Trotz des fallenden Ölpreises

Benzin ist vergleichsweise teuer

Von Kerstin Papon

Teurer Tropfen

Teurer Tropfen

15. August 2008 Der Preis für Rohöl ist in den vergangenen Wochen deutlich gefallen, doch an den Tankstellen ist Benzin noch immer vergleichsweise teuer. Autofahrer machen dafür gerne die in den meisten Bundesländern derzeit noch andauernden Schulferien verantwortlich. Denn gerade in der Reisezeit ist die Nachfrage nach Treibstoff hoch. Dies lässt den Konzernen mehr Preisspielraum als sonst. Gleichwohl macht sich nun der Währungseinfluss und auch der hohe Steueranteil an den Zapfsäulen bemerkbar. Und eigentlich ist der Benzinpreis zeitweise sogar mehr gefallen, als es all diese Faktoren zuließen.

Ein Barrel (rund 159 Liter) der amerikanischen Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) kostete am Donnerstag rund 116 Dollar. Öl ist damit um ein Fünftel günstiger als Mitte Juli, als WTI den Rekordpreis von gut 147 Dollar erreichte. Nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) war Benzin in Deutschland in der ersten Juliwoche mit Spitzenwerten von im Bundesdurchschnitt 1,60 Euro je Liter am teuersten. Aktuell kostet der Liter 1,46 Euro. Der Benzinpreis ist also nur um 9 Prozent zurückgegangen.

Der Einfluss der Wechselkurse

„Diese Diskrepanz zwischen den Preisen hat mehrere Gründe“, sagt Klaus Picard, Hauptgeschäftsführer des MWV. Benzin werde zwar aus Rohöl hergestellt, allerdings handele es sich um verschiedene Märkte, die jeweils durch ein eigenes Angebot und eine eigene Nachfrage bestimmt würden. Ein Beispiel: Als in Amerika wegen des Wirbelsturms Katrina im August 2005 Raffinieren ausfielen, stand der Ölpreis unter Druck, da weniger Rohöl verarbeitet werden konnte. Der Treibstoffpreis stieg allerdings, weil weniger Benzin produziert wurde und es zu Engpässen in der Versorgung kam.

Ein wichtiger Grund für die aktuell so unterschiedliche Preisentwicklung ist der Einfluss der Wechselkurse. Denn Rohöl und andere Rohstoffe werden in Dollar gehandelt. An den Tankstellen begleichen europäische Autofahrer ihre Rechnung jedoch in Euro. Lange federte der starke Euro hierzulande die hohen Rohstoffpreise ab. Doch nun stellt sich der schwächere Euro den gefallenen Rohstoffnotierungen entgegen. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete am Donnerstag rund 1,49 Dollar - ein Wertverlust von 7 Prozent gegenüber dem Rekordhoch von knapp 1,61 Dollar am 15 Juli. „Vor einer Woche war das Barrel der in Deutschland maßgeblichen Ölsorte Brent mit 116 Dollar rund 3 Dollar teurer als derzeit; in Euro gerechnet, kostete es damals wie heute rund 75 Dollar“, erläutert Picard.

Diesel müsste viel günstiger sein

Es gibt einen weiteren Grund für die unterschiedliche Entwicklung der Preise für den Rohstoff und seiner Derivate: Der Preis für Rohöl und die Wechselkursveränderungen des Euro zum Dollar bewegen nur einen Teil des Tankstellenpreises. Je Liter Benzin wird neben der Mehrwertsteuer, die mit 19 Prozent zu Buche schlägt und im Betrag variiert, ein fixer Steuerblock von 65,5 Cent an Mineral- und Ökosteuer erhoben. „Der Steueranteil je Liter Benzin beträgt 60 Prozent“, sagt Picard: „Fällt der Ölpreis um 20 Prozent, würde das unter der Annahme, dass sich dieser Rückgang eins zu eins bei Benzin auswirkt, zu einem um 8 Prozent niedrigeren Tankstellenpreis führen.“

Noch schlimmer als die Autofahrer, die zum Benzinzapfhahn greifen, trifft es die Dieseltanker. Zwar liegt der Preis für einen Liter Diesel wieder unter dem Benzinpreis - im Bundesdurchschnitt rund 7 Cent. Doch Diesel müsste viel günstiger sein. Je Liter Diesel fallen lediglich 47 Cent an Mineralöl- und Ökosteuer an. Der Steueranteil macht hier nur rund die Hälfte aus. Allerdings treibt die auf der ganzen Welt enorm gestiegene Nachfrage nach Diesel den Preis. Das führte dazu, dass dieser Treibstoff vor einigen Wochen in Deutschland an manchen Tankstellen erstmals teurer war als Benzin. Der Höchstpreis im Bundesdurchschnitt wurde Anfang Juli mit 1,55 Euro erreicht, zuletzt kostete der Liter Diesel 1,39 Euro.

Nicht zuletzt verdienen die Ölkonzerne

Die hohen Benzinpreise lassen die deutschen Autofahrer nicht ungerührt: Im Juni ist nach Angaben des MWV die Nachfrage im Vergleich zum Vorjahr überdurchschnittlich um rund 6,5 Prozent gefallen. In den vergangenen Jahren sei ein Rückgang um im Jahresdurchschnitt 5 Prozent üblich gewesen - teils wegen verbesserter Motorentechnik, teils durch den Wechsel zu Dieselfahrzeugen. Daher ist der Preis an den Tankstellen laut Picard zeitweise sogar etwas mehr gefallen als durch den Ölpreisrückgang errechenbar: „Der Wettbewerb der Tankstellen in einem schrumpfenden Markt nimmt zu, dies drückt auf die Preise. Und ohne Steuern gerechnet haben wir deswegen in Deutschland europaweit mit die günstigsten Benzinpreise.“

Nicht zuletzt verdienen die Ölkonzerne. Der jüngste Preisschub von Dienstag auf Mittwoch von 4 Cent habe daran gelegen, dass die Tankstellenpreise nicht mehr margendeckend gewesen seien, heißt es in der Ölbranche. Man setze den Preis immer ein Stück weit höher, weil er durch den Wettbewerb gleich wieder falle.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp

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