04. März 2008 Die australische Zentralbank hat am Dienstag den Leitzins zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen um einen Viertelprozentpunkt auf nun 7,25 Prozent erhöht. Statt mit Kursgewinnen reagiert die Währung darauf jedoch mit Kursverlusten.
Der australische Dollar verliert gegen sein amerikanisches Pendant etwas mehr als ein Prozent auf zuletzt 93,04 Cents. Gegen den Euro geht der Kurs kurzfristig sogar um 1,3 Prozent auf 1,6344 australische Dollar je Einheit der europäischen Einheitswährung nach oben.
Zinsvorteil wird durch Erwartungen relativiert
Diese Reaktion mag zunächst ungewöhnlich sein. Immerhin wertete die australische Währung in den vergangenen Jahren gegen den amerikanischen Dollar deutlich und gegen den Euro leicht im Trend auf. Die Währung profitierte vom internationalen Rohstoffboom, der die australische Wirtschaft und indirekt die Börse des Landes zum Kochen brachte, insbesondere jedoch auch vom Zinsvorteil.
Der durch den Terminmarkt implizierte Drei-Monatszins liegt in Australien bei 7,93 Prozent, während er in Europa bei 4,4, in der Schweiz bei 2,77, in den Vereinigten Staaten bei 2,25 und in Japan gar bei 0,75 Prozent liegt. Was lag und liegt also für einen Anleger näher, als sich in Yen, Franken oder neuerdings in amerikanischen Dollar zu verschulden, um die aufgenommenen Gelder nach Australien oder Neuseeland zu transferieren und dort zu investieren?
Solche Strategien haben allerdings einen Haken. Sie gehen nur dann auf, wenn die Währungsentwicklung den Anlegern keinen Strich durch die Rechnung macht. Denn selbst ein hoher Zinsvorsprung von nominal 7,2 Prozent der australischen im Verhältnis zur japanischen Währung ist schnell aufgebraucht, wenn der Yen gegen den australischen Dollar aufwertet. Das zeigt sich daran, dass der Kurs des Yen gegen den australischen Dollar alleine in den vergangenen vier Tagen um 4,3 Prozent auf zuletzt 95,96 Yen je Aussie-Dollar gefallen ist.
Zinserhöhungen könnten zu Ende gehen
Aus diesem Grund spielen am Devisenmarkt die Zinserwartungen eine wesentliche Rolle. Sind keine Zinserhöhungen mehr oder gar Zinssenkungen zu erwarten, so geraten bestehende Währungstrends nicht selten in Gefahr und machen die so genannten Carry Trades - oder das Spiel mit den Zinsdifferenzen - riskanter und damit uninteressanter. Auf diese Weise wird die Nachfrage nach einer Währung gedämpft und der Trendwechsel möglicherweise sogar beschleunigt.
Genau das scheint nun auch in Australien möglich zu sein. Denn die australischen Währungshüter sehen Anzeichen dafür, dass die hohen Zinsen greifen und Verbraucher und Unternehmen ihre Ausgaben zurückfahren. So stagnierte der Einzelhandelsumsatz im Januar überraschend, nachdem er sieben Monate lang gestiegen war. Die Kerninflationsrate, die um die volatilsten Posten aus dem Verbraucherpreisindex bereinigt ist, hat sich im vierten Quartal auf 3,8 Prozent beschleunigt. Sie liegt seit zwei Quartalen über dem Ziel der Notenbank. Sie dürfte kurzfristig relativ hoch bleiben und weiter steigen, bevor sie nächstes Jahr moderater wird, erwartet die Notenbank.
Australischer Wirtschaftsboom scheint abzuflauen
Der seit 16 Jahren andauernde Aufschwung, der auch von den boomenden Rohstoffexporten angeheizt wird, hat die Arbeitslosenquote auf 4,1 Prozent gedrückt, den niedrigsten Wert seit 1974 und die Arbeitsknappheit verschärft, was Löhne und Inflation nach oben treibt. Trotz der starken Rohstoffexporte verbucht das Land jedoch ein massives Handels- und Leistungsbilanzdefizit und lebt damit über seine Verhältnisse. Alleine im vierten Quartal des vergangenen Jahres lag das Leistungsbilanzdefizit bei 19,35 Milliarden Dollar in Landeswährung oder bei 2,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes des gesamten Jahres, das Handelsbilanzdefizit lag bei 6,9 Milliarden Dollar. Beide Zahlen lagen deutlich über den Erwartungen.
Das alleine macht klar, das die Währung unter Druck geraten kann und dürfte, sollten die internationalen Anleger ihre Mittel nicht mehr so stark wie in der Vergangenheit ins Land fließen lassen. Das dürfte dann der Fall sein, wenn die Zinserhöhungsphantasien sich endgültig verflüchtigt oder sich gar in Zinssenkungserwartungen verwandelt haben sollten.
Frühindikatoren signalisieren Wende
Die jüngsten Konjunkturdaten signalisieren schon, dass die höheren Zinsen sowie die Sorge, dass die größten Handelspartner Australiens das schwächere amerikanische Wirtschaftswachstum zu spüren bekommen, die Ausgabefreudigkeit der Verbraucher und Unternehmen dämpfen könnten. Ökonomen rechnen damit, dass sich das australische Wirtschaftswachstum im vierten Quartal auf 0,6 Prozent gegenüber den drei Monaten zuvor abgeschwächt hat, als es noch bei einem Prozent lag. Für das Gesamtjahr beläuft sich das Wirtschaftswachstum voraussichtlich auf 3,8 Prozent.
Ein Index von Frühindikatoren ist im Dezember erstmals seit knapp drei Jahren gesunken, im Januar ist das Geschäftsklima auf den niedrigsten Stand seit den Terroranschlägen vom September 2001 gefallen. Außerdem ist das Verbrauchervertrauen im Februar auf ein 15-Monats-Tief gesunken. Zudem müssen Eigenheimbesitzer für ihre Hypotheken-Rückzahlungen mehr zahlen, nachdem die Commonwealth Bank of Australia nach der letzten Zinserhöhung die Rate für Hypothekenkredite um 30 Basispunkte angehoben hat. Die größten Banken des Landes haben die Zinsen im Januar im Schnitt um 15 Basispunkte erhöht.
Zusammen genommen dürfte das Aufwertungspotential der australischen Währung begrenzt und eine deutliche Kurskorrektur nicht ausgeschlossen sein.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, Goldman Sachs Research, ABS, RBA, ABS, Goldman Sachs Research
