Energie & Rohstoffe

Ölpreis - Energieagentur senkt Nachfrageprognose

13. November 2008 Der Ölpreis läuft weiter nach unten. Ungeachtet aller Knappheitsszenarien liegt er mittlerweile rund 60 Prozent unter dem noch im Juli erreichten Rekordhoch von 145 Dollar je Fass Öl der Sorte WTI. Am Donnerstag ist er im Tagestief bis auf 54,67 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit März des vergangenen Jahres gefallen und hat den mittelfristigen Abwärtstrend fortgesetzt.

Die Gründe für die Preiskorrektur liegen auf der Hand. Erstens war der Preis in den vergangenen Jahren des Energie- und Rohstoffbooms zu rasch und zu stark nach oben getrieben worden. Eine Korrektur wurde immer überfälliger. In den vergangenen Monaten fand sie- ausgelöst durch die Kreditkrise - statt, da immer mehr Kredit finanzierte Positionen abgebaut werden und da Marktteilnehmer auf der verzweifelten Suche nach Liquidität alles verkaufen, was sich liquide handeln lässt.

Wirtschafts- und Nachfrageschwäche

Dazu kommt die globale Wirtschaftsschwäche. Sie führt genau in dem Moment zumindest kurzfristig zum Rückgang der Nachfrage, in dem massive Investitionen in die Suche, Entwicklung, Erschließung und Förderung von Öl und Gas sowie Energiesparmaßnahmen erste Früchte zeigten.

Gleichzeitig sind viele Förderländer auf hohe Einnahmen angewiesen, da sie in den Jahren des Booms ihre Ausgaben erhöht haben. So sind sie nun gezwungen, bei sinkenden Preisen trotz anders lautender Bekundungen so viel wie möglich zu fördern, um hohe Einnahmen generieren zu können. Einige Förderstaaten wie Venezuela, Iran, Russland, Oman oder auch Kasachstan benötigten einen deutlich höheren Ölpreis als jetzt, um ihre Ausgabeniveaus mit den laufenden Einnahmen decken zu können. Diese Kombination der Faktoren kann dazu führen, dass der Ölpreis noch weiter fallen kann.

Auf der anderen Seite warnt die Internationale Energieagentur (IEA) in der am Mittwoch veröffentlichten Ausgabe ihres jährlichen Weltenergieausblicks vor einer langfristig drohenden Energieknappheit, sollte nicht genügend in die Infrastruktur investiert werden. Diese Gefahr sei nicht von der Hand zu weisen. Tatsächlich bestehe das Risiko nicht darin, dass die globalen Reserven ausgingen, sondern dass Investitionen nicht dort getätigt würden, wo sie notwendig seien. Schon jetzt bremsen Unternehmen wie Shell oder Suncor Engery die Entwicklung kanadischer Ölsand-Vorkommen. Die Canadian Association of Petroleum Producers senkte kürzlich die Prognose zu den Investitionen der Branche für das Jahr 2009 um 20 Prozent auf 16 Milliarden kanadische Dollar.

IEA: Energieverbrauch wird langsamen zunehmen als bisher prognostiziert

Gleichzeitig muss die IEA jedoch eingestehen, der globale Energieverbrauch werde in den kommenden Jahren aufgrund der hohen Preise und aufgrund des schwachen Wachstums in den OECD-Staaten langsamer zunehmen, als noch im vergangenen Jahr angenommen. Der weltweite Primärölverbrauch werde bis ins Jahr 2030 jährlich um ein Prozent zunehmen von 85 auf 106 Millionen Barrel pro Tag. Im Vergleich mit den Projektionen des vergangenen Jahres wurde der Ölverbrauch im Jahr 2030 um 10 Millionen Barrel pro Tag nach unten revidiert. Dabei gehe der gesamte Nachfragezuwachs von Nicht-OECD-Staaten wie China, Indien und dem Nahen Osten aus, während er in den OECD-Staaten leicht rückläufig sein werde.

