Devisenmarkt

Volatilität am Devisenmarkt hält Carry Trader in Atem

22. April 2008 Die internationale Kreditkrise sorgte in den vergangenen Monaten an den Finanzmärkten für allerhand Turbulenzen.

Auch am Devisenmarkt. Wurden mit drastisch reduziertem Risikoappetit zunächst die so genannten Carry Trades abgebaut, so werden sie inzwischen reflexartig immer wieder dann neu belebt, wenn der Optimismus wieder auflebt. Das heißt, in diesen Phasen sind die Anleger dazu bereit, sich in Währungen mit niedrigen Zinsen zu refinanzieren, um die erlösten Mittel an ertragreicheren Märkten anzulegen.

Carry Trades waren in der Vergangenheit lukrativ ...

Solche Strategien machten sich in den vergangenen Jahren zwar hoch bezahlt. Allerdings nur, weil die objektiv bestehenden Risiken von den Anlegern lange Zeit einfach ignoriert wurden. Zudem führten sie zu allerhand Verwerfungen an den Finanzmärkten, die sich unter anderem in Form rasch wachsender Währungsreserven und deutlicher Fehlbewertungen einzelner Wechselkurse zeigen.

So ist der Euro gemessen an theoretischen Bewertungsmodellen wie der Kaufkraftparität deutlich überbewertet. Das gilt nicht nur im Verhältnis mit dem amerikanischen Dollar, sondern insbesondere gegen asiatische Währungen wie den Yuan und den Yen. Die chinesische Währung wertete in den vergangenen Monaten zwar deutlich gegen den Dollar auf.

Allerdings war die Dollarschwäche gleichzeitig so ausgeprägt, dass der Yuan gegen den Euro abwertete. Er befindet sich gegenwärtig mit 11,13 Yuan je Euro nahe an einem Allzeittief gegen die europäische Einheitswährung, obwohl der chinesische Handelsüberschuss mit Europa in den vergangenen Jahren im Trend und deutlich zugenommen hat von sechs Milliarden Dollar zu Beginn des Jahres 2005 auf bis zu 18 Milliarden Dollar in den vergangenen Monaten.

Alleine aufgrund der Handelsströme hätte der Yuan bei freien Wechselkursen gegen den Euro viel deutlicher aufwerten müssen als gegen den Dollar, statt abzuwerten. Längerfristig lassen sich solche Divergenzen nicht halten. Alleine schon die zunehmenden Diskussionen darüber dürften in der Zukunft zu zunehmenden Devisen-Volatilitäten am Devisenmarkt führen können.

... allerdings sind sie in den vergangenen Monaten riskanter geworden

Schon in den vergangenen Monaten haben sie deutlich zugenommen, nachdem sie zuvor im Rahmen des „universellen“ Anlegeroptimismus auf historische Tiefs gefallen waren. So ist der BNP Paribas Proprietary FX Implied Volatility Index in den vergangenen Wochen von einem Tief bei 5,6 auf bis zu 13,4 Prozent gestiegen. Mit 11,3 Prozent liegt er am Dienstag immer noch auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Der Index richtet sich in seiner Währungsgewichtung am Umsatz konventioneller Devisenoptionen der sechs wichtigsten Währungen. Der Index wird quartalsweise aktualisiert.

Das erhöhte Volatilitätsniveau dürfte dazu führen, dass die Carry Trades weniger attraktiv werden. Denn rasche Wechselkursbewegungen in die falsche Richtung können noch so große Zinsdifferenzen oder moderate Kurssteigerungen an den lokalen Börsen ohne weiteres überkompensieren. Das zeigte sich in den vergangenen Monaten an Währungen wie der isländischen Krone, des südafrikanischen Rands oder auch der türkischen Lira.

So ist der Kurs des Euro, ausgedrückt in isländischen Kronen, in den vergangenen Monaten um bis zu 50 Prozent gestiegen und zwischenzeitlich waren bis 37 Prozent mehr südafrikanische Rand nötig, um einen Euro erweben zu können, als zuvor. Aus diesen Gründen dürfte man die Carry Trades und entsprechende Zertifikate mit der notwendigen Skepsis betrachten müssen. So konnte beispielsweise das UBS-G10-Carry-Trade-Indexzertifikat mit der Isin CH0028352638 zwar bis Mitte des vergangenen Jahres zulegen. Seitdem läuft es allerdings richtungslos seitwärts.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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