Energie- und Rohstoffe

Argumente für eine stärkere Regulierung der Rohstoffmärkte

27. Mai 2008 Der Preisauftrieb an den Terminmärkten für Energie und Rohstoffe in den vergangenen Jahren ist phänomenal. Das gilt vor allem auch für den Ölpreis, der sich am Dienstag mit 133 Dollar je Barrel Rohöl zumindest nominal nahe an einem Allzeithoch befindet.

Da die Terminmärkte als Maßstab für die Preisentwicklung an den physischen Märkten genommen werden, zahlen viele die Zeche, zum Beispiel die Autofahrer an der Zapfsäule. Auf der anderen Seite können Rohstoffanbieter und Anleger, die rechtzeitig auf den Trend gesetzt haben, von der Entwicklung profitieren.

In erster Linie Index-Anleger verantwortlich?

Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass mit Michael Masters ausgerechnet ein unabhängiger Hedge-Fonds-Manager vor dem amerikanischen Senat die These vertrat, in erster Linie seien so genannte Index-Anleger für den Preisauftrieb verantwortlich - und nicht so sehr die starke Nachfrage von fundamentaler Seite, wie immer wieder gerne argumentiert wird (siehe auch Testimony of Michael Masters (pdf)).

An den Rohstoffmärkten habe es immer schon Spekulanten gegeben. Im Unterschied zu früher hätten in den vergangenen Jahren jedoch institutionelle Anleger auf der Suche nach unkorrelierten Vermögenswerten begonnen, in größerem Stil Gelder in die Rohstoffmärkte zu kanalisieren. Sie erwürben Terminkontrakte und hielten diese in Erwartung steigender Preise, wie sie das zuvor mit Aktien und Anleihen taten.

Eine Analyse zeige, dass die auf diese Weise investierten Mittel Ende März des laufenden Jahres rund 260 Milliarden Dollar betragen hätten, während noch Ende des Jahres 2003 gerade einmal 13 Milliarden Dollar auf diese Weise angelegt worden seien.

Nachfragewachstum fast so groß wie das Chinas

Um die Relationen klar zu machen, bezieht sich Masters auf den Ölmarkt. Der Preis des „schwarzen Goldes“ werde von der starken Nachfrage aus China getrieben, heiße es. Tatsächlich habe diese Nachfrage in den vergangenen fünf Jahre von 1,88 auf 2,8 Milliarden Barrel um 920 Millionen Barrel zugenommen. Gleichzeitig jedoch sei die Nachfrage über die Futures-Märkte um 848 Millionen Barrel gestiegen. Das heißt, das Nachfragewachstum, das von den Indexinvestoren an den Terminmärkten ausgehe, sei beinahe so groß wie das von China ausgehende.

Tatsächlich hätten Indexanleger in den vergangenen fünf Jahren über die Terminmärkte einen Gegenwert von rund 1,1 Milliarden Barrel angehäuft. Das heißt, sie hätten eine Menge von der achtfachen Größe der strategischen Ölreserven der Vereinigten Staaten auf Halde gelegt.

Ähnliches gelte für den Nahrungsmittelbereich. Indexanleger hätten in den vergangenen fünf Jahren rund zwei Milliarden Scheffel Mais erworben. Diese Menge reiche theoretisch aus, um die gesamte Kapazität der amerikanischen Äthanol-Industrie für ein Jahr auszulasten. Bei Weizen reichten die Positionen aus, um jeden Amerikaner für zwei Jahre mit Pasta, Brot und anderen gebackenen Produkten versorgen zu können.

Indexanleger sind keine traditionellen Spekulanten - kein Vorteil für die Terminmärkte

Im Unterschied zu traditionellen Spekulanten sorgten Index-Anleger nicht für zusätzliche Liquidität an den Terminmärkten. Da sie ihre Terminpositionen erwürben und nicht mehr verkauften, sondern verlängerten, schrumpfe die Liquidität sogar. Das allein sei schon problematisch, doch dazu komme der Umstand, dass die Nachfrage von dieser Seite immer stärker werde, je deutlicher die Preise stiegen, so dass sich die Entwicklung selbst verstärkt. Dieser Effekt lasse sich leicht erklären, da die Warenterminmärkte im Vergleich mit den Kapitalmärkten klein seien.

Indexanleger seien kein Vorteil für die Terminmärkte. Indem sie knappe Güter in großem Stile aufkauften und in Hoffung auf weiter steigende Preise horteten, bürdeten sie der Gesellschaft hohe Kosten auf, erklärt Masters weiter. Insgesamt sei verwunderlich, dass der Preisauftrieb von Energie und Rohstoffen nicht längst zu Wutausbrüchen und Protesten geführt habe.

Regulierungsvorschläge

Im Fazit schlug und schlägt Masters dem amerikanischen Kongress drei Schritte vor, die die von ihm als Index-Spekulation bezeichneten Strategien unterbinden sollten.

Erstens sollte er regulierten Pensionsfonds verbieten, in die Rohstoffmärkte zu investieren. Denn sie dienten dem öffentlichen Wohle - und das werde durch den angerichteten Schaden für die Terminmärkte und durch den Preisauftrieb allgemein konterkariert.

Zweitens solle der Gesetzgeber dafür sorgen, dass Indexanleger und damit die Banken der Wall Street Positionsbeschränkungen nicht durch unregulierte Swap-Vereinbarungen umgehen können. Auf diese Weise würden die Möglichkeiten zur unbegrenzten Spekulation eingeschränkt.

Drittens solle die CFTC, die Regulierungsbehörde für den Rohstoffhandel, dafür sorgen, dass man an den Rohstoffterminmärkten klar zwischen spekulativen und zu Absicherungszwecken eingegangenen Positionen unterscheiden könne.

Sollte die Integrität der Terminmärkte nicht wieder hergestellt werden, könnten die Energie- und Rohstoffpreise weiter nach oben getrieben werden. Im anderen Falle bestehe dagegen die Wahrscheinlichkeit, dass sowohl Nahrungsmittel- als auch Energiepreise deutlich fallen würden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.



Text: @cri
Bildmaterial: F.A.Z., F.A.Z., Masters, Bloomberg, CFTC Commitments of Traders CIT Supplement

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