Rohstoffe

Der Uranpreis hat abgehoben

Uranmine in Australien

Uranmine in Australien

31. Oktober 2006 Sorgte der Rohstoffboom der vergangenen Jahre für Furore, so zeigt sich diese in ausgeprägter Form an der Entwicklung des Uranpreises. Denn der ist förmlich in die Vertikale übergegangen.

Im Hintergrund stehen die höheren Energiepreise generell, insbesondere jedoch die Endlichkeit des leicht und kostengünstig erschließ-, förder- und verwendbaren fossilen Brennstoffes Öl. Sollte der Ölpreis aufgrund der anhaltenden Nachfrage hoch bleiben, werden andere Energiequellen wettbewerbsfähig. Angefangen bei der Umwandlung nachwachsender Rohstoffe in Energie über die Umwandlung von Kohle, der Reinigung reichlich vorkommender Ölsände bis hin zur Stromproduktion mittels Kernenergie.

Kernenergie vor der Renaissance?

Auf dieser Basis scheint die Kernenergie direkt oder indirekt wieder eine Renaissance zu erleben. Denn nicht nur rasch wachsende Staaten wie China, Indien oder Rußland planen neue Reaktoren, sondern selbst in Kanada wird darüber nachgedacht, den Energiebedarf für die Aufbereitung der Ölsände über die Kernenergie zu decken. Das heißt, die Nachfrage nach Uran nimmt zu.

Auf der anderen Seite ist in die Suche und Förderung lange Zeit wenig bis nichts investiert worden. Aus diesem Grund scheint der Preis unter anderem auch von „Nachschubsorgen“ getrieben zu werden. Alleine in der vergangenen Woche legte er nach einer Beobachtung von Ux Consulting um sieben Prozent zu auf 60 Dollar je Pfund. Der stärkste Preisanstieg seit mindestens 20 Jahren beruht auf Nachrichten vom weltgrößten Uranförderer Cameco. Das Unternehmen warnte am 23. Oktober, ein neues Bergwerk in der kanadischen Provinz Saskatchewan werde erst mit einem Jahr Verspätung das erste Erz fördern. In der Mine habe ein Erdrutsch einen unterirdischen Wassereinbruch bewirkt.

Durch die Verzögerung fehlen nach Analystenangaben am Markt sieben bis acht Millionen Tonnen Uran, die anderweitig beschafft werden müssen. Letztendlich soll die Cameco-Mine in Saskatchewan jährlich 18 Millionen Tonnen Uran fördern. Der Uranpreis hat sich seit Oktober des Jahres 2001 mehr als versechsfacht. In den vergangenen zwölf Monaten stieg er im Spothandel um 80 Prozent. Immer mehr Marktteilnehmer spekulieren, daß die wachsende Kernkraftindustrie künftig mehr Uran verbrauchen könnte, als am Markt angeboten wird.

Weltweit werden zurzeit 28 neue Reaktoren gebaut, 62 befinden sich in der Planung. Nach Angaben des Kernkraft-Weltverbands (WNA) wurden im vergangenen Jahr 16 Prozent des weltweit erzeugten Stroms in 440 Atomkraftwerken generiert. Angesichts der steigenden Nachfrage nach dem radioaktiven Uran scheinen weitere Preisanstiege vorprogrammiert. „Wer beim aktuellen Preisniveau verkauft, wird in den nächsten Wochen stark enttäuscht sein“, sagte Stratege Kevin Bambrough von Sprott Asset Management in Toronto der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Der Preis wird steigen.“

Spekulation auf Uranaktien ist möglich, allerdings nicht risikolos

In der letzten Rekordrally habe sich Uran im Mai 1978 bis auf 43,40 Dollar je Pfund verteuert, erinnert sich Thomas Neff, Nuklearexperte am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge. Inflationsbereinigt würde dies einem Preis von etwa 112 Dollar je Pfund entsprechen. Ob er allerdings mit der gegenwärtigen Dynamik weiter nach oben laufen wird, dürfte sich erst noch zeigen müssen. Denn erstens können Reserven auf den Markt kommen, zweitens mischen seit einigen Monaten auch Fonds und Hedge-Fonds bei der Preisentwicklung aus spekulativen Überlegungen mit. Sie werden irgendwann auch wieder verkaufen wollen.

Wer als Anleger von der Preisentwicklung bei Uran setzen möchte hat die Möglichkeit, auf einen in Toronto unter der Isin CA9170171057 gelisteten Uran ETF und direkt oder indirekt auf die Uranförderungs- und -verarbeitungsunternehmen zu setzen. Dazu zählen Unternehmen wie Cameco, Energy Resources Australia, SXR Uranium One, Uex, Urasia, Usec, Paladin Resources, Denison Mines (verwaltet unter anderem den Uran ETF), Areva oder weniger ausgeprägt auch die Minenriesen BHP Billiton und Rio Tinto. Diese Unternehmen sind denn auch in Uran-Basket-Zertifikaten enthalten, die Merrill Lynch unter der Isin DE000ML0BDN5 und UBS unter der Isin CH0025274710 anbieten.

Bei den Einzelwerten dürfte man genauer hinblicken müssen. Denn mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 44,7 und 24,3 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr scheint die Aktie von Cameco kein ausgeprägtes Schnäppchen mehr zu sein. Auch der Chart zeigt gewisse Konsolidierungsanzeichen. Gerade Minenunternehmen bergen außerdem relativ hohe operative Risiken, die sich unter anderem in Form steigender Kosten, von Streiks und anderen „Unannehmlichkeiten“ zeigen können.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: AFP, FAZ.NET, uxc.com

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