäische Einheitswährung inzwischen auf Basis theoretischer Modelle deutlich überbewertet.

Interessanter und wirtschaftspolitisch problematischer ist und war die Tatsache, dass der Euro in dieser Zeit auch gegen eine Reihe anderer Währungen aufwertete, die aufgrund der fundamentalen Daten eigentlich ihrerseits hätten gegen den Euro aufwerten müssen. Dazu zählen viele asiatische Währungen wie der Yen und den Yuan, aber auch die der Öl exportierenden Golfstaaten.

Aufwertungsdruck von verschiedenen Seiten

Immerhin verbuchen diese zum Teil deutliche Handelsbilanzüberschüsse. Ferner sollten die Währungen auch von der starken internationalen Nachfrage nach Wertpapieren der lokalen Märkte profitieren. Wurden sie bisher durch Interventionen oder durch andere restriktive Wirkungen der Marktkräfte an ihrer Aufwertung gehindert, so scheint sich das langsam zu ändern.

Das dürfte kaum verwundern. Denn Interventionen führen indirekt und zusammen mit anderen Faktoren wie hohen Energie- und Rohstoffpreisen in Staaten wie China und Indien zu inflationärem Druck. Dem lässt sich unter anderem über eine aufwertende Währung begegnen. Legt die eigene Währung zu, können Schwellenländer zudem ihre Fremdwährungsschulden leichter zurückzahlen, sofern sie welche haben.

„Für Länder mit einer hohen Dollar-Verschuldung könnte dies Rückenwind bringen“, sagte Dietmar Hornung, Vizepräsident und leitender Analyst bei Moody's in Frankfurt kürzlich. Namentlich werden in dem Bericht der Rating-Agentur Kolumbien, Peru, Uruguay, die Philippinen und Brasilien genannt. Auch die Türkei könne ihre Schuldenlast spürbar verringern, da die Staatsverschuldung zu einem beträchtlichen Anteil auf Dollar laute. Die Moody's-Analyse scheint indes von einer weiteren Dollarabwertung auszugehen.

Stärkere Währungen kein Problem

Wahrscheinlicher scheint aber eine weitere Aufwertung der Währungen der Dollarüberschussstaaten zu sein. Denn nur sie würde den einseitigen Aufwertungsdruck beseitigen, der den Euro in den vergangenen Jahren auf ein völlig überbewertetes Niveau getrieben hat. Kurzfristig mögen sich europäische Unternehmen damit arrangieren können, mittelfristig würde sie die überbewertete Währung jedoch dazu zwingen, Standorte ins Ausland zu verlegen. Langfristig stellte sich schließlich die Frage, wer im überregulierten, mit Steuern und Arbeitsnebenkosten überfrachteten Europa noch Arbeitsplätze würde halten oder gar schaffen können.

Fielen die Arbeitsplätze weg, so stagnierte der Konsum, der alleine schon aufgrund der demographischen Entwicklung nur noch bedingt zunehmen kann. Es fragt sich dann, wer die globale Konsumgüterschwemme würde kaufen können.

So ist es einigermaßen beruhigend, dass in den vergangenen Wochen viele der asiatischen Währungen aufgewertet haben. Diese Trends dürften mit einiger Wahrscheinlichkeit einige Zeit anhalten. Denn stärkere Währungen liegen auf der einen Seite vielfach im Interesse der betreffenden Staaten, sofern dies ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber wirtschaftlich ähnlich starken Ländern nicht einschränkt. Auf der anderen Seite sind geringe Aufwertungsbewegungen mit Blick auf die hohen Produktionskosten der Industriestaaten sicherlich kein Problem.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

 
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