Wurde die Nachfrageprognose nach unten revidiert, so wurde dagegen die Preisprognose nach oben genommen. In nominaler Rechnung könnten die Ölpreise bis im Jahr 2030 bis auf 200 Dollar steigen, heißt es. In den kommenden Jahren dagegen werde die Preisentwicklung aufgrund der ökonomischen Unsicherheiten schwankungsanfällig bleiben.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, IIF; UniCredit Global Research, OECD/IEA, 2008

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Sie möchten Zuschuss zur Ihrer neuen Brille? Vergleichen Sie jetzt online einfach und bequem verschiedene Krankenzusatzversicherungen und sparen Sie bares Geld!

Devisenmarkt

Ölpreis-Korrektur bedroht den Rubel

Russland sitzt zwar auf den weltweit drittgrößten Devisenreserven. Doch die Reserven schrumpfen aufgrund notwendiger Interventionen am Devisenmarkt. Der fallende Ölpreis macht dem Land ebenfalls zu schaffen. Einiges deutet auf eine Abwertung des Rubel hin.

Venezuela

Sinkender Ölpreis verheißt für Anleihen nichts Gutes

Hugo Chavez sieht sich noch nicht bedrängt

Spezial Der Ölpreis sinkt drastisch. Was für Verbraucher positiv ist, könnte nun die Wirtschaftspolitik Venezuelas zu Fall bringen, braucht diese doch hohe Öleinnahmen zu ihrer Finanzierung.

Energie & Rohstoffe

Der Ölpreis ist volatil geworden

Spezial Die Preise an den Energie- und Rohstoffmärkten schwanken ebenso stark wie an den Finanzmärkten. Der immer wieder einsetzende spekulative Auftrieb der vergangenen Jahre weicht regelmäßig ebenso rasch rezessiven Aussichten.

Energie & Rohstoffe

Einbruch an den Rohstoffmärkten signalisiert Rezession

Spezial Die Preise an den Energie- und Rohstoffmärkten stehen weiterhin unter Druck. Selbst die Quotenkürzung der Opec scheint kaum etwas zu bewirken. Der spekulative Auftrieb der vergangenen Jahre ist den rezessiven Aussichten gewichen.

Finanzmärkte

Riskante Wetten auf die Reflationierungspolitik

Spezial Die internationalen Anleger kaufen die Aktienmärkte nach oben, als ob nach der amerikanischen Präsidentschaftswahl der große Wohlstand ausbräche. Dabei sind die ökonomischen Daten schwach und die Staatsschulden nehmen rasant zu.

Energie & Rohstoffe

Fortgesetzter Ausverkauf bei Rohstoffen

Spezial Der Preisverfall an den Energie- und Rohstoffmärkten geht weiter. Selbst die Quotenkürzung der Opec scheint nichts zu bewirken. Aufgrund der hohen Ausgaben der Ölstaaten gibt es Zweifel an der Umsetzung der Beschlüsse.

Öl

Der Preis hat sich seit Juli fast halbiert

Die Nachfrage nach Öl könnte sinken, wenn die Weltwirtschaft in eine Rezession abdriftet - Ölfeld in der Nähe von Baku

Spezial Die Nachfrage nach Rohöl sinkt auf der ganzen Welt. Am Donnerstag lag der Preis für Nordsee-Öl bei 68,63 Dollar. Nach Ansicht von Fachleuten ist selbst ein Rückgang auf 50 Dollar nicht auszuschließen. Vor allem Hedge-Fonds ziehen sich zurück. Von Arnd Hildebrand

Energie & Rohstoffe

Der Kautschukpreis bricht ein

Kautschuk-Ernte in Malaysia

Spezial Der Preis für Kautschuk befindet sich im freien Fall. In den vergangenen drei Wochen hat er in Tokyo satte 47 Prozent nachgegeben. Der schwache Automarkt führt zu nachlassender Nachfrage nach Reifen und damit nach Kautschuk.

Energie & Rohstoffe

Rohstoffanlagen - bisher nicht krisensicher

Spezial Die Rohstoffpreise steuern auf den größten Jahresverlust seit dem amerikanischen Rezessionsjahr 2001 zu. Anleger steigen aus Rohstoffinvestments aus, Konjunkturprobleme belasten die Nachfrage nach Industriegrundstoffen.

