Metalle

Zinn hat den Abwärtstrend durchbrochen

Orgelpfeifen - ästhetische Zinnverwendung

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26. Januar 2006 Zinn war 2004 der große Gewinner an der Londoner Metallbörse (LME), im vergangenen Jahr dagegen ging es steil bergab. Doch einiges scheint dafür zu sprechen, daß das silberweiß glänzende Schwermetall jetzt der Hausse der anderen Metalle nacheifern könnte.

Nach einer jahrelangen Seitwärtsbewegung zwischen 3.500 und 5.500 Dollar je Tonne stieg der Preis im ersten Halbjahr 2004 rasant auf fast 10.000 Dollar an, um dann Stück für Stück bis Ende vergangenen Jahres wieder auf 6.000 Dollar abzubröckeln. Im November drehte sich der Trend dann um, inzwischen scheint der Abwärtstrend durchbrochen. Am Donnerstag notierte das Metall an der LME bei 7.390 Dollar je Tonne.

Das Angebot sinkt tendenziell

Der Grund für den jüngsten Anstieg scheint in einer drohenden Produktionsverknappung zu liegen. Anfang November hat eine Mine in Australien ihre Produktion wegen des niedrigen Zinnpreises und der hohen Energiekosten eingestellt. Einige Tage später trieben Meldungen den Preis, nach denen die indonesische Regierung gegen nicht genehmigte Minen vorgehen möchte. Nach Angaben des Energieministeriums hat der illegale Zinnbergbau 2004 rund 88.000 Tonnen oder 70 Prozent des indonesischen Outputs produziert. Indonesien liefert etwa zwei Fünftel des weltweiten Zinnangebots von jährlich rund 330.000 Tonnen.

Anfang Januar schließlich konnten Arbeiter in Peru nach 32 Tagen Streik höhere Löhne durchsetzen. Ihr Arbeitgeber: Minsur, der weltgrößte Zinnhersteller. All dies ist dem Angebot nicht gerade förderlich, steigende Preise könnten die Folge sein.

In Amalgamen, Pestiziden und Euro-Münzen

Zinn hat sicher auch vom Boom der chinesischen Volkswirtschaft profitiert, denn die Volksrepublik gilt als größter Zinnverbraucher, gefolgt von den Vereinigten Staaten, Japan und Deutschland. In einigen industriellen Anwendungen konnte das Schwermetall in den vergangenen Jahren durch günstigeres Aluminium verdrängt werden. Als Legierungsbestandteil ist es aber nicht so einfach zu ersetzen.

Die bekannteste Anwendung dürfte die Legierung mit Kupfer zu Bronze sein. Wesentlich bedeutender ist aber der Einsatz beim Löten (über ein Drittel des Verbrauchs) und der Weißblechherstellung (knapp ein Drittel). Eingesetzt wird Zinn auch in der Flachglasherstellung, in LCD-Anzeigen und als Stabilisator des Kunststoffs PVC. Zinnverbindungen finden sich außerdem in Amalgamen zur Zahnfüllung und in Pestiziden und Desinfektionsmitteln. Auch Euro-Münzen enthalten das Schwermetall.

Analyst: „Jetzt geht es nach oben“

„Bei Zinn handelt es sich tatsächlich um eine abrupte Trendwende“, sagt Hans-Peter Reichhuber, technischer Analyst der Bayerischen Landesbank, im Gespräch mit FAZ.NET. „Der der bis Mitte 2004 zurückreichende Trend Abwärtstrend ist erst einmal durchbrochen, jetzt geht es nach oben.“ Zinn sei das Metall, das mit Abstand die größte Korrektur hinter sich habe.

Mit einem Kursziel ist Reichhuber vorsichtig. „Eine eindeutige Chartformation hat sich nicht herausgebildet. Mit einiger Phantasie läßt sich eine umgedrehte Schulter-Kopf-Schulter-Formation erkennen, dann würde das Kursziel bei etwa 8.000 bis 8.500 Dollar je Tonne liegen.“ Zinn scheint also einiges Potential nach oben zu haben - zumindest kurzfristig.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @bemi
Bildmaterial: AP, Bloomberg

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