Devisenmarkt

In Skandinavien zeigt sich der Preisauftrieb

10. Juni 2008 Entwickelten sich die skandinavischen Währungen in den vergangenen Jahren ähnlich, indem sie gegen den Dollar aufwerteten und sich gegen den Euro behaupteten, so gibt es nun zumindest kurzfristig unterschiedliche Impulse.

So erreichte die Inflation im Mai mit einem Preisanstieg von 3,4 Prozent den höchsten Stand seit 18 Jahren. Sie lag damit im Rahmen der allgemeinen Erwartungen. In Dänemark geht der Preisauftrieb von hohen Energie- und Rohstoffkosten, von steigenden Nahrungsmittelpreisen, aber auch von einem engen Arbeitsmarkt aus. Die Arbeitslosenrate lag im April bei 1,8 Prozent und damit auf dem tiefsten Stand seit 35 Jahren. Das führt dazu, dass Arbeitnehmer relativ hohen Lohnzuwächse durchsetzen können. Der Lohnzuwachs lag im ersten Quartal bei 4,6 Prozent.

Drohende Lohn-Preisspirale in Dänemark

Längst droht in Dänemark eine Lohn-Preisspirale in Gang zu kommen. So streiken Arbeitnehmern im Gesundheitswesen schon seit Wochen, nachdem sie ein Lohnerhöhungsangebot von knapp 13 Prozent über die kommenden drei Jahre abgelehnt hatten. Auf diese Weise gerät die Zentralbank immer mehr in eine Zwickmühle, da sie zwei Ziele gleichzeitig verfolgt: Eine stabile Preisentwicklung sowie einen stabilen Wechselkurs im Verhältnis zum Euro.

Als im Jahr 2002 der Euro in den meisten europäischen Staaten eingeführt wurde, hielt Dänemark nach dem Nein in einer vorangegangenen Volksabstimmung an der Krone fest. Damit verblieb die Krone im Wechselkursmechanismus II, der als Vorstufe zur Euroeinführung galt und gilt. Sie ist mit 7,46038 Kronen je Euro und einer Schwankungsbreite von plus-minus 2,25 Prozent fest an den Euro gebunden. Diese Bindung ließ sich in den vergangenen Jahren problemlos halten. Sie scheint vorerst nicht gefährdet zu sein. Zweifel dürfte es erst dann geben, wenn die Preisentwicklung in Dänemark stark von jener in der Eurozone abweichen sollte. Ausgeschlossen ist das nicht.

Angespannter Arbeitsmarkt in Norwegen

Dagegen fielen die Kursschwankungen des Euro gegenüber der norwegischen Krone in den vergangenen Jahren etwas stärker aus. Am Dienstag wertet sie gegen den Euro ein halbes Prozent ab auf 7,9674 Kronen je Euro. Gegen den Dollar fällt die Abwertung mit einem Kursplus von 1,53 Prozent auf 5,1389 Kronen je Greenback sogar noch ausgeprägter aus. Der Grund liegt einerseits in der Tatsache, dass Ben Bernanke, der Gouverneur der amerikanischen Zentralbank, noch einmal betont hat, er werde sein Augenmerk verstärkt auf inflationäre Gefahren richten. Das gibt dem Dollar etwas Zinsphantasie.

Auf der anderen Seite ist die norwegische Inflationsrate - sie schließt Energiepreise und Steuern aus - im Mai überraschend von 2,4 Prozent im April auf 2,3 Prozent gefallen. Ein relativ schwaches Wirtschaftswachstum außerhalb des Öl- und des Schifffahrtssektors und günstigere Importe scheinen sich bemerkbar zu machen. Im ersten Quartal war die Wirtschaft um 0,2 Prozent gewachsen. Das dürfte die Aufgabe der Zentralbank erleichtern, den Preisauftrieb zu kontrollieren. Schon im Mai hatte sie den Leitzins unverändert bei 5,5 Prozent gelassen.

Inflationsdruck gibt es auch in Schweden

Allerdings wollen Analysten den Preisdruck nicht unterschätzen. Immerhin wuchs die norwegische Wirtschaft im vergangenen Jahr mit einem Plus von sechs Prozent so stark wie schon Jahrzehnten nicht mehr, die Arbeitslosigkeit befindet sich auf Rekordtief und der Lohndruck ist stark. Aus diesem Grund scheint trotz allem eine weitere Leitzinserhöhung möglich zu sein.

Inflationsdruck gibt es auch in Schweden. Mit 2,9 Prozent lag die Kernrate im Mai auf den höchsten Stand seit fünf Jahren und etwas über den Erwartungen. Gleichzeitig hat die Zentralbank angekündigt, sich künftig auf ein breiteres Maß der Inflationsmessung zu fokussieren. Und das liegt bei vier Prozent. Das kann darauf hindeuten, dass die schwedische Zentralbank den Leitzins im Juli anheben könnte, nachdem sie ihn im April unverändert bei 4,25 Prozent beließ. Die schwedische Krone reagiert am Dienstag auf solche Erwartungen mit einer Aufwertung von 0,34 Prozent auf 9,312 Kronen je Euro. Langfristig läuft sie gegen die europäische Einheitswährung seitwärts.

Gegen den Dollar werteten in den vergangenen Jahren alle drei Währungen auf. Sollte es der amerikanischen ersten sein mit den jüngsten Aussagen, so könnte dieser Trend künftig möglicherweise eine Ende finden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

 
Tops & FlopsKursProzent
EUR/JPY 152,6600 +0,49
EUR/NOK 8,0102 +0,47
EUR/TRY 1,7673 +0,46
EUR/ZAR 11,3771 -0,40
EUR/RUB 36,3510 -0,37
EUR/CAD 1,5187 -0,34
Rohstoffe
NamePunkteProzent
Gold 797,60 +0,80
Silber 12,23 -3,13
Platin 1359,50 -2,19
Palladium 267,00 -5,32
Öl 104,17 -3,09
von  Betrag 
nach  Ergebnis 
Berechnen
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche

F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2008

Quellen: IS.eFinance Solutions using Deutsche Börse AG, Morningstar und weitere. IS.eFinance Solutions implemented and powered by Interactive Data Managed Solutions AG, ©  1999-2007. Alle Börsendaten werden mit 15 Minuten Verzögerung dargestellt.