Rohstoffe

Vieles spricht für mittelfristig neue Rekorde beim Goldpreis

11. Mai 2007 Nach einer langen Talfahrt befindet sich der Goldpreis seit dem Jahr 2001 im Aufwind. Im Jahr 2006 wurde die Aufwärtsbewegung zwar in Form einer schärferen Korrektur unterbrochen. Aber diese war nach den zuvor eingefahrenen Preisaufschlägen zu erwarten und angebracht. Inzwischen hat die Notiz aber längst wieder den Aufwärtstrend aufgenommen. Seit dem am 6. Oktober markierten Zwischentief bei 560,75 Dollar je Feinunze hat der Goldpreis bei aktuell 673,50 Dollar mittlerweile schon um knapp 30 Prozent zugelegt.

Ein Blick auf die Ausgangslage in dem Sektor lässt zudem mittelfristig weiter steigende Notierungen erwarten (siehe Grafiken). Dafür sprechen unter anderem die Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage. So wird die Minenproduktion wohl noch bis 2009 sinken und danach bestenfalls stagnieren. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach Gold, sowohl von Seiten der Industrie als auch als von Investorenseite, voraussichtlich auch weiterhin sehr robust.

Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage, die noch durch wahrscheinlich nach dem Jahr 2009 nachlassende Verkäufe von Seiten der Notenbanken größer werden dürfte (die Zentralbanken in Russland, China, Südafrika und Argentinien sind sogar bereits schon auf die Käuferseite gewechselt), lässt sich vermutlich nur über steigende Preise schließen. Dafür sprechen auch die weiterhin steigenden Produktionskosten.

Inflationsbereinigt hat der Goldpreis noch sehr viel Nachholbedarf

Zu diesem Schluss kommen auch die Analysten der österreichischen Erste Bank in einer ausführlichen Studie. Als erstes Kursziel für den Goldpreis werden darin 730 Dollar anvisiert. Und mittelfristig wird dann sogar mit einem Überwinden des noch vom 27. Januar 1980 stammenden Rekordhochs bei 875 Dollar je Feinunze gerechnet. Als charttechnische Unterstützungen werden die Marken 640, 615 und 560 Dollar bezeichnet. Nur wenn diese Niveaus entscheidend unterschritten würden, sei dies als eine Trendumkehr und ein Ende der aktuelle Goldrallye zu werten, so die Erste Bank.

Beim Blick auf den langfristigen Chart lässt sich der Eindruck gewinnen, der Anstieg ausgehend vom Tief bei 255 Dollar im Jahr 2001 bis auf das Vorjahreshoch von 730 Dollar stelle bereits eine Übertreibung dar. Betrachtet man indes die inflationsbereinigte Entwicklung , so kann daran gemessen von Euphorie noch keine Rede sein, höchstens von einer Umkehr des zuvor existierenden Abwärtstrends. Als Gold in den siebziger und achtizger Jahren um 875 Dollar gehandelt wurde, belief sich das durchschnittliche Einkommen amerikanischer Haushalte auf 17.000 Dollar im Jahr. Inzwischen liegt der Durchschnittslohn deutlich höher, während der Goldpreis inflationsbereinigt noch immer um rund 160 Prozent unter seinen Höchstständen notiert.

Investment in Goldaktien relativ riskant

Wer an eine anhaltende Erholung des Goldpreises glaubt, dem stehen verschiedene Investmentmöglichkeiten offen. Neben dem Kauf von physischem Gold spricht sich die Erste Bank für die so genannten Exchange Traded Funds auf Gold als eine billige Alternative aus. Auch die Indizes auf ungehedgte Goldproduzenten, wie der Amex Gold Bugs Index, würden enorm von steigenden Goldpreisen profitieren.

Zur Option, direkt auf Aktien einzelner Goldproduzenten zu wetten, wird dagegen kritisch angemerkt, dass diese einen weitaus spekulativeren Charakter hätten und auch ungefähr drei Mal so hohe Kursausschläge aufwiesen wie die Feinunze Gold selbst. Deshalb wird dazu geraten, auf eine zu starke Gewichtung von einzelnen Goldaktien im Depot zu verzichten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @JüB
Bildmaterial: Bloomberg, FAZ.NET, GFMS, Bloomberg

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