Industriemetalle

Der Aluminiumpreis bleibt tief

Kein Mangel an Alu

Kein Mangel an Alu

09. Juli 2009 Die Industriemetalle haben in den vergangenen Jahren die Achterbahnfahrt im Energie- und Rohstoffbereich mitgemacht. Erst liefen die Preise im Rahmen des allgemeinen Wirtschafts- und Spekulationsbooms nach oben, danach kam wegen der Kredit- und Wirtschaftskrise der Kater in Form massiver Preisrückschläge.

Das gilt auch für den Preis von Aluminium. Er stieg an der London Metall Exchange vom Oktober des Jahres 2002 bis in den Juli des vergangenen Jahres um knapp 160 Prozent auf bis zu 3.317 Dollar je Tonne, bevor er innerhalb weniger Monate zurückfiel auf bis zu 1.288 Dollar im Februar des laufenden Jahres. Inzwischen hat er sich davon zwar leicht erholt. Immerhin lag der Preis am Mittwoch bei 1.550 Dollar je Tonne.

Lagerbestände auf dem höchsten Stand seit Jahrzehnten

Allerdings entwickelte sich der Aluminiumpreis in den vergangenen Wochen im Vergleich mit anderen Metallen nur unterdurchschnittlich. Und das aus gutem Grund. Denn die Lagerbestände der Terminbörsen befinden sich mit knapp 4,4 Millionen Tonnen auf dem höchsten Stand seit Jahrzehnten.

Die Aluminiumproduktionsunternehmen haben zwar auf die Wirtschafts- und Finanzkrise reagiert, indem sie die Produktion massiv senkten. Nach Informationen des Internationalen Aluminiuminstituts ist sie in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres im Vergleich mit dem Vorjahr um 7,7 Prozent auf 9,86 Millionen Tonnen gefallen. Im Mai wurden noch 1,97 Millionen Tonnen produziert, nachdem im August des vergangenen Jahres eine Spitzenmenge von knapp 2,2 Millionen Tonnen erzeugt worden war.

Der Produktionsrückgang kann angesichts der schwachen Entwicklung im Automobilsektor weltweit und in vielen Immobilienmärkten sowie den damit verbundenen Zulieferindustrien kaum überraschen. Die beiden Bereiche sind für mehr als 60 Prozent der globalen Nachfrage verantwortlich und werden sich - abgesehen von vorübergehenden Nachfrageeffekten von subventionierten Autoverkäufen - voraussichtlich nicht allzu rasch erholen können.

Verhaltene Nachfrage - tendenziell zunehmende Kapazitäten

Auf der anderen Seite waren die Produktionskapazitäten in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebaut worden. Ende des vergangenen Jahres lag die globale Produktionskapazität nach Informationen der USGS mit 44,3 Millionen Tonnen 3,7 Prozent über der des Vorjahres. China hat sie um rund sieben Prozent gesteigert auf 15 Millionen Tonnen. Das Land ist weltweit mit Abstand der größte Produzent, gefolgt von Russland, den Vereinigten Staaten, Indien, Kanada und Norwegen. Während Norwegen seine Kapazitäten eher reduziert, befindet sich die indische Industrie auf Expansionskurs.

Die Kombination zwischen vergleichsweise hohen Kapazitäten, verhaltener Nachfrage, niedrigeren Energiepreisen als in der Vergangenheit und weiteren angedachten Projekten in der Golfregion wird nach Ansicht von Experten den Aluminiumpreis bis auf weiteres vergleichsweise tief halten. Eine Studie der The Economist Group geht beispielsweise davon aus, dass der Preis im kommen Jahr auf durchschnittlich 1.470 Dollar je Tonne fallen wird.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, REUTERS

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