21. Mai 2008 Der Ölpreis hat am Mittwoch die psychologisch wichtige Marke von 130 Dollar gebrochen - zugleich kostete Diesel an den Tankstellen erstmals deutschlandweit so viel wie Benzin. Der Preis für ein Barrel Öl (159 Liter) der amerikanischen Referenzsorte WTI zur Auslieferung im Juli war am Nachmittag im Terminhandel in New York bis auf 132,08 Dollar und damit so hoch wie noch nie gestiegen. Auch die Nordsee-Sorte Brent wurde in London für 131,57 Dollar auf einem Höchststand gehandelt. Das OPEC-Öl erzielte mit 121,02 Dollar am Dienstag ebenfalls eine neue Rekordmarke, wie das Kartell am Mittwoch bekanntgab. Zugleich warnten Experten der Energy Watch Group davor, dass Erdöl schon in den kommenden Jahren knapp werde.
Die wilde Jagd an den Börsen macht sich auch an den Tankstellen bemerkbar: Autofahrer in ganz Deutschland müssen jetzt für Diesel ebensoviel bezahlen wie für Benzin. Nach einer Preisrunde am Dienstag und Mittwoch kosteten im bundesweiten Durchschnitt alle Sorten an Markentankstellen rund 1,52 Euro je Liter, wie Sprecher der Mineralölwirtschaft in Hamburg und Bochum mitteilten. Ursache seien die hohen Preise für Diesel am europäischen Ölmarkt in Rotterdam. Dort kostete eine Tonne Benzin am Mittag 1088 Dollar, eine Tonne Diesel dagegen 1290 Dollar. Dieser Preisunterschied habe den steuerlichen Vorteil von Diesel von rund 22 Cent je Liter aufgezehrt. Diesel hat damit abermals ein Rekordniveau erreicht und sich allein seit Mitte März um mehr als 15 Cent je Liter verteuert.
Bleibt der Ölpreis längere Zeit auf hohem Niveau?
Bereits im vergangenen Dezember hatte der Dieselpreis in einigen Regionen den Benzinpreis überflügelt, doch war der Grund damals ein kurzfristiger Preiskampf beim Benzin. Jetzt haben wir den Eindruck, dass sich diese Tendenz verfestigt, sagte Barbara Meyer-Bukow vom Mineralölwirtschaftsverband (MWV) in Hamburg. Ursache sei die steigende Nachfrage nach Diesel auf den Weltmärkten. So kauft China nach Aussagen von Experten offenbar vor den Olympischen Spielen große Mengen des Treibstoffs, auch die steigende Zahl von Diesel-Aggregaten zur Stromerzeugung in Afrika, Südamerika und Asien trage zur Erhöhung der weltweiten Nachfrage bei.
Credit Suisse hat die Vorhersage für den Ölpreis für die zweite Jahreshälfte von 91 auf 120 Dollar je Barrel angehoben. Langfristig werde der Preis zwischen 90 und 150 Dollar pendeln, meinen die Fachleute der Schweizer Bank. Die Analysten von Goldman Sachs stellen noch aggressivere Prognosen. Die Bank hat ihre Vorhersage für die zweite Jahreshälfte bereits von 107 auf 141 Dollar je Barrel WTI-Öl angehoben.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, FAZ.NET
