Finanzkrise

Furcht vor Rezession drückt Rohstoffpreise

Von Stefan Ruhkamp

21. März 2008 Lange Zeit galten die haussierenden Rohstoffwerte als letzte Ertragsquelle und liebstes Spekulationsobjekt der Hedge-Fonds. Doch nun sind bei den Anlegern Zweifel aufgekommen, ob in einem schwachen wirtschaftlichen Umfeld die Rohstoffnachfrage auf dem erreichten hohen Niveau bleiben kann.

Konjunktursorgen und Gewinnmitnahmen haben am Mittwoch und Donnerstag die Preise für Rohstoffe auf breiter Front gedrückt. Öl, Gold und Kupfer verloren deutlich an Wert. Das beflügelte wiederum die amerikanischen Aktienmärkte, die zum Wochenschluss kräftig zulegten. Der Dow-Jones-Index der Industriewerte und der Nasdaq-Composite, der vor allem Technologiewerte enthält, legten jeweils um gut 2 Prozent zu. Der Euro-Stoxx-50, Index der wichtigsten Aktien im Euro-Raum, ging allerdings mit einem Tagesverlust von 0,7 Prozent auf 3505 Punkte aus dem Handel. Schwach tendierten in Europa vor allem die Aktien der Öl- und Gasunternehmen. Ihr Branchenindex hat im Wochenverlauf gut 12 Prozent an Wert verloren.

Beim Gold nahmen viele Anleger die Gewinne mit

Das lag vor allem am sinkenden Ölpreis. Ein Barrel zu 159 Litern der amerikanischen Sorte WTI wurde zuletzt mit nur noch 102 Dollar gehandelt. Vor wenigen Tagen waren es beim Rekordhoch noch 10 Dollar mehr. Während der Ölpreis auch unter dem Wachstum der Ölvorräte in den Vereinigten Staaten litt, gerieten die Basismetallpreise wie Kupfer oder auch Zink und Blei vor allem wegen der Sorge um die Nachfrage in einer sich abschwächenden Weltkonjunktur unter Druck.

Beim Gold nahmen viele Anleger ihre Gewinne der vergangenen Wochen mit, nachdem die amerikanische Notenbank Fed die Zinsen weniger deutlich, als von vielen erwartet, gesenkt hatte. Die unerwartet geringe Zinssenkung und die fallenden Preise für Öl beruhigten außerdem die ärgsten Inflationssorgen. So fiel der Preis für eine Feinunze zu 31,1 Gramm auf 915 Dollar. Das sind rund 10 Prozent weniger als beim in der vergangenen Woche erreichten Rekordhoch. Händler berichteten von der Erwartung der Anleger, dass die physische Nachfrage, also aus der Industrie und von Schmuckherstellern, weiter gering bleiben wird. Deshalb habe mancher spekulative Anleger seine Positionen reduziert.

Deutschen Verbrauchern dürften die fallenden Rohstoffpreise willkommen sein

Bei den Basismetallen sorgten Aussagen der Fed über eine weitere Konjunkturabschwächung für Verkäufe. „Kurzfristig gibt es ein wenig Nervosität über die wirtschaftliche Entwicklung“, sagte ein Analyst. Fundamental habe sich aber angesichts der knappen Lagerhaltung wenig geändert, so dass die Preise insgesamt eher stabil bleiben sollten. Die an der Londoner Metallbörse gemeldeten Vorräte sind seit Jahresbeginn um fast 40 Prozent gefallen. Die Tonne Kupfer verbilligte sich am Terminmarkt um mehr als zwei Prozent auf 7980 Dollar. Der Preis für Zink brach zeitweise um mehr als 5 Prozent ein, Aluminium und Blei rutschten um mehr als 2 Prozent ab.

Den meisten deutschen Verbrauchern dürften die fallenden Rohstoffpreise sehr willkommen sein. Binnen Jahresfrist haben sich die Preise für Heizöl zum Beispiel um mehr als 40 Prozent erhöht. In München kostete der Liter vor einigen Tagen noch gut 76 Cent. Mehr als doppelt so viel wie vor fünf Jahren. Dabei hat die Aufwertung des Euro die Preissteigerungen der meist in Dollar gehandelten Rohstoffe noch abgemildert. Der Heizölpreis hat sich in den vergangenen Tagen wenigstens etwas verringert. Bei einer Bestellung von 3000 Litern kostet der Liter in Süddeutschland nun 74 Cent, die Tankfüllung also etwa 2220 Euro. In Norddeutschland sind die Preise wegen der Nähe zu den Häfen etwas niedriger.



Text: F.A.Z., 22.03.2008, Nr. 69 / Seite 21
Bildmaterial: ddp, F.A.Z.

 
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