Ölmarkt

Turbulenzen führen zum Ausverkauf am Ölmarkt

Spezial Die Pleite von Lehman Brothers führt nicht nur an den Börsen zu Turbulenzen, sondern auch am Ölmarkt. Der Ölpreis ist inzwischen auf unter 92 Dollar gefallen. Banken und Broker sind und waren im Energiemarkt sehr aktiv und bauen Positionen ab.

Im Gespräch: Marc Faber

„Wir stehen am Beginn einer Weltrezession“

Marc Faber hat unter Pessimisten eine treue Fangemeinde

Spezial Kurzfristig profitieren die Aktienmärkte von der Rettung der amerikanischen Hypothekenfinanzierer. Viele zweifeln jedoch die Nachhaltigkeit der Entwicklung an. So verspürt der renommierte Vermögensverwalter Marc Faber im FAZ.NET-Gespräch derzeit wenig Kauflust: „Es wird künftig günstigere Gelegenheiten für Anleger geben als im Moment.“

Ölmarkt

Ölanleger haben mit Verkäufen den Preisverfall ausgelöst

Spezial Spekulanten hätten den Ölpreis nach oben getrieben und ließen ihn nun wieder fallen, zeigt eine Studie des Hedge-Fonds Masters Capital Management. Wer mit Angebot und Nachfrage argumentiere, solle die starken Preisschwankungen erklären.

Energie- und Rohstoffe

Argumente für eine stärkere Regulierung der Rohstoffmärkte

Spezial Die Preise für Öl und andere Rohstoffe liefen in den vergangenen Wochen so stark nach oben, als ob morgen das Angebot ausgehen würde. Hedge-Fonds-Manager Michael Masters macht „Index-Anleger“ verantwortlich und fordert ihre Regulierung.

Börsen

Kursdesaster in den Schwellenländern

Die internationalen Börsen stehen unter Druck, das „wahre Kursdesaster“ findet jedoch in den Schwellenländern statt. Die Märkte in China und in Russland haben in den vergangenen Monaten mehr als 60 Prozent ihres Wertes verloren.

Rentenmärkte

Staatsanleihen schlagen die meisten Börsen

Mit Staatsanleihen aus Tschechien, Polen, Japan, Europa und den Vereinigten Staaten konnten europäische Anleger in den vergangenen Monaten am sichersten Geld verdienen. Turbulenzen und disinflationäre Tendenzen sorgen für Kursphantasie.

Edelmetalle

Platin bietet aufgrund des Überangebots kaum Reize

Wertvolles Metall

Platin hat in den vergangenen Monaten 50 Prozent seines Wertes verloren. Aufgrund des absehbaren Überangebots gibt es nur wenige Gründe, die für einen Preisauftrieb sorgen könnten. Zum Beispiel die Sorge über die Kreditkrise.

Energie & Rohstoffe

„Was haben Pensionsfonds am Ölmarkt zu suchen?“

Spezial Die Preise von Energie und Rohstoffen laufen nach oben oder halten sich vielfach auf hohen Niveaus. Dafür lassen sich viele Gründe finden. Kritische Analysten jedoch weisen auf die fragwürdige Rolle von Finanzinvestoren hin.

Im Gespräch: Ölexperte Rafael Sandrea

„Das Öl geht nicht schon morgen aus“

Rafael Sandrea, IPC Petroleum Consultants

Spezial Öl ist knapp - diese These führte dazu, dass der Ölpreis nach oben lief. Kurzrfristig gibt es eine gewisse Knappheit. Die Reserven sind jedoch noch lange nicht erschöpft. Ein großer Teil lässt sich mittels innovativer Technologien noch fördern.

nach oben

F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2009 Medienpartner: NZZ Online

Quellen: Technologie und Kursdaten von der TeleTrader Software AG sowie Fondsdaten aus der FWW-Fondsdatenbank, FWW GmbH. Dieser Service ist powered by X.finance GmbH & Co. KG, © 2009. Alle Börsendaten werden mit mindestens 15 Minuten Verzögerung dargestellt.