Devisen

Rußland gewichtet den Euro höher

02. August 2005 Nach einem ausgeprägten Dollarpessimismus bis zum Ende des vergangenen Jahres drehte sich die Stimmung und verwandelte sich zwischenzeitlich in einen starken Optimismus. Das „starke Wachstum“ in Amerika und der steigende Leitzins würden ihn sogar noch weiter nach oben treiben, heißt es immer wieder.

Allerdings werden dabei verschiedene Probleme ausgeklammert. Unter anderem sind das die makroökonomischen Ungleichgewichte. Sie leiten sich vor allem aus dem amerikanischen Konsum- und Importwahn ab, der in den Staaten mit Exportüberschüssen zu einem Anschwellen der Dollarreserven führt.

Zu hohe Devisenreserven sind ungeschickt

Zu hohe Devisenreserven sind jedoch nicht sonderlich interessant für ein Land. Denn sie führen nicht nur zu Verzerrungen - wie zum Beispiel zu einer hohen Liquiditätsversorgung -, sondern auch zu Währungs- und Zinsrisiken. Gleichzeitig ließe sich das auf diese Weise gebundene Kapital oft auch besser verwenden.

So dürfte es kaum verwundern, wenn solche Länder dazu übergehen, die Reserven anders als bisher zu nutzen. China scheint in diese Richtung zu gehen und unter anderem auf Rohstoffe und neuerdings auf einen nicht näher spezifizierten Währungskorb statt den Dollar zu setzen. Aber auch die arabischen Staaten und Rußland scheinen ähnlich zu denken.

So hat die russische Zentralbank die Gewichtung des Euro im Währungskorb, mit dem der Rubelkurs festgelegt wird, erhöht. Die Zentralbank hob den Anteil der Gemeinschaftswährung von 0,30 Euro auf 0,35 Euro an, während die Dollar-Gewichtung von 0,70 Dollar auf 0,65 Dollar reduziert wurde. Die Veränderungen traten am Montag in Kraft. Zuletzt hatte die Zentralbank am 17. Mai die Zusammensetzung des Korbes angepaßt.

Anfang dieses Jahres begann die russische Zentralbank, den Rubelkurs gegen einen Mix aus Dollar und Euro festzulegen und hob die Gewichtung des Euro schrittweise an. Sie verfolgt damit das Ziel, den täglichen Handel an die langfristigen Wechselkursziele anzupassen. Diese werden gegenüber einem anderen Korb von Währungen der wichtigsten Handelspartner des Landes jährlich festgesetzt.

„Diversifikationstrend“ - nicht nur in Rußland

Rußland profitiert vor allem vom Öl- und Rohstoffboom und erzielt deutliche Überschüsse im Außenhandel. Das hat dazu geführt, daß das Land, das noch vor etwas mehr als sieben Jahren seine Anleihen nicht bedienen konnte, über starke Finanzreserven verfügt. Es kann es sich sogar leisten, Teile der noch ausstehenden Papiere vorzeitig abzulösen. Gleichzeitig muß die Zentralbank des Landes am Devisenmarkt ständig intervenieren, um den Rubel nicht zu schnell und zu deutlich, sondern nur schrittweise aufwerten zu lassen. Auf diese Weise können die Unternehmen des Landes möglichst lange vom schwachen Rubel profitieren.

„Die Zentralbank hat die Euro-Gewichtung in diesem Jahr stetig angehoben“, erläuterte Koon Chow, Stratege bei Credit Suisse First Boston in London der Nachrichtenagentur Bloomberg. Er geht davon aus, daß eine 50-50-Gewichtung anvisiert wird. „Die häufigen Änderungen erschweren es, die Ziele der Zentralbank für einen Wechselkurs vorherzusagen. Und genau das will sie auch.“

Der Dollar ist nach wie vor die bevorzugte Auslandswährung in Rußland, sowohl für Zahlungstransaktionen, als auch für private Spareinlagen, da die wichtigsten Exportgüter des Landes, Öl und Gas, in Dollar gehandelt werden. Der Euro hat jedoch an Popularität gewonnen, nachdem der Handel mit Europa zugenommen hat. Außerdem hat sich nach sieben Jahren in Folge mit Wirtschaftswachstum der Lebensstandard der Russen verbessert und sie verreisen mehr.

Die russische Umorientierung zu Gunsten des Euros mag alleine betrachtet nicht sonderlich beeindrucken. Allerdings scheint sich unter den verschiedenen „Dollarempfänger-Ländern“ so etwas wie ein Trend weg vom Dollar abzuzeichnen. Das dürfte - abgesehen von kurzfristigen spekulativen Trends - kein sonderlich positives Zeichen für den Greenback sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @ri
Bildmaterial: Bloomberg

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