Industriemetalle

Neuregulierung bringt den Nickelmarkt nach unten

11. Juni 2007 Sorgte die Entwicklung der Rohstoffpreise in den vergangenen Monaten für Schlagzeilen und für eine wahre Fluten an neuen Finanzprodukten, so fiel die Preisentwicklung bei näherer Betrachtung höchst unterschiedlich aus.

Unterscheidet man einmal grob nach Metallen, Energie und agrarischen Rohstoffen, so tendierten lediglich die Metalle als Gruppe im Trend nach oben. Auf Sicht der vergangenen zweieinhalb Jahre wurde die Preisentwicklung angeführt von Nickel mit einem Plus von 181 Prozent, gefolgt von Blei mit einem Plus von knapp 92 Prozent, Zinn mit einem Plus von knapp 85 Prozent und Zink mit einem Preiszuwachs von etwas mehr als 70 Prozent.

Metallmärkte scheinen besonderen Regeln zu folgen...

Danach folgten mit Mais, Raps, Gerste, Sojaöl und Wolle agrarische Rohstoffe. Auf der anderen Seite zählte der Zuckerpreis zu den schwächsten Rohstoffen in den vergangenen 30 Monaten. Solche Unterschiede machen einmal mehr deutlich, dass sich Rohstoffe nicht über einen Kamm scheren lassen, sondern dass sich jeder Preis individuell auf Basis der Angebots- und Nachfragesituation in der entsprechenden Erwartungen entwickelt.

So mag der Preis für Blei beispielsweise deswegen nach oben laufen, da immer mehr Hersteller von Produkten auf effizientes Energiemanagement bauen. Solche Prozesse setzen in der Regel wenigstens die Zwischenspeicherung voraus. Aus diesem Grund dürfte die Nachfrage nach entsprechenden Technologien zunehmen. Indirekt dürfte aus diesem Grund die Nachfrage nach Blei zunehmen können.

Ähnliches gilt für die Preise von Mais, Weizen, Gerste und anderen. Denn dort nimmt die Nachfrage sowohl aufgrund sich verändernder Ernährungsgewohnheiten als auch für die Energieproduktion zu. Immerhin subventionieren immer mehr Staaten die Produktion alternativer Energien und verzerren auf diese Weise diese Märkte indirekt. Die Folgen sind in letzter Konsequenz noch nicht absehbar. Aber sehr wahrscheinlich sind sie inflationär.

Besondere Regeln scheinen jedoch für manche Metallmärkte zu gelten. Das zeigt sich am Beispiel des Nickelmarktes. Denn dieser scheint stark konzentriert und damit entsprechend manipulationsanfällig zu sein. Angesichts der mutmaßlich hohen Konzentration der Lagerbestände - nur zwei Händler verfügten über 80 bis 90 Prozent der Gesamtlagerbestände - hat die LME nun mit Wirkung zum 7. Juni ihre Regelungen zur Leihe geändert. Der Nickelpreis hat daraufhin und wahrscheinlich auf mit Blick auf die aufkommenden Zinssorgen bereits deutlich nachgegeben.

... so war und ist der Nickelmarkt stark konzentriert

Die Rohstoffanalysten der Commerzbank erwarten aus diesem Grund, dass der Preis noch weiter fällt, denn die Gefahr bestehe, dass der Markt nun in die andere Richtung übertreiben werde. Nach ihrer Analyse liegt der Nickelmarkt in wenigen Händen. Das gelte sowohl für die Produzentenseite - knapp die Hälfte des Angebots entfalle auf die drei wichtigsten Anbieter - als auch für die Terminbörsen.

Der Nickelpreis habe sich zuletzt von den nachvollziehbaren Niveaus stark entfernt. Die aktuell hohe Konzentration des Marktes lege die Vermutung nahe, dass ein Großteil des Preisanstiegs auf einen so genannten „short squeeze“ zurückzuführen war. Anleger, die bei einer Spekulation auf fallende Kurse Nickel leer verkauft hatten, wurden gezwungen, ihre Positionen zu schließen.

Die London Metals Exchange (LME) hat deshalb interveniert und die Regelungen zur Leihe verändert. So galt beispielsweise bislang nur, dass ein Marktteilnehmer ohne Prämie verleihen muss, wenn er mehr als 90 Prozent der Bezugsrechte oder der physischen Positionen hält. Nun gilt verschärft: Wenn zwei Marktteilnehmer mehr als 25 Prozent besitzen und einer davon mehr als 45 Prozent, so muss letzterer ohne Prämie verleihen.

Damit scheint die Terminbörse darauf abzuzielen, große Lagerpositionen aufzulösen, um die Verfügbarkeit des Metalls zu erhöhen. Dies sollte aus Sicht der Commerzbank-Analysten trotz erhöhter Liquidität den Nickelpreis stark unter Druck bringen. Es bestehe außerdem vermehrt die Chance, dass Spekulanten stark gegen die hohen Long-Positionen „wetten“ und der Markt in die andere Richtung übertreibt. Ferner könnten Händler, die sich aus spekulativen Gründen mit Verkäufen bislang zurückhielten, nun in die LME-Lager einliefern, was den Preiseinbruch noch weiter verschärfen könne.

Es sei nicht auszuschließen, dass diese Regeln auch auf andere Märkte übertragen werden. In diesem Sinne dürfte man sie künftig genauer betrachten müssen. Deutlichere Korrekturen scheinen denkbar zu sein. Immerhin hat der Nickelpreis seit seinem Hoch bei 51.600 Dollar im Mai dieses Jahres inzwischen 18 Prozent nachgegeben.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: Daten: Diapaoson Commodities / Grafik: FAZ.NET, Daten:LME/Bloomberg, Grafik:FAZ.NET, LME, Bloomberg, Commerzbank Corporates & Markets

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