Devisenmarkt

Tschechische Krone hat Gegenwind

14. August 2008 Die Währung der tschechischen Republik gehörte in den vergangenen Jahren zu den stärksten weltweit. Doch inzwischen hat sie Gegenwind. In den vergangenen drei Wochen wertete sie gegen den Euro knapp sechs Prozent ab auf zuletzt 24,31 Kronen je Euro und gegen den Greenback sogar um knapp 13 Prozent auf zuletzt 16,31 Kronen je Dollar. Gegen den Dollar hat die Krone inzwischen zumindest den steilen, mittelfristigen Aufwertungstrend der vergangenen zwölf Monate durchbrochen.

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Erstens hat sich aufgrund des abnehmenden Handelsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten die Einstellung der Anleger zum Dollar grundlegend geändert. Sie sehen die amerikanische Währung trotz der andauernden Wirtschafts- und Finanzkrise inzwischen positiver als in den vergangenen Jahren.

Zinssenkung trotz negativer Realzinsen

Das hat auch damit zu tun, dass sich die wirtschaftlichen Perspektiven in der restlichen Welt inzwischen eingetrübt haben. So ist das deutsche Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal im Vergleich zum ersten Vierteljahr um 0,5 Prozent geschrumpft. Auch im bisher stark boomenden Tschechien nimmt die Dynamik ab. Dort legte lag das Wachstum im zweiten Quartal noch bei 4,5 Prozent. Das ist der vierte Rückgang in Folge und das geringste Wachstumsniveau seit Juni des Jahres 2004.

In den vergangenen Monaten waren schon die Wachstumsraten der Einzelhandelsumsätze im Trend deutlich zurückgegangen. Der Blick auf die Entwicklung der Inflationsrate erklärt wieso: Steigende Preise beschnitten die Kaufkraft der Verbrauchen. Ende Juli hatte die Inflationsrate noch bei 6,9 Prozent gelegen, nachdem sie zu Beginn des Jahres Spitzenwerte von bis zu 7,5 Prozent erreicht hatte.

Trotz der hohen Inflationsrate hat die tschechische Zentralbank nach einem Zinserhöhungszyklus, in deren Rahmen sie den Leitzins noch im Februar des laufenden Jahres auf 3,75 Prozent geschraubt hatte, zu Beginn der laufenden Monats überraschend eine Zinssenkung auf 3,5 Prozent vollzogen. Das ist angesichts stark negativer Realzinsen riskant. Allerdings scheint sie es darauf anzulegen, die Währung zu schwächen, um auf diese Weise wenigstens die Exportaktivitäten des Landes zu stimulieren.

Setzt die Zentralbank ihre GLaubwürdigkeit aufs Spiel?

Allerdings ist diese Strategie riskant. Erstens ist nicht klar, ob sie angesichts der sich abschwächenden wirtschaftlichen Dynamik in Westeuropa grundsätzlich aufgehen kann. Zweitens trug bisher eine starke Währung zur Dämpfung des Preisauftriebs bei. Dieser Effekt würde sich bei einer Abwertung ins Gegenteil verkehren. Immerhin muss die tschechische Republik den größten Teil der teuren Energie- und Rohstoffe importieren. Auf diese Weise läuft die tschechische Zentralbank in einem Umfeld mit stark steigenden Lohnkosten Gefahr, ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren, sollten an den Weltmärkten die Energie- und Rohstoffpreise nicht deutlicher zurückgehen und tiefer bleiben. In diesem Falle würde die Währung unter Umständen deutlich unter Druck geraten können - ob mit oder ohne Zinssenkungen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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