Inflationssorgen

Isländische Krone, Rand und asiatische Währungen schwach

30. Juni 2008 Hochzins- und die asiatischen Währungen sorgten in den Jahren des Kredit getriebenen Optimismus für die Phantasie der Anleger. Interessant waren hohe Zinsen einerseits und unterbewertete Währungen in Regionen, die stark wachsen und die hohe Handelsbilanzüberschüsse und starke Kapitalzuflüsse verzeichnen. Diese Kombination lässt zumindest unter bestimmten Bedingungen erwarten, dass die entsprechenden Währungen aufwerten.

Allerdings geht diese Rechnung nicht immer auf. Das zeigte sich in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres. Der Rückblick zeigt, dass sich hoch verzinsliche Währungen wie die isländische Krone, der südafrikanische Rand sowie die Währungen Thailands, Südkoreas, Pakistans, Indiens, der Philippinen, Vietnams, Chiles und auch der Türkei gegen den Euro deutlich in der Defensive befanden.

Wie ernsthaft werden inflationäre Tendenzen bekämpft?

Der Grund liegt einerseits in den inflationären Impulsen, die in den vergangenen Monaten zusammen mit der Kreditkrise die Anleger verunsicherten und verunsichern. Auf der anderen Seite stehen die Maßnahmen, die die Zentralbanken und Regierungen der verschiedenen Staaten ergreifen, um wieder ökonomisch geordnete Verhältnisse herzustellen.

Genau diese scheinen in Island, Südafrika, vielen Staaten Asiens und neben anderen wie den baltischen auch in den Vereinigten Staaten hinterfragt zu werden. Die Skepsis lässt sich aus der Beobachtung ableiten, dass die Fiskal- und Geldpolitiken nicht den wirtschaftlichen Entwicklung entsprechen. So helfen die tiefen Zinsen in den Vereinigten Staaten der angeschlagenen Konjunktur kaum, während auf der anderen Seite der Dollar immer schwächer wird. Um sich gegen Währungsverluste zu versichern, kaufen immer mehr Anleger Energie und Rohstoffe nach oben - was wiederum die Inflationsraten beinahe weltweit anheizt.

In vielen Staaten können die Maßnahmen nicht überzeugen, die gegen die inflationäre Entwicklung getroffen werden. Denn erstens sind die offiziellen Inflationsraten nicht selten zu tief, da wesentliche Preise wie die für Energie und Nahrungsmittel staatlich beeinflusst beziehungsweise subventioniert werden. Das gilt zum Beispiel in Indien, Vietnam, China, aber auch vielen Staaten am Persischen Golf. Zweitens sind nicht nur die Leitzinsen zu tief, sondern auch die Währungen werden künstlich tief gehalten. Sei es durch Interventionen oder durch die Bindung an den schwachen amerikanischen Dollar.

Aus diesem Grund schlägt die Dollarschwäche in Importstaaten gleich mehrfach durch: Über die stark steigenden Rohstoffpreise, über die Währung und über administrierte Preise, die Preissignale vom Weltmarkt nicht weitergeben. So bleibt die Nachfrage nach Treibstoffen in vielen Schwellenländern hoch, obwohl sie am Weltmarkt sehr teuer geworden sind.

Aus diesem Grund dürfte es kaum verwundern, wenn Notenbanker aus den Vereinigten Staaten und Europa derzeit den Druck auf ihre Amtskollegen in den Schwellenländern erhöhen, den Kampf gegen die Inflation zu verstärken. In vielen Emerging Markets sei die Geldpolitik zu locker, sodass Bemühungen der etablierten Industrieländer um mehr Preisstabilität zu verpuffen drohten, heißt es.
Der stellvertretende Vorsitzende der amerikanische Notenbank, Donald Kohn, forderte Länder mit starkem Rohstoffbedarf und einer rapide wachsenden gesamtwirtschaftlichen Nachfrage auf, die Gesamtnachfrage zu dämpfen. Dies wäre ein Beitrag zur globalen Preisstabilität, sagte Kohn in einer Rede in Frankfurt.

Im weltweiten Durchschnitt sind die Realzinsen negativ

Der Gouverneur der Bank of England, Mervyn King, nannte die globale Geldpolitik „ein wenig lax“. Vor dem britischen Parlament betonte er, im Kampf gegen die Inflation sei eine Länder überreifende geldpolitische Strategie vonnöten. Christian Noyer, Chef der französischen Notenbank und EZB-Ratsmitglied, forderte zudem mehr Flexibilität bei den Wechselkursen ein. Eine konzertierte Aktion zu diesem Zweck sei im Interesse der Preisstabilität.

Volkswirte der Investmentbank Morgan Stanley haben berechnet, dass etwa ein Viertel der Volkswirtschaften der Welt inzwischen Inflationsraten im zweistelligen Bereich verzeichnen. Fast alle von ihnen gehören zur Gruppe der Emerging Markets. Insgesamt haben die Länder mit rapider Inflation einen Anteil von 42 Prozent an der Weltbevölkerung.

Im weltweiten Durchschnitt seien die Realzinsen inzwischen negativ, warnt Morgan Stanley. Die Investmentbank sieht die globale Inflationsrate bei fünf Prozent, das mittlere Zinsniveau liege bei 4,3 Prozent. Die Notenbanker aus Europa und den Vereinigten Staaten warnen übereinstimmend vor der Politik verschiedener asiatischer Staaten, ihre Wechselkurse an den Dollar zu koppeln. „Eine zu enge Bindung an den Dollar motiviert einige Länder, der amerikanischen Geldpolitik zu folgen, obwohl diese für ihre Konjunkturlage oft überhaupt nicht geeignet ist“, erklärte Noyer im Jahresbericht der französischen Zentralbank. „Dies führt zu drohendem Inflationsdruck, der schwer einzudämmen ist und sich im Rest der Welt auszubreiten droht.“

Insgesamt dürften Währungen und Finanzwerte in jenen Regionen und Staaten in der Defensive bleiben, in welchen der Markt der Eindruck hat, die Zentralbanken und die Regierungen seien nicht willens oder in der Lage, die inflationäre Entwicklung einzudämmen. Die Inflation beschneidet die Kaufkraft der Verbraucher und die Gewinnmargen vieler Unternehmen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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