13. März 2008 Sorgen um die schwache amerikanische Konjunktur, die Sicherheits-, Wirtschafts-, Geld- und Finanzpolitik des Landes und nicht zuletzt um die dadurch ausgelöste Kredit- und Liquiditätskrise haben den amerikanischen Dollar auf neue Rekordtiefs zu Euro, Schweizer Franken und Singapur-Dollar gedrückt. Zum japanischen Yen fiel der Dollar-Kurs auf den niedrigsten Stand seit zwölf Jahren.
Aber auch an den anderen Segmenten des Finanzmarktes geht es drunter und drüber. So verliert der Dollar gegen Rohstoffe immer mehr an Wert, die Börsen lassen sich selbst von generösen Liquiditätsspritzen der Zentralbank nicht beruhigen und die Kurse der als sicher geltenden Staatsanleihen laufen immer weiter nach oben.
Dollarschwäche auf der ganzen Linie ...
Am Donnerstag waren bis zu 1,5623 Dollar nötig, um einen Euro erwerben zu können. Ein Barrel Öl der Sorte WTI kostete an den Terminmärkten mit bis zu 110,20 Dollar soviel wie noch nie zuvor, der Goldpreis steht kurz davor die magische Marke von 1.000 Dollar zu überschreiten, ein Scheffel Weizen kostete in Chicago bis zu 13,5 Dollar, der Schweizer Franken ist inzwischen beinahe soviel wert wie der Dollar. Der hatte am Donnerstag im Tagestief gerade noch einen Wert von 99,78 Yen.
In Asien setzten die Börsen die Kursverluste der vergangenen Wochen fort und schlossen schwach. Dem können sich auch die europäischen Märkte nicht entziehen: Der Dax liegt am Mittag mit einem Minus von 2,5 Prozent bei 6.435 Punkten. Deutliche Kursverluste sind bei konjunktursensitiven und bei den Finanzwerten zu beobachten.
Am Donnerstag geht die Verunsicherung konkret von der in Zahlungsnöte geratene Fonds-Tochter der Beteiligungsfirma Carlyle aus. Die Carlyle Capital Corp (CCC) konnte sich mit ihren Kreditgebern nach tagelangen Verhandlungen nicht auf eine neue Finanzierung einigen. Die Banken forderten zusätzliche Sicherheiten von mehr als 400 Millionen Dollar, die der primär in Hypothekenpapiere investierte Fonds nicht liefern konnte. Wegen weiterer Wertverluste der von CCC gehaltenen Papiere begannen die Banken zuletzt mit dem Verkauf von Sicherheiten, um ihre Forderungen zu begleichen. Mit dem endgültigen Scheitern der Gespräche können die Kreditgeber nun auf das gesamte Portfolio zugreifen.
Die Nachricht bestätigt Befürchtungen der Skeptiker, die Krise bei Subprime-Darlehen sei eine Krise des gesamten Hypothekenmarkts. Die amerikanische Konjunktur würde damit wesentlich stärker belastet als bislang angenommen. Das bringt den Dollar von zwei Seiten unter Druck: Zum einen sind Investitionen in die amerikanische Wirtschaft weniger attraktiv. Anleger und Investoren könnten dazu tendieren, ihre Gelder verstärkt aus der weltgrößten Volkswirtschaft abziehen. Das alleine schwächt die Dollarnachfrage.
... geht von der amerikanischen Geldpolitik aus
Zum anderen sähe sich die amerikanische Notenbank trotz der inflationären Risiken, der Rekordverschuldung des Landes, der gigantischen Militärausgaben und der Energieverschwendung gezwungen, die Leitzinsen noch stärker zu senken, um die Konjunktur zu stützen. Das würde Dollar-Investments noch unattraktiver machen als bisher. Schon jetzt sind die realen Renditen von Zinsanlagen mit kurzen Laufzeiten schon negativ. Trotzdem deutet der Zinsterminmarkt die Erwartung an, dass die Federal Reserve auf der zinspolitischen Sitzung in der kommenden Woche ihren Leitsatz um weitere 75 Basispunkte auf 2,25 Prozent senken wird.
Trotz des schwachen Dollars, der die Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Unternehmen im internationalen Geschäft eigentlich verbessern sollte, beschweren sich amerikanische Unternehmer über die Standortbedingungen. Restriktive Visavergaben führten zu einem Fachkräftemangel und auslaufende Steuererleichterungen für Forschung und Entwicklung belasteten die Industrie, heißt es.
Investoren ziehen ihre Gelder aus Dollar-Anlagen ab und dies wird zu einem Dollar-Crash führen, sagt Tetsuhisa Hayashi, Leiter des Devisenhandels bei der japanischen Großbank Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ der Nachrichtenagentur Bloomberg. Der Dollar scheint echte Probleme zu bekommen, für den Kurs zum Euro gibt es nach oben keinen klaren Widerstand mehr, erklärte Devisenstratege Greg Gibbs von ABN Amro Holding. Es ist kein Niveau mehr zu erkennen, an dem man sagen kann, hier hört es auf.
Analysten rechnen mit dem Abzug von Geldern aus dem Dollarraum
Analysten rechnen generell damit, dass immer mehr Gelder aus dem Dollar abgezogen werden. Am Markt werde sehr viel über China spekuliert, und auch eine Menge über die Ölstaaten am Golf, die ihre Währungen trotz der boomenden Wirtschaft mehr oder weniger an den schwächelnden Dollar und damit an die lockere Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank gebunden hatten. Genau das jedoch führte zu inflationären Problemen. So dürfte es kaum verwundern, dass sie die durch die notwendigen Interventionen explodierenden Devisenreserven diversifizieren wollen.
Fragt sich nur, wohin. Denn der Euro ist schon massiv überbewertet, und die Rohstoffpreise sind schon stark gestiegen. Sollten sie noch weiter nach oben getrieben werden, würde das die inflationären Tendenzen noch weiter verstärken und könnte die Konjunktur in Europa abwürgen. So bleibt eigentlich nur eine Aufwertung der asiatischen Währungen, allen voran des Yen. Denn erstens ist der Yen unterbewertet. Zweitens konnte Japan Jahrzehnte lang von einer künstlich geschwächten Währung profitieren. Nun scheint es an der Zeit zu sein, dass sich das Land endlich seinen Binnenmarkt in Schwung bringt, statt sich auf die Exportwirtschaft zu verlassen.
Der Dollar mag gegenwärtig zwar skeptisch betrachtet werden. An einem weiteren Absturz kann jedoch niemand interessiert sein. Im Extremfall dürfte es zu Interventionen kommen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, Goldman Sachs Economic Research