Energie & Rohstoffe

Der Preis für Rohöl ist wieder auf Rekordjagd

Hier läuft der teure Nachschub

Hier läuft der teure Nachschub

15. Februar 2008 Der Preis für Rohöl ist wieder einmal im Aufwind. Seit einer Woche sind die Notierungen für die in New York auf Termin gehandelte Sorte West Texas Intermediate (WTI) in der Spitze um rund 10 Prozent auf zuletzt 96 Dollar je Barrel (159 Liter) gestiegen.

Dies ist keine Tendenzwende. Vielmehr bewegen sich die Notierungen jetzt nur im oberen Bereich einer Spanne, die sich seit Anfang November zwischen etwa 86 und dem Rekord von 100 Dollar gebildet hat. Der Anstieg scheint jedoch als Tendenzwende wahrgenommen zu werden, weil sich in der Öffentlichkeit zuletzt der Eindruck durchgesetzt hatte, die sich verschlechternden Aussichten für die Weltwirtschaft ließen den Ölpreis sinken.

IEA-Prognose: Ölnachfrage wird weniger stark zunehmen als erwartet

Gefördert wurde diese Vorstellung von einem dieser Tage erschienenen Ausblick der Internationalen Energie-Agentur (IEA). Darin heißt es, die weltweite Nachfrage nach Rohöl werde in diesem Jahr wesentlich geringer zunehmen, als es bisher vermutet worden sei. Als Grund wird ein schwächeres Wirtschaftswachstum in Amerika, Europa, Japan und Südkorea angegeben. Entgegen vielerorts geäußerten Prognosen sieht die IEA, die zur Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gehört, nach wie vor robustes Wachstum in China, aber auch im Mittleren Osten. Auf beide Regionen sollen knapp 70 Prozent des geschätzten Verbrauchswachstums in der Welt entfallen. Die Agentur hat aber auch berichtet, dass sich die Ölvorräte in den Industrieländern gegenwärtig auf dem niedrigsten Niveau seit Dezember 2004 befinden und dass das Gesamtangebot relativ knapp sei.

Aus den Darlegungen der IEA wurde geschlossen, dass der Druck auf die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), die Förderung zu erhöhen, schwinde. Neben anderen hatten jüngst die sieben führenden Industrieländer (G 7) in Tokio die Opec und andere Produzenten gedrängt, mehr Öl anzubieten, um über fallende Preise die Weltwirtschaft zu stützen. Das Kartell wird sich am 5. März in Wien versammeln, um über die Versorgungslage zu beraten. Als sich der Ölpreis noch im unteren Bereich des oben genannten Bandes befand, kursierten Vermutungen, nach denen die Opec die Förderung sogar kürzen könnte, um den Markt zu stabilisieren.

Rückgang des Benzinverbrauchs in den Vereinigten Staaten

Bei allen Mutmaßungen über die künftige Entwicklung der Weltwirtschaft und des Ölpreises kann zu diesem Zeitpunkt nur zweifelsfrei festgestellt werden, dass sich die Konjunktur in Amerika auf Talfahrt befindet. Dies scheint sich bereits in einem kräftigen Rückgang des Benzinverbrauchs dort auszudrücken. Sollten sich pessimistische Prognosen erfüllen und eine geographische Ausweitung der Schwäche eintreten, käme das Thema einer Produktionserhöhung durch die Opec sicherlich neu auf den Tisch, sagen Analysten. Sie erinnern daran, dass das Kartell in der Vergangenheit das Angebot mehrfach erhöht oder wenigstens nicht gedrosselt hat, wenn weltweit düstere Konjunkturwolken aufzogen. Dies sei stets aus eigenem Interesse geschehen, weil der Opec nur zu klar sei, dass ein möglichst hoher Ölpreis wenig nutzen würde, wenn der Absatz einbräche. Trotz verbaler Kraftakte würde das Kartell nie das Risiko eingehen, an dem Ast zu sägen, auf dem es komfortabel sitze.

Zum jüngsten Geschehen am Ölmarkt sagen Analysten, die aktuelle Nachrichtenlage gebe nicht viel her, um die Verteuerung zu begründen. Sicherlich sei der Preisanstieg wesentlich eine Folge von Eindeckungen der Baissiers am Terminmarkt. Sobald dieser Prozess vorüber sei, könnten die Notierungen abermals unter Druck geraten, zumal für den Ölmarkt der Winter auf der nördlichen Halbkugel nun als eines der tragenden Themen ausscheide. Für Schnee von gestern halten Fachleute auch die Forderung der Regierung Venezuelas an die Opec, den Dollar als Berechnungswährung für Öl fallenzulassen. Das Kartell hatte die hohen Ölpreise in der jüngeren Vergangenheit mehrfach mit der Baisse des Dollar gerechtfertigt. Diese Valuta, gemessen am handelsgewichteten Dollar-Index, stabilisiert sich jedoch schon seit November zunehmend.

Text: F.A.Z., 16.02.2008, Nr. 40 / Seite 21
Bildmaterial: AP, FAZ.NET

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