19. November 2007 In der Theorie gibt es gute Argumente für feste als auch für flexible Wechselkurse. In der Praxis jedoch lassen sie sich kaum umsetzen. Führen spekulative Attacken immer wieder zum so genannten Überschießen der flexiblen Wechselkurse zwischen zwei Wirtschaftsräumen mit unterschiedlichen Währungen, so lassen sich andererseits feste Wechselkurse nur dann halten, wenn sich die relevanten makroökonomischen Indikatoren parallel entwickeln.
Diese Annahme jedoch ist unrealistisch. Das zeigt sich an den Problemen, mit denen gegenwärtig Staaten und Regionen konfrontiert werden, die ihre Währung fest oder eng an den schwächelnden Dollar gebunden haben. Auf diese Weise stellen sie zwar sicher, dass die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Unternehmen nicht über adverse Währungsbewegungen abnimmt.
Interventionen zur Stabilisierung des Wechselkurses führen zu Inflationsproblemen
Auf der anderen Seite sind die Handelsüberschussstaaten zu Interventionen zur Stabilisierung des Wechselkurses gezwungen, die wiederum das Geldangebot im Binnenmarkt aufblähen und auf diese Weise zu inflationären Problemen führen. Diese zeigten sich in den vergangenen Monaten zum Beispiel in China in Form stark steigender Aktien- und Immobilienpreise. Gleichzeitig zieht auch die konventionelle Inflationsrate deutlich an.
Die Problematik zeigt sich nicht nur in China, sondern auch in den Staaten am Persischen Golf. Dort geht die Inflationsrate in Saudi Arabien auch offiziell durch die Decke, obwohl sie durch administrierte Preise mancher Produkte künstlich gedämpft wird. Dagegen scheint der Inflationsdruck in Kuwait inzwischen abgenommen zu haben, nachdem der kleine Staat die Bindung des Dinar an den Dollar gelockert hat.
Längst spekuliert der Devisenmarkt darauf, dass neben Kuwait auch andere Staaten des Nahen Ostens bald die Anbindung ihrer Währungen an den Dollar lockern werden. Der Blick auf den Terminmarkt macht deutlich, wie ausgeprägt die Spekulationen insbesondere auf die Aufwertung des saudischen Rial sind. Da helfen auch Dementis wenig. Ich hoffe, allen ist klar, dass wir nicht die Absicht haben, den Wechselkurs des Rial zu erhöhen, sagte Ibahim Al Assaf der Zeitung Al Watan, wie die Nachrichtenagentur Zawya Dow Jones am Montag berichtet. Er könne jedoch nicht für den gesamten Golfkooperationsrat (GCC) sprechen. Die Staatschefs der sechs im GCC vertretenen Länder wollen sich in der kommenden Woche in Doha treffen, um über verschiedene Strategien im Umgang mit dem schwachen Dollar zu diskutieren.
Treibt eine Abkoppelung der arabischen Währungen den Euro gegen den Dollar weiter nach oben?
Die Tatsache, dass die Dollar-Anbindung überhaupt zur Debatte steht, zeigt das Ausmaß der Dollar-Schwäche und die nachlassende politische und wirtschaftliche Dominanz der Vereinigten Staaten. Ende Juni des laufenden Jahres wurden nur noch 64,8 Prozent der weltweiten Reserven in Dollar gehalten, verglichen mit 72,6 Prozent im Jahr 2001, geht aus Daten des internationalen Währungsfonds hervor. Es spiegelt aber auch den gestiegenen Reichtum und die größere Macht der Golf-Staaten wider, die 22,2 Prozent des weltweiten Erdöls fördern.
Sollte der Golf-Kooperationsrat die Koppelung an den Dollar lockern, hätten die Ölproduzenten weniger Grund, ihre Erlöse wieder in Dollar anzulegen. Die Ölstaaten kauften in den vergangenen Jahren viele amerikanische Wertpapiere. Allerdings kam es in den vergangenen Monaten bei diesen Käufen zu erheblichen Umschichtungen. So wurden immer weniger amerikanische Staatsanleihen erworben, während die Käufe von Unternehmensanleihen zunahmen. In jüngster Zeit präferierten die Anleger kurz laufende Wertpapiere.
Staatliche Institutionen und Privatpersonen würden wahrscheinlich Kapital aus Dollar-Anlagen abziehen und in andere Währungen investieren, heißt es von Expertenseite mit Blick auf eine mögliche Abkoppelung der arabischen Währungen vom Dollar. Genau das könnte den Euro gegen den Dollar noch weiter nach oben treiben, obwohl er schon überbewertet ist und obwohl Währungen wie der Yen und der Yuan deutlich unterbewertet sind. Aus Liquiditätsgesichtspunkten ist die europäische Einheitswährung eine der wenigen Alternativen zum Dollar.
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Text: @cri
Bildmaterial: BNP Paribas FX Strategy, Daten: US-Treasury, FAZ.NET