Devisenmarkt

Polens Zloty hat wieder Rückenwind

Zloty-Schein mit Papstbildnis

Zloty-Schein mit Papstbildnis

29. März 2007 In Mittel- und Osteuropa hat sich in den vergangenen Jahres vieles getan. Das lässt sich auch ablesen an der Kursentwicklung der polnischen Währung gegen den Euro und den Dollar ablesen.

Hat er gegen den Dollar bis ins Jahr 2000 hinein abgewertet und ist danach in einen bis heute anhaltenden Aufwertungstrend übergegangen, so stieg der Kurs gegen den Euro von 3,32 Zloty im Juni des Jahres 2001 bis auf 4,9453 im März des Jahres 2004, um danach bis auf 3,89 Zloty im März des vergangenen Jahres aufzuwerten. Seitdem läuft die polnische Währung gegen den Euro seitwärts.

S&P stuft Polens Kreditwürdigkeit nach oben ...

Hintergrund der jüngsten Entwicklung dürften einerseits zwischenzeitliche Korrekturansätze an den internationalen Finanzmärkten ebenso gewesen sein, wie politische „Holprigkeiten“ in Polen selbst in Verbindung mit der Zinserhöhungstendenz in Europa. Leicht erhöhte Risiken mit abnehmendem Zinsvorteil passen jedoch nicht so richtig zusammen.

Am Donnerstag jedoch kann der Zloty sowohl gegen den Euro als auch den Dollar wieder deutlicher zulegen. Gegen den Euro fällt der Kurs um 0,46 Prozent auf 3,8672 Zloty je Euro, gegen die amerikanische Währung geht es um 0,47 Prozent nach unten auf 2,9000 Zloty je Dollar.

Der Grund dafür liegt zum einen in der Verbesserung der Kreditwürdigkeit des Landes durch die Ratingagentur Standard & Poor's in Verbindung mit den Wachstumsaussichten des Landes. S&P stufte die Qualität der langfristigen Anleihen in Fremdwährungen von BBB+ auf A- Minus hoch und jene der kurzfristigen lokalen Papiere von A-/A-2 auf A/A-1. Das Rating der kurzfristigen Fremdwährungsanleihen wurde bei A-2 belassen mit stabilem Ausblick.

... und baut dabei vor allem auf die konjunkturellen Perspektiven

Zum anderen dürfte jedoch auch die wirtschaftliche Entwicklung des Landes eine Rolle spielen. Denn das Wirtschaftswachstum in Polen scheint in den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres deutlich angezogen zu haben - und das in Verbindung mit einer der tiefsten Inflationsraten in Europa. Starke Investitionstätigkeiten und der wiederauflebende Konsum stünden hinter dem positiven Ausblick auf die konjunkturelle Entwicklung des Landes, schreibt S&P. Die Analysten der Ratingagentur gehen davon aus, dass die durchschnittliche Wachstumsrate in den Jahren 2007 bis 2010 bei 5,6 Prozent liegen wird, ohne zu größeren Ungleichgewichten zu führen.

Allerdings werde der Ausblick noch gehemmt durch die unstabile politische Lage im Lande, die durch Skandale und die ständige Drohung mit Neuwahlen gekennzeichnet sei. Notwendige Strukturreformen und die Konsolidierung der Staatsausgaben seien nicht zu erkennen. So sei zu befürchten, dass das Defizit von voraussichtlich 3,5 Prozent nur langsam auf 3,1 Prozent im Jahr 2010 fallen werde. Die Gesamtverschuldung werde bei 49 Prozent des Bruttoinlandsproduktes bleiben.

Ausländische Anleger haben im vergangenen Jahr stark in Polen investiert. Die dürften zusammen mit vielen Polen, die im Rahmen des EU-Beitritts im Westen Arbeit gefunden haben und die Erlöse nachhause transferieren, die Währung unterstützen. Auch die Zinserwartungen spielen eine Rolle. Die Inflationsrate ist zwar lange Zeit unter der magischen Zwei-Prozentmarke der Zentralbank verblieben. Angesichts der gegenwärtigen Wachstumsaussichten des Landes, stark expandierenden Kreditaggregaten und deutlich steigenden Löhnen dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis die Zentralbank sich zu Zinserhöhungen gezwungen sehen könnte. In diesem Sinne dürfte die Währung zumindest unter normalen Verhältnissen gut fundiert sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: AFP, FAZ.NET

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