Überraschende Zinssenkung

Schweden hält die Krone schwach

Frostiges Wirtschaftsklima in Schweden

Frostiges Wirtschaftsklima in Schweden

02. Juli 2009 Nach der Implementierung extrem lockerer Geldpolitiken in Folge der Kredit- und Wirtschaftskrise in den vergangenen Monaten dachten in den vergangenen Wochen mehrere Verantwortliche dieser Institutionen über Ausstiegsszenarien nach. Das Ziel bestand nach Ansicht von Experten darin, mittel- und langfristige Preiserwartungen zu verankern.

Denn für straffere Geldpolitiken sei es angesichts des Ausmaßes der Krise und der deflationären Impulse im System, die von unausgelasteten Überkapazitäten ausgingen, noch zu früh.

Schwedische Zentralbank überrascht mit Zinssenkung

Optimistische Anleger wetteten in den vergangenen Wochen zwar auf eine rasche wirtschaftliche Erholung und erwarben daraufhin riskante und - hoffentlich - ertragreiche Wertpapiere aller Art. Harte Fakten lassen jedoch eine robuste wirtschaftliche Entwicklung abgesehen von gewissen Basiseffekten kaum erwarten. Zu den Skeptikern gehören offensichtlich auch die handelnden Personen der schwedischen Zentralbank. Denn sie halbierten am Donnerstag überraschend den zuvor schon extrem tiefen Leitzins auf nun 0,25 Prozent. Noch im September des vergangenen Jahres hatte er bei 4,75 Prozent gelegen.

„Die schwache Wirtschaft mache eine etwas expansivere Geldpolitik nötig“, erklärte die Zentralbank nach der Zinsentscheidung. Und - der Leitzins werde voraussichtlich bis in den Herbst des kommenden Jahres auf diesem tiefen Niveau bleiben, hieß es weiter. Tiefe Zinsen und ein flacher Zinserwartungspfad seien notwendig, um dem schwachen Produktionsniveau der Industrie zu begegnen und um die Inflationsrate auf das Ziel von zwei Prozent hinzubewegen. Die Riksbank senkte gleichzeitig ihre Wachstumserwartungen auf ein Minus von 5,4 Prozent. Sie geht davon aus, dass die Konsumentenpreise in laufenden Jahr um 0,2 Prozent fallen und im kommenden Jahr um 1,4 Prozent steigen werden.

Die schwedische Krone reagiert am Donnerstag auf die Zinssenkung mit einem Kursverlust von 1,3 Prozent auf 7,6653 Kronen je Dollar und mit einem Minus von 0,9 Prozent auf 10,81 Kronen gegen den Euro. Damit hält sich die Währung auf dem schwachen Niveau, welches sie nach einer massiven Abwertungsbewegung im vergangenen Jahr erreicht hatte. Von September bis Dezember war der Kurs von 9,36 auf bis zu 11,33 Kronen je Euro gestiegen.

Ist die Stimmung besser als die Lage?

In den vergangenen Wochen hatte es in Schweden zwar positiv interpretierte Konjunkturdaten gegeben. So hatten die Einzelhandelsumsätze im April und Mai überraschend stark zugelegt. Gleichzeitig hat sich die Konsumentenstimmung etwas vom depressiven Niveau erholt, auf das sie Ende des vergangenen Jahres gefallen war. Allerdings scheint die Stimmung auch hier besser als die Lage zu sein. Denn die Stimmung unter den Unternehmen ist immer noch sehr schwach. Sie wird bestätigt durch die Skepsis der Zentralbanker.

Schweden ist einerseits stark abhängig von den Exporten. Der Wert der exportierten Güter des Landes ist jedoch von April des vergangenen bis Ende Mai des laufenden Jahres um knapp 30 Prozent auf zuletzt 78 Milliarden schwedische Kronen gefallen. Von Erholung scheint diesbezüglich keine Rede zu sein. Alleine schon aus diesem Grund dürfte die Zentralbank dazu tendieren, die Währung des Landes möglich schwach zu halten.

Gleichzeitig sind die schwedischen Banken stark exponiert was ihre Engagements in Osteuropa - vor allem in den stark kriselnden baltischen Staaten - anbelangt. Auch aus diesem Grund dürfte die Zentralbank ihre Zinsen tief halten, um den Instituten das Geldverdienen zu erleichtern. Insgesamt spricht einiges dafür, dass die schwedische Krone bis auf weiteres schwach bleiben wird.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: AP, FAZ.NET, Goldman Sachs

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