Rohstoffe

Agrarboom treibt Düngemittelpreise massiv nach oben

11. Februar 2008 Subventionen sind umstritten. Denn es ist alles andere als sicher, dass sie sinnvoll verwendet werden. Immerhin ist und wird der Staat mit seinen Behörden bei der Verteilung involviert. Und woher sollen gerade die wissen, wie der Markt funktioniert und die langfristigen Folgen aussehen?

Das zeigt sich nicht nur am Beispiel Nokias, das einmal mehr zeigte, dass Unternehmen Subventionsgelder oft nur kurzfristig mitnehmen, statt langfristig zu investieren. Noch deutlicher wird es in einer ganz anderen Dimension im Energiebereich. Dort treiben staatliche Subventionen über das Einspeisegesetz nicht nur direkt die Strompreise nach oben, sondern lassen aufgrund falscher Anreize auch ganze Industriezweige „aufblühen“, die sich ansonsten kaum rentieren würden und deren Energiebilanz zweifelhaft ist.

Preise der Agrarrohstoffe haben weiterhin Auftrieb

So etwa das Geschäft mit Biogasanlagen: Zu Beginn des Booms rechnete sich für manchen Landwirt die Investition. Inzwischen geht diese Rechnung jedoch längst nicht mehr auf, da die Kosten massiv gestiegen sind. Die rasch zunehmende Nachfrage nach „Futter“ in Form von Biomasse hat zusammen mit dem wachsenden Bedarf an hochwertigen Nahrungsmitteln die Preise von Mais, Weizen, Soja und anderen Agrarrohstoffen nach oben getrieben. Sie lassen sich zum Teil wechselseitig substituieren und konkurrieren beim Anbau um die Flächen. Aus diesen Gründen hängen die Preise zusammen.

An der Warenterminbörse in Hannover kostet die Tonne Weizen inzwischen 285 Euro. Das ist der höchste Stand aller Zeiten. Aufgrund der geringsten Reserven - sie liegen nach einer Prognose des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums 40 Prozent unter dem Vorjahresniveau und auf dem tiefsten Stand seit dem Jahr 1948 - sind weitere Preissteigerungen wahrscheinlich. Längst macht sich das weltweit bei der Berechung der unterschiedlichsten Inflationsraten in Form anziehender Lebensmittelpreise bemerkbar.

Auf diese Weise wird auf der einen Seite die Kaufkraft der Konsumenten eingeschränkt. Auf der anderen Seite verändern sich rasch die betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Agrar-, Bioenergie- und Nahrungsmittelbereich. Nicht alle werden belastet. Es gibt Sektoren, die von der Entwicklung in Form von Mitnahmeeffekten profitieren. Dazu zählen Hersteller und Handel, soweit sie ihre Margen überproportional erhöht haben. Bäckereien zum Beispiel haben ihre Preise deutlich angehoben, obwohl Agrarrohstoffe nur einen Bruchteil der Kostenbasis darstellen.

Düngemittelunternehmen können davon profitieren

Am meisten jedoch profitieren die Düngemittelhersteller weltweit. Sie verzeichnen eine starke und zunehmende Nachfrage nach ihren Produkten, die das Resultat der hohen Preise von Agrarrohstoffen und entsprechender Produktionsanreize sind. Auf Basis dieser Konstellation konnten und können Unternehmen wie Mosaic, K+S, Yara und andere in den vergangenen Monaten und wohl auch in der weiteren Zukunft den Mengenabsatz erhöhen und gleichzeitig auch noch die Preise steigern. Nach Informationen von Yara International haben sich die Düngemittelpreise alleine in den vergangenen sechs Monaten verdoppelt.

So dürfte es kaum verwundern, dass die Aktien der börsennotierten Unternehmen in den vergangenen Jahren satte Kursgewinne verbuchen konnten. Selbst danach sind einzelne Werte noch vergleichsweise günstig zu haben. So liegen die Kurs-Gewinn-Verhältnisse der Papiere von Yara International auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr bei knapp 16 und 12,6. Das gibt der Aktie in Verbindung mit dem anhaltenden Aufwärtstrend noch gewisse Reize.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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