Devisen

Euro-Yen deutlich überbewertet

03. Mai 2006 Der Dollar ist in den vergangenen Tagen auf breiter Basis deutlich unter Druck geraten. Das gilt sowohl gegen den Dollar und das britische Pfund, insbesondere jedoch gegen die asiatischen Währungen wie der indonesischen Rupie, dem thailändischen Baht und dem südkoreanischen Won.

Die indonesische Rupie hat gegen den Dollar seit Jahresbeginn um etwas mehr als zwölf Prozent gegenden Dollar aufgewertet, der Thaibaht um knapp neun Prozent und der Won mit einem Plus von 7,8 Prozent deutlich mehr als der Euro mit einem Kursgewinn von inzwischen 6,76 Prozent. Unterdurchschnittlich legten dagegen der Singapur-Dollar, der Yen, der Taiwan-Dollar, der philippinische Peso, die indische Rupie und natürlich auch der chinesische Renminbi zu.

Euro trägt wieder einmal die „Abwertungslast“

Auf diese Weise zeigt sich wieder einmal die Dichotomie des Devisenmarktes: Er spielt im Moment die nachlassende Zinsphantasie in Amerika und die durch das jüngste G7-Statement überdeutlich formulierten Sorgen über die sich immer weiter aufbauenden internationalen Ungleichgewichte vor allem gegen die „freien“ Währungen wie den Euro. Und das, obwohl die strukturellen Probleme in Form von Leistungsbilanzungleichgewichten und massiven Devisenreserven nicht im Verhältnis zwischen Europa und den Vereinigten Staaten auftreten, sondern insbesondere zwischen den Vereinigten Staaten und Asien.

Da die asiatischen Währungen - insbesondere der Yuan und der Yen - nicht frei auf Handels- und Kapitalverkehrsströme reagieren können, bleiben die übrigen Währungen als markttechnische „Ventilfunktion“. Auf diese Weise gerät insbesondere die europäische Industrie im internationalen Handel in die Defensive, da sie mit unvorteilhaften Währungsbewegungen konfrontiert ist und entsprechend rationalisieren muß. Nirgends wird diese Entwicklung deutlicher als am Verhältnis zwischen Euro und Yen.

Es tendiert schon seit Jahren nach oben und hat erst in den vergangenen Tagen mit 145,49 Yen je Euro ein neues Allzeithoch erreicht. Am Mittwoch liegen die beiden Währungen bei 143,26 Yen je Euro und der mittelfristige Trend zeigt weiterhin nach oben. Allerdings ist das Währungspaar inzwischen Welten von einer fairen Bewertung entfernt. Sie liegt nach einer Berechnung von Goldman Sachs unter Berücksichtigung der Kaufkraftparitäten und Kapitalverkehrsströmen bei 127 Yen je Euro und damit rund zwölf Prozent unter dem aktuellen Niveau.

Deutlicher Aufwertungsbedarf für den Yen

Aus diesem Grund gebe es am Devisenmarkt für den Yen einen deutlichen Aufwertungsbedarf auf bis zu 106 Yen je Dollar. Er könnte nach Ansicht der Devisenexperten deswegen zum Tragen kommen, da es für Japan mit Blick auf die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung keinen Grund gebe, die eigene Währungen „schwach“ zu reden. Immerhin liege der kritische Wechselkurs für japanische Exporteure nach japanischen Berechnungen bei 104,5 Yen je Dollar.

Auf der anderen Seite scheinen europäische Politiker inzwischen sensibler für das Thema geworden zu sein und blicken kritisch auf die Entwicklung des Yen im Verhältnis zum Euro. Immerhin hat das französische Finanzministerium jüngst die Notwendigkeit der Yenaufwertung angedeutet. Zusammen mit der anhaltenden Wette auf eine weitere Aufwertung des Yuan - der Trend zeigt eindeutig in diese Richtung - sei eine Wette auf den Yen und gegen den Euro eine interessante Option, heißt es. Allerdings sprechen die Fakten schon länger dafür, während der Trend weiterhin dagegen spricht. In diesem Sinne dürften die Risiken entsprechender Positionen klar sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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