Rohstoffe & Edelmetalle

Spekulative Anleger treiben den Platinpreis auf neue Rekorde

Diamantring in Platinfassung

Diamantring in Platinfassung

12. Februar 2008 Die Preisentwicklung des Edelmetalls Platin scheint gegenwärtig keine Grenze nach oben mehr zu kennen. Am Dienstag erreichte die Bewertung des Metalls mit Preisen von bis zu 1.972,75 Dollar je Feinunze ein Allzeithoch. Das Metall ist in Dollar alleine seit Jahresbeginn knapp 19 Prozent teurer geworden als zuvor. Seit dem Oktober des Jahres 2001 beträgt der Preiszuwachs in Dollar 372 Prozent.

Diese Entwicklung lässt sich mit den verschiedensten Argumenten begründen. Auf der einen Seite steht die Industrie, die auf das Edelmetall aufgrund seiner vielfältigen Verwendbarkeit angewiesen ist. Platin wird bei der Herstellung aller nur denkbaren Anwendungen und Geräte benötigt.

Platin wird industriell vor allem als Katalysator verwandt ...

Platin und Platin-Legierungen werden jedoch in größerem Umfang bei der Oxidation von Ammoniak zu Salpetersäure sowie für die Reinigung von Kraftfahrzeugabgasen und die Umwandlung von Wasser- und Sauerstoff in Elektrizität verwendet. Aus diesen Gründen dürfte die Nachfrage aus dieser Richtung zumindest in einem gewissen Rahmen Preis unelastisch sein und bleiben, da die Umstellung auf andere Rohstoffe hohe Kosten verursacht.

Kurzfristiger Hintergrund der Hausse ist die scheinbar angespannte Angebotssituation bei Platin. Da knapp 80 Prozent des geförderten Materials aus Südafrika stammen, schlagen im Markt Meldungen über Stromknappheit, Produktionsausfalle und steigende Kosten durch und führen zu spekulativen Käufen. Um einen Zusammenbruch der Stromnetze zu verhindern, hatte der staatliche Energiekonzern Eskom in den vergangenen Wochen Minenbetreibern und anderen industriellen Kunden den Strom vorübergehend abgestellt und liefert die Energie mittlerweile nur rationiert. Gegenwärtig ist offen, wie lange die Stromknappheit in Südafrika noch anhalten wird. Allerdings dürfte sich das Land eine Blamage bei der anstehenden Fußballweltmeisterschaft ersparen wollen und entsprechend investieren.

Zum Börsenkurs

In das aktuelle Preisniveau sind mit einiger Wahrscheinlichkeit größerer Förderausfälle schon „eingepreist“, so dass bei einer Entspannung der Situation die Zitterprämie zurückgehen kann. Immerhin ist schon seit Monaten ein großer Teil der Preis treibenden Nachfrage nicht auf die Industrie an sich zurückzuführen, sondern auf spekulative Anleger, die sich das Metall direkt oder indirekt ins Depot legen wollen, aus welchen Gründen auch immer.

... allerdings sind in den vergangenen Monaten zunehmend spekulative Anleger als Käufer aufgetreten

Das zeigt sich daran, dass der ETFS Physical Platinum der ETF Securities (siehe auch: Link: ETF Securities ) in den vergangenen Wochen seine Bestände massiv aufgestockt hat. Da das Volumen des Fonds immer größer wird, führen selbst kleine Preisbewegungen in einem relativ engen Markt zu starken Nachfrageänderungen, wenn der Fonds diese nachvollziehen muss. Alleine aus diesem Grund kann sich im Zusammenspiel mit Anlegern, die sich an Trends und technischen Indikatoren wie dem Momentum orientieren, eine Eigendynamik entwickeln.

Im Moment wirkt sie nach oben, allerdings kann sie bei einer veränderten Stimmung auch rasch nach unten drehen. Die Volatilität dürfte zunehmen. Fakt ist, dass es langfristig bis auf weiteres keine Versorgungsengpässe geben dürfte. Denn nach Schätzungen amerikanischer Regierungsgeologen liegen die ökonomisch sinnvoll förderbaren Reserven an Platinmetallen bei 100 Millionen Kilogramm. Selbst kurzfristig kommt es zu Substitutionseffekten, in deren Rahmen sich die Platinmetalle gegenseitig ersetzen oder in Verbindung mit keramischen Komponenten sparsamer einsetzen lassen.

Aus diesen Gründen dürfte es ratsam sein, die Preisentwicklung bei den Platinmetallen mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten. Das gilt erst recht, wenn es um weitere denkbare Motive zum Kauf von Edelmetallen geht. Manche Strategen empfehlen sie aufgrund ihrer relativen physischen Knappheit als Beimischung zu Wertpapierdepots, um sich auf diese Weise gegen inflationäre Entwicklungen zu schützen. Angesichts der inflationären Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank dürfte das kaum verwundern.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, Michael Kretzer

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