10. August 2007 Als am Donnerstag der Geldmarkt in Schwierigkeiten geriet, zogen die Devisenmärkte sofort mit. Insbesondere der japanische Yen wertete auf, bremste am Nachmittag noch einmal ab, beendete den Tag aber dann doch rund 1,5 Prozent teurer bei 117,89 Yen für den Greenback.
Am Freitag setzt sich die Aufwertung weiter fort, bis es am Mittag abermals bei einer Aufwertung von 0,56 Prozent und 117,24 Yen für den Dollar zu einer scharfen Kehrtwende führte und den Yen fast wieder auf Vortagesniveau fallen ließ. Bereits seit Ende Juni, seit seinem Hoch bei 123,87 Yen für den Dollar, kurz bevor er ein Fünf-Jahres-Tief erreichen konnte, wertet der Yen wieder auf.
Carry Trades auf dem Rückzug
An den Märkten werden die aktuellen Bewegungen allgemein als eine Beschleunigung der Auflösung von Carry Trades, also dem Leihen von Geld in niedrigverzinslicher Währung und dessen Wiederanlage in hochverzinslichen Währungen, aufgefasst. Dementsprechend waren auch einige der einschlägigen Hochzinswährungen auf dem Rückzug. Der australische Dollar wertet um 0,72 Prozent gegenüber dem Dollar ab, der neuseeländische um 1,25 Prozent und die isländische Krone sogar um 2,5 Prozent.
Auslöser ist wie nicht anders zu erwarten die Krise an den Kreditmärkten und damit verbunden die Rettungsmaßnahmen der Notenbanken. Auch am Freitag schütteten EZB und Federal Reserve wieder große Summen in den Geldmarkt, nachdem in der Nacht schon die japanische und australische Notenbank die Liquidität am Geldmarkt vermehrten, ebenso wie weitere Zentralbanken.
In dieser unsicheren Umgebung scheint es einigen Investoren geraten, die Risiken ihrer Investitionen zu reduzieren und dazu gehören nun einmal die zinsabhängigen Carry Trades, denn ein deutlicher Anstieg der Geldmarktzinsen kommt für Carry Trader einer Leitzinserhöhung gleich. Auch die deutlich höheren Währungsvolatilitäten sind kein gutes Umfeld. So stieg die implizite Volatilität des Yen am Freitag auf den höchsten Stand seit Mai 2006.
Es geht um die Glaubwürdigkeit der Notenbanken
Nichtsdestoweniger gibt es noch genügend Investoren im Markt, die darauf setzen, dass die alten Spielchen auch weiter funktionieren. Insbesondere japanische Privatanleger und Importeure nutzten die Aufwertung zu Verkäufen.
Und auch wenn die Strategie riskant ist, so haben diese Anleger eine gewisse Argumentationssicherheit auf ihrer Seite. Denn die Notenbanken haben die Anleger hinsichtlich der Geldpolitik ins Grübeln gebracht. Die rasche Bereitschaft, die eigenen Bemühungen um eine Liquiditätsverknappung zu unterlaufen, lässt auch die als ausgemacht geltenden Zinserhöhungen nicht mehr so wahrscheinlich erscheinen wie zuvor.
So wird die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung in Japan in diesem Monat nur noch mit 28 Prozent gehandelt, nachdem sie am Vortag noch bei 65 Prozent gestanden hatte. Die ersten Banken-Volkswirte glauben mittlerweile, EZB und Bank of England suchten derzeit nach einem Ausweg aus der erwarteten Zinserhöhung.
Inflationsdruck ungeschwächt
Doch dies könnte sich als Irrtum erweisen. Denn der Anstieg des Geldmengenwachstums ist weiter nicht wirklich gebremst worden und die am Freitag vorgelegten Importpreisdaten aus den Vereinigten Staaten bestätigten dies noch einmal.
Diese stiegen im Juli deutlich stärker als erwartet und lagen auf Monatssicht um 1,5 Prozent höher. Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen hatten im Durchschnitt für Juli einen Anstieg der Importpreise um lediglich ein Prozent und damit auf Vormonatsniveau erwartet. Die Erdölpreise lagen den weiteren Angaben zufolge um 7,0 Prozent höher als im Juni. Auf Jahressicht verzeichneten die Importpreise einen Anstieg um 2,8 Prozent.
Vor allem aber zeigt sich bei genauerer Betrachtung, dass Amerika hier noch von den schwachen asiatischen Währungen profitiert, bewegten sich doch die Preise für die Einfuhr japanischer Güter sogar nach unten. Hingegen legten die Preise für lateinamerikanische Importe um 3,6 Prozent und aus anderen Ländern um 2,3 Prozent zu. Teuer wurden vor allem Dienstleistungen, die im Juli um sieben Prozent für die EU und 9,3 Prozent für Lateinamerika zulegten.
Kaum Alternativen zu restriktiverer Geldpolitik
Wie aber schon die in den vergangenen Monaten weitgehend vergeblichen Versuche der Zentralbanken zur Liquiditätsverknappung zeigen, ist es vergleichsweise einfach Geld auszuschütten - viel schwieriger ist es, dieses wieder einzusammeln. Mit der Zuführung von frischem Geld gewöhnen sich die Banken aber daran, herausgehauen zu werden. Das ändert ihre Risikostruktur und macht die Kreditmärkte noch anfälliger und zudem schwächen die Zentralbanken ihre Glaubwürdigkeit.
Um langfristig Schlimmeres zu verhindern, muss dieser Geldhahn also wieder zugedreht werden. Ist dies nicht der Fall, wird eine globale Finanzkrise irgendwann nicht mehr abzuwenden sein. da davon auszugehen ist, dass dies auch den Zentralbanken klar ist, heißt dies, dass sich das Umfeld für Carry Trades in den kommenden Wochen verbessern kann, mittelfristig aber die Zentralbanken ihre Politik der Liquiditätsverknappung werden weiter fortsetzen müssen. Und das dürfte dann auch wieder zu einer Aufwertung des Yen beitragen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
Bildmaterial: FAZ.NET
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| Gas | 0,32 £ | +2,86% |
| Kaffee | 1,46 $ | −0,44% |
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